Staufen (kobinet) Mutter-Sein kann für den Krieg nützlich sein.
Das bedeutet: Mütter kümmern sich um ihre Kinder.
Und sie arbeiten auch für Waffen-Firmen.
So ist es in Ost-Deutschland passiert.
Wir schauen uns das genau an.
Wir treffen eine junge Mutter mit ihrem Baby.
Thekla arbeitet zu Hause
Thekla lebt in Görlitz in einem Platten-Bau.
Platten-Bau bedeutet: Das ist ein Haus aus fertigen Platten.
Die Platten werden zusammen gebaut.
Das ist ein altes Haus aus DDR-Zeiten.
DDR bedeutet: Das war früher Ost-Deutschland.
Von 1949 bis 1990.
Damals war Deutschland geteilt.
Es gab Ost-Deutschland und West-Deutschland.
Thekla macht zu Hause Hand-Arbeit.
Sie baut Drohnen am Küchen-Tisch.
Eine Drohne ist ein Flug-Gerät ohne Pilot.
Drohne kann zwei Sachen bedeuten.
Eine männliche Biene oder ein Flugzeug ohne Pilot.
Drohnen werden im Krieg benutzt.
Thekla sitzt in einem bequemen Trainings-Anzug.
Sie sitzt am Küchen-Tisch.
Neben ihr steht die Wiege von ihrem Baby.
Das Baby heißt Luisa.
Thekla kann die Wiege schaukeln.
Das gefällt dem Baby.
Auf dem Tisch stehen 2 Kartons.
Ein großer Karton und ein kleiner Karton.
In der Ecke stehen noch mehr große Kartons.
Sie reichen bis zur Decke.
Auf dem Herd steht eine warme Baby-Flasche.
An der Wand hängt eine große Küchen-Uhr.
Thekla arbeitet nicht sehr schnell.
Aber jede Minute ist wichtig.
Das haben die deutschen Politiker verstanden.
Russland hat die Ukraine angegriffen.
Deshalb ist Görlitz sehr wichtig geworden.
Görlitz stellt jetzt Waffen her.
Die Platten-Bau-Küche ist eine kleine Fabrik.
Thekla macht gute Waffen für den Drohnen-Krieg.
Drohnen-Krieg bedeutet: Das ist Krieg mit Flug-Robotern ohne Piloten.
Die Roboter fliegen von allein.
Menschen steuern sie vom Computer aus.
Die Küche ist das letzte Stück der Fabrik.
Die fertigen Drohnen gehen von hier weg.
Sie gehen direkt an die Front.
Die Front ist da wo gekämpft wird.
Thekla schubst die Wiege wieder an.
Mit der rechten Hand holt sie eine Drohne raus.
Die Drohne hat eingeklappte Flügel.
Thekla stellt sie auf den Tisch.
Thekla muss Batterien in die Drohne einbauen.
Die Batterien sind im kleinen Karton.
Thekla muss auch Computer-Daten prüfen.
Computer-Daten bedeutet: Das sind alle Infos im Computer.
Das sind Texte, Bilder und Videos.
Der Computer speichert diese Infos.
Darüber darf sie niemandem etwas sagen.
Auch nicht ihrem Mann Tom.
Tom war zuerst sauer darüber.
Thekla hat ihm gesagt: Sei nicht kindisch.
Ich arbeite für die Bundes-Wehr.
Bundes-Wehr bedeutet: Die Bundes-wehr ist die Armee von Deutschland.
Soldaten arbeiten dort für Deutschland.
Das ist sehr geheim.
Das Leben von unserem Baby hängt davon ab.
Das hat Tom überzeugt.
Tom hat die Wiege auf dem Floh-Markt gekauft.
Er hat sie blau angemalt.
Er hat Friedens-Tauben darauf gemalt.
Thekla legt die Batterien ein.
Sie prüft die Computer-Daten.
Dann testet sie die Drohne.
Sie muss prüfen ob die Drohne fliegt.
Die fertige Drohne kommt in einen Karton.
Die Kartons stehen hinter der Küchen-Tür.
Die Küche ist sehr eng.
Aber das macht nichts für den Test-Flug.
Die Drohne muss auch auf engem Raum fliegen.
Das ist wichtig im Krieg.
Die Drohne muss perfekt lenkbar sein.
Lenkbar bedeutet: Man kann etwas lenken.
