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Barrieren schränken Teilhabe ein

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Mann mit einem kahlen Kopf und einer Brille sitzet auf einer Bank und hat einen kleinen Hund auf dem Schoß
Dr. Carsten Rensinghoff
Foto: privat

BERLIN (kobinet) Niemand darf einer Behinderung wegen benachteiligt werden - im Grunde genommen ist das völlig klar. Praktisch sieht es mit der Wahrnehmung aller Möglichkeiten jedoch deutlich schwerer aus, weil dem häufig Barrieren im Wege stehen. Dazu braucht man sich lediglich die Vorschläge regionaler und lokaler Medien dazu, was man am Wochenende unternehmen könnte, einmal anhören. Das sind ganz gewiss gute Tipps zu interessanten Veranstaltungen oder Möglichkeiten, mit anderen Leuten zusammen eine schöne Zeit zu verleben. Aussagen dazu, inwieweit das alles barrierefrei zu genießen ist, gibt es jedoch nicht.  So müssen dann häufig jene, die weitgehend auf Barrierefreiheit angewiesen sind, sehr viele dieser Vorschläge wieder von der "Liste guter Ideen" streichen. Gerade in der Urlaubs- und Reisezeit erhalten wir von  der kobinet-Redaktion viele Leserbriefe, die zeigen: Es geht nicht nur um diese Barrieren sondern vor allem darum, dass Barrieren die Teilhabe ganz konkreter Personen einschränken oder diese sogar ausschließen.

Dabei ist selbstverständlich nicht zu übersehen, dass man durchaus auch weitgehend barrierefreie Angebote finden kann – man muss eben lediglich wissen wo man sie suchen muss. Niemand verschweigt, dass es mit der Barrierefreiheit Schritt für Schritt besser wird. So erhielten wir von der Redaktion kürzlich die Auskunft, dass die Stadtbahnhaltestelle „Alter Flughafen“ in Hannover ab sofort barrierefrei ist. Das ist sehr gut ! Uns wird jedoch ebenso von einem neu gebauten Bahnhof berichtet, dessen Fahrstühle erst später eingebaut werden können. Das ist immerhin besser wie jener Vorstadtbahnhof, der bei dem Neubau einen Fahrstuhlschacht erhielt, diesen Fahrstuhl jedoch nicht bekommen wird. Dieser Teil der Investition wurde im Verlauf der Bauphase wegen einer zu geringen Fahrgastzahl gestrichen.

Überhaupt ist die Barrierefreiheit auf Bahnhöfen immer wieder ein Kritikpunkt unserer Leserinnen und Leser. Das beginnt bei dem Punkt, dass Bahnreisen bei der Deutschen Bahn und den Privatbahnen überhaupt vorher angemeldet sein sollten und geht bis zu Beispielen bei denen potentiellen Fahrgästen eine Reise mit der Bahn verweigert wurde.

Wen wundert es bei derartigen Verhältnissen, dass ein Rollstuhlfahrer sein Leben als Rollstuhlfahrer sein Leben als „täglicher Kampf gegen Straßen, Treppen und Ignoranz“ beschreibt und Passagiere einer ausländischen Fluggesellschaft ihre Reise als „entwürdigende Erfahrung“ beschreiben. In diese Rubrik der „schlechten Erfahrungen“ gehört wohl ebenso die Erfahrung eines blinden Reisenden, der in einem Hotel ein barrierefreies Zimmer gebucht hatte und plötzlich auf dem Zimmer frühstücken sollte – weil der Blindenführhund nicht in den Frühstücksraum durfte.

Bis hierher wollten wir von der „kobinet Redaktion“ gern „das Problem Barrieren“ allgemein ansprechen. Deshalb haben wir nur „die Probleme von Menschen mit den Barrieren“ angesprochen. Zu allen Beispielen könnten wir auch die Namen der Personen nennen, die uns davon berichtet haben. Bei einem letzten Beispiel möchten wir jedoch den Namen nennen, weil dieses Beispiel zeigt, dass es auch bei nach „Reisen für Alle“ zertifizierten Angeboten letztlich darauf ankommt, wie man sich gegenüber den Gästen verhält.  So hatte der Wittener Professor für Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik Dr. Carsten Rensinghoff eigentlich darauf gehofft, in Norddeich einen schönen und erholsamen Urlaub zu verbringen. Norddeich gilt als barrierefrei und so sollte ein barrierefreies Quartier eigentlich kein Problem sein. Wegen einer erheblichen Einschränkung im körperlichen und motorischen Bereich hat Carsten Rensinghoff einen Grad der Behinderung von 100, weshalb er bei der Buchung ein Zimmer im Erdgeschoss erbeten hatte. Im Jahr 2024 hatte er ein solche Zimmer auch schon einmal bekommen. Nur in diesem Jahr erfuhr er bei der Anreise, dass sämtliche Zimmer im Erdgeschoss belegt sind und für eine gewisse Zeit nur Zimmer im 2. Obergeschoss zu haben seien. Nach Ablauf dieses Zeitraums könnte er dann, so wurde ihm gesagt, in das Erdgeschoss umziehen. Die „Lösung“ war dann eine „Ersatzferienwohnung“.

In den kommenden Wochen wird die Bundesregierung wird ihre neue Tourismuskonzeption erarbeiten. Dabei wäre es wohl eine gute Idee, die Arbeit mit dem Informations- und Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“ ganz schnell wieder „in die Spur“ zu bringen und dem Thema „barrierefreier Tourismus“ insgesamt große Aufmerksamkeit zu widmen.