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Reden wir mal wieder über Potentiale des barrierefreien Tourismus

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Herunter gelassene Bugklappe eines Schiffes über die alle Passagiere stufenlos an Deck gelangen
Weg an Bord zu einer Tour bei der alle mitreisen können
Foto: H. Smikac

BERLIN (kobinet) Tourismus für Alle – das ist eines jener Themen über welche immer wieder einmal gesprochen und zu dem auch immer wieder einmal viel versprochen wird. Sich einmal ernsthaft über die Potentiale, auch über die wirtschaftlichen Potentiale zu verständigen, die im barrierefreien Tourismus "schlummern", das ist schon nicht ganz so häufig. Wer dazu eine gute und aussagekräftige deutschsprachige Quelle sucht, der braucht schon ein gutes Gedächtnis – und muss im Archiv bis in das Jahr 2004 zurückgehen, um dort die Studie "Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus für Alle" zu finden. Wer englischsprachige Studien nutzt, der kann sich aber auf aktuelles Material stützen, welches jedoch vor allem das bestätigt, was wir schon lange wissen, aber eben bisher auch nicht verändert haben.

Vor einem Monat haben die weltweit tätige Marketingagentur MMGY in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk für Barrierefreien Tourismus (ENAT) und der Weltrat für Reisen und Tourismus (WTTC) die Ergebnisse einer Umfrage unter Europäischen Reisenden mit Mobilitäts- und Zugangsansprüchen vorgestellt. Dieses Porträt wurde durch Befragen von fast 3.700 Personen mit Mobilitätseinschränkungen im europäischen Hauptreisemarkt in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien erstellt.

Zu den wichtigsten Ergebnissen dieser Studie gehört die Aussage, dass mit 46 Prozent fast die Hälfte der Menschen mit Mobilitätseinschränkungen jedes Jahr wenigstens eine Reise unternehmen. 52 Prozent der befragten Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen haben in den vergangenen beiden Jahren mehrtägige Gruppenreisen in das Ausland übernommen. Aus der Umfrage ergibt sich, dass diese Art des Reisens in den nächsten beiden Jahren auf 61 Prozent steigen wird.
Bevorzugte Reiseziel in Europa sind dabei vor allem Italien, Spanien und Frankreich. Als Ziele von Reisen in die USA wurden vor allem New York und Los Angeles genannt.

Bevor Reisende mit Mobilitätseinschränkungen dazu ihre Koffer packen, haben sie bereits die ersten Barrieren zu überwinden: Das Fehlen klarer, aussagefähiger und standardisierter Informationen zur Barrierefreiheit, die sich sich in vielstündiger Arbeit zusammensuchen müssen.

Ein zweiter Punkt sind die Schwierigkeiten beim Transport. 80 Prozent der Befragten haben in der Umfrage von zusätzlichen Herausforderungen bei ihren letzten Reisen berichtet. Obwohl Flugzeuge international das am häufigsten genutzte Transportmittel sind, schneidet dieses bei der Umfrage am schlechtesten ab. Hier werden vor allem lange Wartezeiten auf Hilfen, fehlende Schulung des Personal und beschädigte Hilfsmittel bemängelt.

Begrenzter Zugang zu Aufzügen und Rampen, schlecht gestaltete Bahnhöfe und ein Mangel an barrierefreien Wagons und Taxen sind nach dieser Umfrage die häufigsten Kritikpunkte beim Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel.

Mit dem Blick auf passende Unterkünfte zeigt diese Umfrage, dass es auch hier weiterhin für Reisende Barrieren gibt, da die Internetseiten von Hotels und Pensionen keine entsprechenden Informationen, wie Hinweise auf stufenlose Zugänge, Verfügbarkeit von Aufzügen oder die Zugänglichkeit von Badezimmern, enthalten. Selbst auf die Bestätigung, dass ein barrierefreies Zimmer gebucht wurde, wird in vielen Hotels und Pensionen verzichtet.

Ein weiterer Hinweis der Studie verweist auf finanzielle Belastungen. Mehr als 80 Prozent der Reisenden geben an, dass sie oft bis zu 30 Prozent ihres Reisebudgets für Barrierefreiheit ausgeben  müssen und so für viele weitere Ausgaben nur geringen Spielraum haben.

Letztlich ist noch darauf zu verweisen, dass trotz wachsendem Interesse auch dieser Personen am Reisen eine schlechte Infrastruktur nach wie vor ein großes Hindernis ist. So wird, darauf verweisen die Antworten der Befragten, sicheres und unabhängiges Reisen weiterhin durch viel zu wenige stufenfreie Wege sowie fehlende Rampen, Aufzüge und barrierefreie Toiletten erschwert.

Weitere Einzelheiten dieser Studie können in englischer Sprache auf der Internetseite des Europäischen Netzwerkes Barrierefreier Tourismus (ENAT) nachgelesen werden. Die Printausgabe dieser Studie „The Portrait of European Travellers with Mobility & Accessibility Needs“ kann über einen weiteren Link auf dieser Seite bestellt werden, diese würde dann allerdings 2.170, 95 Euro kosten.