Zum Beispiel ein Auto oder einen Computer.
Menschen können bestimmen, was passiert.
Sonst kann sie im Krieg nicht benutzt werden.
Thekla lässt die Drohne um die Lampe fliegen.
Die Lampe hängt über dem Tisch.
Die Drohne fliegt auch zum Fenster.
Und sie fliegt unter dem Tisch durch.
Das ist Theklas Test-Platz.
Test-Platz bedeutet: Das ist ein besonderer Weg.
Dort werden neue Autos geprüft.
Die Fahr-Zeuge fahren auf diesem Weg.
So kann man sehen: Funktioniert das Auto gut?
Baby Luisa freut sich über die Drohne.
Luisa jauchzt und gluckst.
Sie sieht wie die Drohne summt.
Manchmal streckt Luisa ihre Arme aus.
Sie will die Drohne greifen.
Thekla sagt: Nein nein.
Das ist kein Spiel-Zeug.
Das ist nichts für Kinder.
Nuckel an deinem Schnuller.
Lass Mama das machen.
Die Drohne landet auf dem Tisch.
Es klopft an der Tür.
Tom kommt herein.
Tom fragt: Kann ich rein-kommen?
Ist die Luft rein?
Thekla sagt: Ja klar.
Der Test-Flug ist fertig.
Komm rein.
Tom hat einen Pizza-Karton dabei.
Tom sagt: Wollen wir was essen?
Du wirst sonst zu dünn.
Du arbeitest zu viel.
Tom arbeitet als Fahrrad-Kurier.
Fahrrad-Kurier bedeutet: Eine Person bringt Pakete mit dem Fahrrad.
Er verdient nicht viel Geld.
Deshalb ist er froh über Theklas Job.
Thekla hat ihren alten Job aufgegeben.
Sie hat an der Kasse gearbeitet.
Das war schlecht für ihren Rücken.
Sie war immer erkältet.
Die Kunden waren schlecht gelaunt.
Jetzt ist die Arbeit viel bequemer.
Tom sagt: Mieczyslaw hat angerufen.
Ich soll ihm wieder Drohnen bringen.
Thekla zeigt zur Ecke hinter der Tür.
Dort stehen die fertigen Drohnen.
Thekla sagt: Kein Problem.
Wir haben genug Drohnen.
Aber ich bin hungrig.
Lass uns erst Pizza essen.
Bevor sie kalt wird.
Mieczyslaw wohnt an der polnischen Grenze.
Er kauft Drohnen von Tom und Thekla.
Tom fährt auch andere Sachen aus.
Früher hat Tom Pizza ausgefahren.
Jetzt fährt er Drohnen aus.
Eine Drohne trägt er im Rucksack.
2 Drohnen trägt er auf dem Gepäck-Träger.
Gepäck-Träger bedeutet: Das ist am Fahr-Rad befestigt.
Dort kann man Taschen drauf machen.
Man kann auch andere Sachen transportieren.
Das macht das Fahr-Rad-Fahren leichter.
Die Drohnen gehen nach Polen.
Von Polen gehen sie nach Russland.
In Polen arbeiten Soldaten mit den Drohnen.
Die Soldaten spielen gerne Computer-Spiele.
Sie freuen sich auf die Drohnen.
Sie wollen die Drohnen benutzen.
Tom holt einen Stuhl mit dem Fuß.
Er setzt sich hin.
Tom balanciert den Pizza-Karton auf den Knien.
Auf dem Tisch ist kein Platz.
Tom macht den Karton auf.
Die Pizza ist schon geschnitten.
Tom sagt: Wir essen mit den Händen.
Tom fragt: Wie geht es dem Baby?
Ist sie vergnügt wie immer?
Thekla sagt: Nicht so laut.
Sie schläft gerade.
Tom sagt: Schade.
Ich wollte die CD hören.
Die CD von der Oma aus Leipzig.
Du weißt schon welche.
Mit den Liedern von Bettina Wegner.
Die gefallen mir gut.
Besonders das Lied von den kleinen Händen.
Thekla sagt: Du meinst das Lied Sind so kleine Hände.
Thekla singt leise.
Sie will Luisa nicht wecken.
Sie singt: Sind so kleine Hände.
Winzige Finger dran.
Darf man nie drauf schlagen.
Die zerbrechen dann.
Was ihr über Kriegs-Vorbereitung wissen solltet
Im Moment ist die Zeit knapp.
