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„Kultouren“ für alle in Nürnberg

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Foto: BR24

Nürnberg (kobinet) Toni Munkert ist Museumsführer im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Und er ist sehbehindert. Seine Kollegin Christine Schreier nicht, zusammen bilden sie ein starkes Tandem. Beide sind Teil des Konzepts "Kultouren für alle" des Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Hauses. "In neun Touren führen immer ein Mensch mit und einer ohne Behinderung durch ein Museum, durchs Rathaus oder die Stadt. Munkerts und Schreiers Führung heißt 'Vergangenheit verstehen, Zukunft gestalten' und beschäftigt sich mit der Menschheitsgeschichte." So heißt es in einem Bericht von BR24, auf den Sabine Lohner die kobinet-nachrichten aufmerksam gemacht hat.

„Wissen so vermitteln, dass alle davon profitieren: Das ist eine schwierige Aufgabe für Bildungsträger, für Lehreinrichtungen und für Museen. Immerhin unterscheiden sich Menschen in ihrem Alter, ihrer Kultur, ihrer Sozialstruktur. Und auch in ihren Sinnen. Wer nichts sieht, kann mit einem Schaukasten wenig anfangen. Wer nichts hört, versteht die Führung nicht. Damit auch Menschen mit einer Behinderung, mit Demenz oder schlechten Deutschkenntnissen einen Museumsbesuch genießen können, braucht es mehr als nur Blindenschrift und Rollstuhlfreundlichkeit“, heißt es weiter im Bericht von BR24.

Toni Munkert und Christine Schreier bieten dem Bericht zufolge die Führung einmal im Quartal an. „Bei ihrer Tour im Juli sind 16 Personen mit dabei. Munkert hält einen Blindenstock in der Hand. Tandem-Partnerin Schreier reicht ihm ein überdimensioniertes Wollknäuel und Munkert erklärt: ‚Ein Meter davon sind tausend Jahre‘. Munkert spricht langsam und wählt die Worte sorgfältig aus. Schreier ergänzt: ‚Um die Zeit greifbar zu machen, haben wir ein eigenes Messinstrument erfunden.‘ An den wichtigen Stellen der Menschheitsgeschichte hängen kleine Symbole an der Wolle. Wer nichts sieht, kann die Symbole ertasten“, heißt es weiter im Bericht.

Link zum Bericht von BR24 und zu weiteren Infos

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Ralph Milewski
04.08.2025 13:57

Im BR24-Beitrag zur Führung „Inklusion, Bildung, Sichtbarkeit: Nürnberger Führungen für alle“ heißt es: „Eines unserer Ziele ist es, dass Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich im Stadtbild vorkommen.“ Es folgt die Feststellung: „Zwar gehören sie zur Gesellschaft, doch man sehe sie kaum.“ Diese Beobachtung wird nicht weiter eingeordnet. Es wird nicht gefragt, warum das so ist, welche gesellschaftlichen oder institutionellen Strukturen diese Unsichtbarkeit erzeugen und aufrechterhalten und wem sie nützt.

Zuletzt bearbeitet am 10 Monate zuvor von Ralph Milewski