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Spätestens am 3. Juni wurde die Forderung nach „Neustart Inklusion“ vom 5. Mai durch Merz beendet – kein Aprilscherz!

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roter Schriftzug
Ein Los für das gute Gewissen
Foto: Ralph Milewski

Fladungen (kobinet) Der 5. Mai ist vorbei. Einmal mehr hat Aktion Mensch den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung unterstützt, mit Materialien, Plakaten, Imagevideos und einem bunten Strauß an Veranstaltungen im ganzen Land. Die Botschaft war klar: Teilhabe ist wichtig. Vielfalt ist schön. Inklusion ist ein Menschenrecht. Und jetzt? Jetzt, wo Friedrich Merz öffentlich die Eingliederungshilfe infrage stellt. Jetzt, wo die Teilhabe-Infrastruktur ins Wanken gerät. Jetzt, wo konkrete politische Kürzungen zur Debatte stehen. Von Aktion Mensch ist nichts zu hören.

Aktion Mensch ist die mächtigste Organisation im deutschen Inklusionsdiskurs. Sie hat Zugang zu Medien, Ministerien, Schulen, Konzernen. Sie finanziert Projekte, bespielt Kampagnenräume, prägt Begrifflichkeiten. Aber sie greift niemanden an. Nicht einmal dann, wenn Grundpfeiler der Inklusion wie die Eingliederungshilfe öffentlich zur Disposition gestellt werden. Aktion Mensch vermeidet Konflikt, wo es ihn bräuchte. Sie verweigert Stellungnahme, wo Positionierung nötig wäre. Sie stellt Forderungen, aber nennt keine Adressaten.

Der 5. Mai steht beispielhaft für diese Haltung: ein Aktionstag mit buntem Rahmen, aber ohne politische Klarheit. Keine direkte Kritik an Parteien oder Verantwortungsträgern. Keine konkrete Verteidigung bestehender Rechte gegen reale Angriffe. Stattdessen: diffuse Empörung im luftleeren Raum. Was fehlt, ist Mut. Mut zur direkten Konfrontation mit politischen Akteuren, die mit Zahlen operieren, wo Menschen betroffen sind.

Dass ausgerechnet Aktion Mensch, die sich selbst als Bündnispartner für Inklusion inszeniert, ausweicht, wenn die Teilhabe in Gefahr ist, ist kein Zufall, sondern strukturell. Denn wer auf Förderlogik statt Widerstandslogik setzt, will niemanden verprellen. Wer mit allen redet, redet mit niemandem Klartext. Wer lieber über Inklusion spricht, als sie zu verteidigen, bleibt sauber, aber wirkungslos.

Die Kürzungsdebatte rund um die Eingliederungshilfe ist ein Lackmustest. Nicht für die Betroffenen, die kämpfen längst. Sondern für jene, die sich anmaßen, für sie zu sprechen. Wenn Aktion Mensch hier erneut schweigt, beweist sie, dass sie bereit ist, die Arbeit – die Merz möglichwerweise als „Drecksarbeit“ bezeichnen würde – anderen zu überlassen: den kleinen Initiativen, den Einzelpersonen, den direkt Betroffenen. Wer am 5. Mai Protest inszeniert, aber  zur Kürzungsforderung vom 3. Juni schweigt, macht sich nicht stark für Inklusion, sondern mitschuldig an ihrem Abbau.

Lesermeinungen

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2 Lesermeinungen
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Johanne van der med
24.06.2025 07:58

Die Aktion Mensch ist halt eine Förder- und keine Behindertenorganisation. Das erkennt man schon an der Größe der Organisation mit fast 300 Mitarbeiter*Innen, davon die wenigsten mit einer Behinderung. Allerdings wissen ja alle, dass sie ein zahloser Tiger ist und als Bettvorleger landet. Ich wundere mich ein wenig, dass man so wenig von ISL, Sozialhelden, Behindertenrat und so weiter dazu hört, die sind ja sonst nicht so still.

Uwe Heineker
23.06.2025 20:30

Ralph, auch hier trafst du den Nagel auf den Kopf – hast du dieses auch der Aktion Mensch direkt zugeleitet?