Es ist gefährlich.
Waffen-Firmen suchen neue Mitarbeiter.
Sie bieten besondere Jobs an.
Die Firma Peace and Freedom Systems ist in Görlitz.
Sie stellt Drohnen her.
Die Firma lässt die letzten Arbeits-Schritte zu Hause machen.
Das sind: Batterien einlegen und Test-Flug.
So können junge Mütter mit-arbeiten.
Sie können ihre Babys betreuen.
Und trotzdem für die Landes-Verteidigung arbeiten.
Landes-Verteidigung bedeutet: Ein Land schützt sich.
Das Land hat Soldaten dafür.
Die Soldaten passen auf das Land auf.
So bleibt das Land sicher.
So ist Thekla zu ihrem Job gekommen.
Thekla musste nur wenig lernen.
Sie hat ein Video im Internet angeschaut.
Sie war an einem Wochen-Ende bei der Firma.
Das war alles.
Manchmal stürzt eine Drohne beim Test ab.
Dann bringt man sie zum Schrott-Platz.
Die Firma gibt ihren Mitarbeitern einige Drohnen.
Die können sie selbst verkaufen.
Tom und Thekla verkaufen an Polen.
Die Polen wollen viele Drohnen.
Der polnische Chef Tusk hat das befohlen.
Alle polnischen Männer sollen Drohnen lernen.
Die Erfahrungen aus der Ukraine sind gut.
Drohnen sind sehr erfolgreich im Krieg.
Die Firma Peace and Freedom Systems ist erfolgreich.
Das Modell heißt Smart Killer.
Sie werben mit dem Spruch: Klein ist schön.
Das ist die kleinste Angriffs-Drohne in Europa.
Alle Drohnen retten Leben.
Das sagt ein ukrainischer Fach-Mann.
Drohnen haben auch gute Zwecke.
Sie transportieren Medikamente.
Sie bringen Essen und Wasser.
Sie fliegen da hin wo Autos nicht fahren können.
Das ist sicherer für die Menschen.
Der Feind kann sie nicht erschießen.
Das war ein Interview im Deutschland-Funk.
In der nächsten Geschichte geht es um Peter und den Panzer.
Peter ist 6 Jahre alt.
Er hat eine Knochen-Krankheit.
Er sitzt im Roll-Stuhl.
Er lebt in einer süd-deutschen Klein-Stadt.
Ein Leopard-Panzer steckt in einer engen Gasse fest.
Kommt der Panzer noch rechtzeitig nach Litauen?
Das ist spannend bis zum Ende!

Foto: By © Cornell Capa (For reproduction please contact Magnum Photos, http://www.magnumphotos.com/), Public Domain, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=4067565
Staufen (kobinet) Mutterschaft ist dann wehrtauglich, wenn sie Care-Arbeit, Fläschchen geben und die Windel wechseln, mit Werktätigkeit im Bereich der Rüstungsproduktion verbindet. Mit dieser konkreten Utopie, die unerwarteterweise in Ostdeutschland Wirklichkeit geworden ist, begeben wir uns an den ersten Ort des Geschehens. Und begegnen dort einer jungen Mutter und ihrem Wiegenkind, einem häuslichen und familiären Idyll, mit dem in Zeiten wie dieser schon niemand mehr rechnet.
Thekla fertigt in Heimarbeit
Im Görlitzer Plattenbau. Zerbröselnde Altbausubstanz und digitale Hightech-Produktion gehen Hand in Hand. Denn Theklas Heimarbeit ist Handarbeit, Drohnenfertigung am Küchentisch. Im bequemen Jogginganzug sitzt Thekla an der Längsseite des Küchentischs, ganz nach links ans Kopfende gerückt, wo die Wiege steht. Dadurch kann sie die Wiege hin und wieder durch einen leichten Stups mit der linken Hand in einer sanften Schaukelbewegung halten, was der Kleinen gefällt. Rechts neben ihr auf dem Tisch steht ein großer Karton, vor ihr ein kleiner, etwas von ihr weggerückt zur Tischkante, damit sie eine freie Fläche zum Hantieren hat. Schräg hinter ihr rechter Hand stapeln sich vom Boden bis unter die Decke weitere der großen Kartons. Gegenüber auf dem Herd hat Thekla die warmgestellte Nuckelflasche der Kleinen im Auge. Darüber auf der Dampfabzugshaube den großen runden Küchenwecker mit der Uhrzeit – wenn dir der nur mal nicht runterfällt, hat Tom sie gewarnt. Aber auch wenn Thekla nicht im Akkord arbeitet, in Zeiten wie diesen kommt es auf jede Minute an.
