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Hohes Engagement der Träger trotz unzureichender Rahmenbedingungen

Krankenschwester im blauen Kittel mit schwarzem Haar und dunkler Hautfarbe mit erhobenem Zeigefinger
Das ist wichtig für das Wohlergehen
Foto: Hansuan_Fabregas In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

BERLIN (kobinet) Aufgrund der demografischen Entwicklung ist die Sozialwirtschaft zwingend auf Personal aus dem Ausland angewiesen. Eine aktuelle Blitzumfrage des Evangelischen Bundesfachverbands für Teilhabe (BeB) und des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) zeigt, wie zentral diese Arbeitskräfte bereits heute sind: Bei 44 Prozent der DEVAP-Mitgliedseinrichtungen liegt der Anteil ausländischer Mitarbeitender zwischen 20 Prozent und 50 Prozent. Bei 80 Prozent der BeB-Mitglieder liegt der Anteil bei knapp 20 Prozent und es wird ein klar wachsender Bedarf an internationalem Personal verzeichnet. Die Verbände betonen: Fachkräfte aus dem Ausland sind schon jetzt eine unverzichtbare Säule für soziale Teilhabe und Langzeitpflege in Deutschland.

Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung unterstreicht, dass Deutschland ein einwanderungsfreundliches Land bleiben und die qualifizierte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt weiter gefördert werden soll. Die Blitzumfrage von BeB und DEVAP zum Thema Vielfalt und Integration zeigt jedoch, dass die Gewinnung von ausländischem Personal bei zwei Drittel der Träger massiv erschwert wird. Als Hauptgründe werden die fehlende Anerkennung von Abschlüssen (71 Prozent), Probleme mit dem Aufenthaltsstatus (63 Prozent) und der bürokratische Aufwand (66 Prozent) genannt. Von den 191 Trägern berichten 76 Prozent von Visa-Prozessen, die deutlich länger als drei Monate dauern.

Die Umfrage zeigt zudem ein hohes Engagement der Träger im Einsatz von strukturierten Integrationsmaßnahmen:

  • Die häufigsten Maßnahmen sind Hilfestellung bei Behördengängen (60 Prozent);
  • Unterstützung bei der Wohnungssuche (52 Prozent)
  • Sprachkurse (49 Prozent).
  • Orientierungstagen beziehungsweise Einführungsseminaren und Schulungen für das Team zur besseren Integration.

Der Vorsitzende des DEVAP, Wilfried Wesemann, stellt zu diesen Resultaten fest „Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass bei den Trägern ein hohes Maß an Engagement für eine gute Integration vorhanden ist. Die strukturierten Integrationsmaßnahmen sind jedoch oft unterfinanziert und es wird dringend Unterstützung von Seiten der zuständigen Stellen für die Anerkennungsverfahren gefordert.“

Und Pfarrer Frank Stefan, der Vorsitzende des BeB ergänzt dazu: „Vielfalt gehört längst zum Alltag in vielen Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Sozialpsychiatrie. Unsere Mitglieder beschäftigen bereits seit Jahren Mitarbeitende mit internationalen Biografien und gestalten Integration mit viel Engagement- oft unter schwierigen Bedingungen. Gerade in der Eingliederungshilfe brauchen wir endlich passgenaue Lösungen: Der Beruf der Heilerziehungspflege ist international kaum bekannt, so dass Lösungen für Quereinsteiger notwendig sind. Wir fordern daher modulare und praxisnahe Anerkennungsverfahren, zielgerichtete Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote sowie eine bundesweite Anlaufstelle, die auf die besonderen Anforderungen der Eingliederungshilfe zugeschnitten ist. Wenn Integration gelingen soll, müssen die politischen Rahmenbedingungen die Realität vor Ort abbilden – nicht umgekehrt.“