Was endlich auch die deutsche Politik und die deutsche Wirtschaft verstanden haben. Den russischen Angriff zum Sommerende vor Augen, hat sich Görlitz binnen Wochen zur ostdeutschen Rüstungsvorzeige-Schmiede gemausert. Mit der Plattenbauküche als kleinster Produktionseinheit. Produziert am heimischen Küchentisch wird qualitativ hochwertiges Rüstungsgut für den Drohnenkrieg. Die Küchenproduktionsstätte ist das letzte Glied in der Fertigungskette. Das Produkt verlässt die Küche in einsatzbereitem Zustand, vom Küchentisch aus geht es Stück für Stück an die Front.
Während ihre linke Hand mit dem Zeigefinger der Wiege der Kleinen abermals einen leichten Stups versetzt, fasst Theklas Rechte in die Öffnung des Kartons und befördert die nächste Drohne aus ihm hervor. Den Torso mit den eng anliegenden eingeklappten Flügeln stellt sie vor sich auf den Tisch. Ihre Aufgabe ist es, im Bauch der Drohne die Batterien, die sich im kleineren der beiden Kartons befinden, sachgerecht unterzubringen. Außerdem muss sie ein paar elektronische Daten abgleichen, darüber darf sie niemandem Auskunft geben, nicht einmal Tom, der deswegen erst sauer gewesen ist. Sei nicht kindisch, hat sie ihn ermahnen müssen, ich verrichte meine Heimarbeit in einem militärischen Hochsicherheitsbereich, das Leben und die Sicherheit unserer Kleinen hängen davon ab. Das hat ihn schlussendlich überzeugt. Tom hat die Wiege der Kleinen, sie heißt übrigens Luisa, noch vor der Geburt auf einem Flohmarkt erstanden, den zerkratzten Lackanstrich hat er veilchenblau übermalt, mit einer Friedenstaube aufs Fuß- und aufs Kopfende.
Nachdem Thekla die Batterien eingelegt hat und mit dem Datenabgleich fertig ist, testet sie die Drohne abschließend auf ihre Funktions- bzw. Flugtüchtigkeit. Bevor das nunmehr einsatzbereite Verteidigungsgut in einen der Kartons mit fertigem Stückgut wandert, die sich in der Ecke hinter der Küchentür stapeln. Anders als man zunächst denken könnte, stellt die Enge der Küche kein Hindernis für einen Testflug dar. Denn selbst auf engstem Raum muss das Gerät perfekt manövrierbar sein, um den strengen Kriegstüchtigkeitskriterien auf dem Gefechtsfeld zu genügen.
Mehrmaliges Umkreisen des tellerrunden Lampenschirm, der über der Tischmitte von der Decke hängt, damit wäre Theklas Teststrecke für Drohnenflug im wesentlichen beschrieben, ein Abstecher zur Fensternische plus einmal Sinkflug über den Fußboden zwischen den Tischbeinen hindurch, das wars. Luisa in ihrer Wiege jauchzt und gluckst wenn sie sieht, wie die Drohne mit monotonem Summton ihre Kreise um den Lampenschirm zieht. Manchmal streckt sie ihre dünnen Ärmchen nach dem fetten Brummer aus, als wolle sie ihn zu sich heranziehen. Nein, nein, sagt Thekla, das ist kein Spielzeug, nichts für Kinder, nuckel du mal schön an deinem Schnuller und lass Mama das machen. Gerade ist die Drohne exakt vor ihr auf dem Tisch gelandet, da klopft es an die Tür. Herein, Tom steckt den Kopf zur Tür herein, kann ich reinkommen, ist die Luft rein? Klar, sagt Thekla, Testflug soeben erfolgreich beendet, rein mit dir. Tom hat einen Pizzakarton in der Hand, wollen wir mal was essen? Du magerst mir sonst noch vor lauter Arbeit zu einem Gerippe ab.
Tom arbeitet als Fahrradkurier, viel kommt dabei nicht rum. Deshalb ist er froh gewesen, als Thekla den lukrativen Heimarbeitsjob gekriegt hat. Und ihren miesen Job an der Kaufhallenkasse hat aufgeben können, bei dem es ihr ständig ins Kreuz gezogen hat und sie nie ohne Schnupfen nachhause kam. An der Kasse eine schlechtgelaunte Kundin nach der andern abfertigen, gar kein Vergleich die jetzige Bequemlichkeit am warmen Küchentisch, eine handzahme Drohne nach der andern. – Mieczyslaw hat angerufen, sagt Tom, ich soll ihm wieder welche anliefern. Thekla deutet mit einer Kopf- und Kinnbewegung in die Ecke hinter der Tür. Kein Problem, die Vorräte stapeln sich. Aber du hast recht, ich bin hungrig, lass uns erst mal die Pizza essen, ehe sie kalt ist.
Mieczyslaw ist einer von mehreren Drohnenabnehmern an der polnischen Grenze. Außer Kurierdiensten für Arzt- und Anwaltspraxen hat Tom auch früher schon, ganz schön stressig, Pizza und Döner ausgefahren, jetzt halt Drohnen stattdessen. Eine auf dem Rücken im Rucksack, zwei auf dem Gepäckträger. Von der deutsch-polnischen Grenze werden die Drohnen an die polnisch-russische Grenze zu den Drohnenleitstellen des polnischen Militärs gebracht. Dort herrsche regelrecht Playstation-Mentalität und die Männer fieberten geradezu danach, die gehorteten Bestände abzubauen.
Tom angelt mit dem Fuß nach einem Stuhl und zieht ihn zu sich heran, setzt sich und balanciert den Pizzakarton auf den Knien, auf dem Tisch ist kein Platz. Er klappt den Deckel zur Seite, schon in Stücke geschnitten, sagt er, essen wir sie doch einfach aus der Hand. Ach ja wie geht es denn der Kleinen, vergnügt wie immer? Nicht so laut, sagt Thekla, sie ist eben erst eingeschlafen. Ach schade, wollt dich gerade bitten, noch einmal die CD zu spielen, die von der Leipziger Oma, du weißt schon die mit den Liedern von Bettina Wegner. Gefallen mir richtig gut, vor allem das von den kleinen Händen. Sind so kleine Hände, das meinst du, sagt Thekla und singt leise, um Luisa in der Wiege nicht zu wecken. „Sind so kleine Hände, winzige Finger dran, darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann…“
Worüber der für Kriegsertüchtigung aufgeschlossene Lesende unterrichtet sein sollte
Momentan, wo die Zeit knapp ist und es brennt, locken Unternehmen der Rüstungsbranche zusätzliche Mitarbeiter mit unkonventionellen Beschäftigungs- und Vergütungsmodellen. Der Görlitzer Ableger des Rüstungs- und Raumfahrtunternehmens „Peace and Freedom Systems“ hat die beiden letzten Fertigungsschritte seiner Drohnenproduktion (Batterie einlegen und Testflug) outgesourct, um speziell jungen Müttern in der Babyphase die Teilnahme an Landesverteidigung und Friedenssicherung zu ermöglichen. So ist Thekla zu ihrem Heimarbeitsjob gekommen. Ein Youtube-Turtorial in Drohnenbau und ein unternehmensinternes Anleitungswochenende war alles an Qualifikationsvoraussetzung. – Stürzt einmal eine Drohne beim häuslichen Testflug ab, soll man das Häuflein Schrott einfach bei Gelegenheit beim örtlichen Altstoffhof- oder Händler entsorgen. Eine gewisse Stückzahl Drohnen überlässt die Firma ihren Mitarbeiterinnen großzügig für die eigene profitable Vermarktung. Wie sie in Toms und Theklas Fall durch die polnische Nachfrage gewährleistet ist. Die augenblicklich rasant steigt, nachdem der polnische Regierungschef Tusk angeordnet hat, dass künftig nicht nur jeder polnische Mann an der Waffe ausgebildet, sondern auch in der Handhabe bewaffneter Drohnen geschult wird.
Die Erfahrungswerte aus der ukrainischen Drohnenkriegsführung sind außerordentlich ermutigend, auch hinsichtlich eines profitablen Marketings für Unternehmen wie „Peace and Freedom Systems“. Die ihr Modell „Smart Killer“ derzeit überaus erfolgreich mit dem alten Ökoslogan „small is beautiful“ vermarket. Dieses Modell (das auch Thekla in ihrer Heimarbeit fertigt) ist die bislang kleinste und handlichste Angriffsdrohne auf dem europäischen Verteidigungsgütermarkt. Doch letztlich sind alle Drohnentypen lebensrettend, „weil sie“, so ein ukrainischer Spezialist, „auch humanitäre Zwecke erfüllen, sie transportieren Medikamente, Lebensmittel und Wasser an Orte, an die man nicht mit dem Auto fahren kann, weil der Feind einen dann umbringt.“ (O-Ton aus einem Deutschlandfunk-Feature)
P.S. In der nächsten Folge der Reihe „Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre“ – Peter und der Panzer- geht es um ein aufregendes Erlebnis eines sechsjährigen Jungen, der Glasknochenkrankheit hat und im Rollstuhl sitzt. Ort des Geschehens ist eine süddeutsche Kleinstadt, in einer ihrer malerischen, aber für ein resilientes Verteidigungswesen viel zu engen Altstadtgassen hat sich ein Leopardpanzer auf der Durchfahrt verkeilt. Ob er noch rechtzeitig an seinen litauischen Einsatzort gelangt? Spannend bis zur letzten Zeile!

Foto: By © Cornell Capa (For reproduction please contact Magnum Photos, http://www.magnumphotos.com/), Public Domain, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=4067565
Staufen (kobinet) Mutterschaft ist dann wehrtauglich, wenn sie Care-Arbeit, Fläschchen geben und die Windel wechseln, mit Werktätigkeit im Bereich der Rüstungsproduktion verbindet. Mit dieser konkreten Utopie, die unerwarteterweise in Ostdeutschland Wirklichkeit geworden ist, begeben wir uns an den ersten Ort des Geschehens. Und begegnen dort einer jungen Mutter und ihrem Wiegenkind, einem häuslichen und familiären Idyll, mit dem in Zeiten wie dieser schon niemand mehr rechnet.
Thekla fertigt in Heimarbeit
Im Görlitzer Plattenbau. Zerbröselnde Altbausubstanz und digitale Hightech-Produktion gehen Hand in Hand. Denn Theklas Heimarbeit ist Handarbeit, Drohnenfertigung am Küchentisch. Im bequemen Jogginganzug sitzt Thekla an der Längsseite des Küchentischs, ganz nach links ans Kopfende gerückt, wo die Wiege steht. Dadurch kann sie die Wiege hin und wieder durch einen leichten Stups mit der linken Hand in einer sanften Schaukelbewegung halten, was der Kleinen gefällt. Rechts neben ihr auf dem Tisch steht ein großer Karton, vor ihr ein kleiner, etwas von ihr weggerückt zur Tischkante, damit sie eine freie Fläche zum Hantieren hat. Schräg hinter ihr rechter Hand stapeln sich vom Boden bis unter die Decke weitere der großen Kartons. Gegenüber auf dem Herd hat Thekla die warmgestellte Nuckelflasche der Kleinen im Auge. Darüber auf der Dampfabzugshaube den großen runden Küchenwecker mit der Uhrzeit – wenn dir der nur mal nicht runterfällt, hat Tom sie gewarnt. Aber auch wenn Thekla nicht im Akkord arbeitet, in Zeiten wie diesen kommt es auf jede Minute an.
Was endlich auch die deutsche Politik und die deutsche Wirtschaft verstanden haben. Den russischen Angriff zum Sommerende vor Augen, hat sich Görlitz binnen Wochen zur ostdeutschen Rüstungsvorzeige-Schmiede gemausert. Mit der Plattenbauküche als kleinster Produktionseinheit. Produziert am heimischen Küchentisch wird qualitativ hochwertiges Rüstungsgut für den Drohnenkrieg. Die Küchenproduktionsstätte ist das letzte Glied in der Fertigungskette. Das Produkt verlässt die Küche in einsatzbereitem Zustand, vom Küchentisch aus geht es Stück für Stück an die Front.
Während ihre linke Hand mit dem Zeigefinger der Wiege der Kleinen abermals einen leichten Stups versetzt, fasst Theklas Rechte in die Öffnung des Kartons und befördert die nächste Drohne aus ihm hervor. Den Torso mit den eng anliegenden eingeklappten Flügeln stellt sie vor sich auf den Tisch. Ihre Aufgabe ist es, im Bauch der Drohne die Batterien, die sich im kleineren der beiden Kartons befinden, sachgerecht unterzubringen. Außerdem muss sie ein paar elektronische Daten abgleichen, darüber darf sie niemandem Auskunft geben, nicht einmal Tom, der deswegen erst sauer gewesen ist. Sei nicht kindisch, hat sie ihn ermahnen müssen, ich verrichte meine Heimarbeit in einem militärischen Hochsicherheitsbereich, das Leben und die Sicherheit unserer Kleinen hängen davon ab. Das hat ihn schlussendlich überzeugt. Tom hat die Wiege der Kleinen, sie heißt übrigens Luisa, noch vor der Geburt auf einem Flohmarkt erstanden, den zerkratzten Lackanstrich hat er veilchenblau übermalt, mit einer Friedenstaube aufs Fuß- und aufs Kopfende.
Nachdem Thekla die Batterien eingelegt hat und mit dem Datenabgleich fertig ist, testet sie die Drohne abschließend auf ihre Funktions- bzw. Flugtüchtigkeit. Bevor das nunmehr einsatzbereite Verteidigungsgut in einen der Kartons mit fertigem Stückgut wandert, die sich in der Ecke hinter der Küchentür stapeln. Anders als man zunächst denken könnte, stellt die Enge der Küche kein Hindernis für einen Testflug dar. Denn selbst auf engstem Raum muss das Gerät perfekt manövrierbar sein, um den strengen Kriegstüchtigkeitskriterien auf dem Gefechtsfeld zu genügen.
Mehrmaliges Umkreisen des tellerrunden Lampenschirm, der über der Tischmitte von der Decke hängt, damit wäre Theklas Teststrecke für Drohnenflug im wesentlichen beschrieben, ein Abstecher zur Fensternische plus einmal Sinkflug über den Fußboden zwischen den Tischbeinen hindurch, das wars. Luisa in ihrer Wiege jauchzt und gluckst wenn sie sieht, wie die Drohne mit monotonem Summton ihre Kreise um den Lampenschirm zieht. Manchmal streckt sie ihre dünnen Ärmchen nach dem fetten Brummer aus, als wolle sie ihn zu sich heranziehen. Nein, nein, sagt Thekla, das ist kein Spielzeug, nichts für Kinder, nuckel du mal schön an deinem Schnuller und lass Mama das machen. Gerade ist die Drohne exakt vor ihr auf dem Tisch gelandet, da klopft es an die Tür. Herein, Tom steckt den Kopf zur Tür herein, kann ich reinkommen, ist die Luft rein? Klar, sagt Thekla, Testflug soeben erfolgreich beendet, rein mit dir. Tom hat einen Pizzakarton in der Hand, wollen wir mal was essen? Du magerst mir sonst noch vor lauter Arbeit zu einem Gerippe ab.
Tom arbeitet als Fahrradkurier, viel kommt dabei nicht rum. Deshalb ist er froh gewesen, als Thekla den lukrativen Heimarbeitsjob gekriegt hat. Und ihren miesen Job an der Kaufhallenkasse hat aufgeben können, bei dem es ihr ständig ins Kreuz gezogen hat und sie nie ohne Schnupfen nachhause kam. An der Kasse eine schlechtgelaunte Kundin nach der andern abfertigen, gar kein Vergleich die jetzige Bequemlichkeit am warmen Küchentisch, eine handzahme Drohne nach der andern. – Mieczyslaw hat angerufen, sagt Tom, ich soll ihm wieder welche anliefern. Thekla deutet mit einer Kopf- und Kinnbewegung in die Ecke hinter der Tür. Kein Problem, die Vorräte stapeln sich. Aber du hast recht, ich bin hungrig, lass uns erst mal die Pizza essen, ehe sie kalt ist.
Mieczyslaw ist einer von mehreren Drohnenabnehmern an der polnischen Grenze. Außer Kurierdiensten für Arzt- und Anwaltspraxen hat Tom auch früher schon, ganz schön stressig, Pizza und Döner ausgefahren, jetzt halt Drohnen stattdessen. Eine auf dem Rücken im Rucksack, zwei auf dem Gepäckträger. Von der deutsch-polnischen Grenze werden die Drohnen an die polnisch-russische Grenze zu den Drohnenleitstellen des polnischen Militärs gebracht. Dort herrsche regelrecht Playstation-Mentalität und die Männer fieberten geradezu danach, die gehorteten Bestände abzubauen.
Tom angelt mit dem Fuß nach einem Stuhl und zieht ihn zu sich heran, setzt sich und balanciert den Pizzakarton auf den Knien, auf dem Tisch ist kein Platz. Er klappt den Deckel zur Seite, schon in Stücke geschnitten, sagt er, essen wir sie doch einfach aus der Hand. Ach ja wie geht es denn der Kleinen, vergnügt wie immer? Nicht so laut, sagt Thekla, sie ist eben erst eingeschlafen. Ach schade, wollt dich gerade bitten, noch einmal die CD zu spielen, die von der Leipziger Oma, du weißt schon die mit den Liedern von Bettina Wegner. Gefallen mir richtig gut, vor allem das von den kleinen Händen. Sind so kleine Hände, das meinst du, sagt Thekla und singt leise, um Luisa in der Wiege nicht zu wecken. „Sind so kleine Hände, winzige Finger dran, darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann…“
Worüber der für Kriegsertüchtigung aufgeschlossene Lesende unterrichtet sein sollte
Momentan, wo die Zeit knapp ist und es brennt, locken Unternehmen der Rüstungsbranche zusätzliche Mitarbeiter mit unkonventionellen Beschäftigungs- und Vergütungsmodellen. Der Görlitzer Ableger des Rüstungs- und Raumfahrtunternehmens „Peace and Freedom Systems“ hat die beiden letzten Fertigungsschritte seiner Drohnenproduktion (Batterie einlegen und Testflug) outgesourct, um speziell jungen Müttern in der Babyphase die Teilnahme an Landesverteidigung und Friedenssicherung zu ermöglichen. So ist Thekla zu ihrem Heimarbeitsjob gekommen. Ein Youtube-Turtorial in Drohnenbau und ein unternehmensinternes Anleitungswochenende war alles an Qualifikationsvoraussetzung. – Stürzt einmal eine Drohne beim häuslichen Testflug ab, soll man das Häuflein Schrott einfach bei Gelegenheit beim örtlichen Altstoffhof- oder Händler entsorgen. Eine gewisse Stückzahl Drohnen überlässt die Firma ihren Mitarbeiterinnen großzügig für die eigene profitable Vermarktung. Wie sie in Toms und Theklas Fall durch die polnische Nachfrage gewährleistet ist. Die augenblicklich rasant steigt, nachdem der polnische Regierungschef Tusk angeordnet hat, dass künftig nicht nur jeder polnische Mann an der Waffe ausgebildet, sondern auch in der Handhabe bewaffneter Drohnen geschult wird.
Die Erfahrungswerte aus der ukrainischen Drohnenkriegsführung sind außerordentlich ermutigend, auch hinsichtlich eines profitablen Marketings für Unternehmen wie „Peace and Freedom Systems“. Die ihr Modell „Smart Killer“ derzeit überaus erfolgreich mit dem alten Ökoslogan „small is beautiful“ vermarket. Dieses Modell (das auch Thekla in ihrer Heimarbeit fertigt) ist die bislang kleinste und handlichste Angriffsdrohne auf dem europäischen Verteidigungsgütermarkt. Doch letztlich sind alle Drohnentypen lebensrettend, „weil sie“, so ein ukrainischer Spezialist, „auch humanitäre Zwecke erfüllen, sie transportieren Medikamente, Lebensmittel und Wasser an Orte, an die man nicht mit dem Auto fahren kann, weil der Feind einen dann umbringt.“ (O-Ton aus einem Deutschlandfunk-Feature)
P.S. In der nächsten Folge der Reihe „Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre“ – Peter und der Panzer- geht es um ein aufregendes Erlebnis eines sechsjährigen Jungen, der Glasknochenkrankheit hat und im Rollstuhl sitzt. Ort des Geschehens ist eine süddeutsche Kleinstadt, in einer ihrer malerischen, aber für ein resilientes Verteidigungswesen viel zu engen Altstadtgassen hat sich ein Leopardpanzer auf der Durchfahrt verkeilt. Ob er noch rechtzeitig an seinen litauischen Einsatzort gelangt? Spannend bis zur letzten Zeile!





Ich freue mich über diese und weitere Kolumbien! Herzliche Grüße aus Berlin ein kritischer Fan..