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Globale Verantwortung und konkrete Fortschritte: Eindrücke vom Global Disability Summit 2025 in Berlin

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Kevin Kleiber in Mexiko
Kevin Kleiber in Mexiko
Foto: privat

Berlin/Löhnberg (kobinet) "Wir müssen laut bleiben. Und wir müssen dranbleiben." So ist das Fazit von Kevin Kleiber, der am Global Disability Summit am 3. und 4. April 2025 in Berlin teilgenommen hat. Für die kobinet-nachrichten hat der Weltenbummler und Co-Autor des Buches "Vom Heimscheißer zum Weltenbummler" einen Beitrag über seine Eindrücke vom Global Disability Summit verfasst.

Globale Verantwortung und konkrete Fortschritte: Eindrücke vom Global Disability Summit 2025 in Berlin

Bericht von Kevin Kleiber

Vom 2. bis 4. April 2025 wurde Berlin zum Zentrum der weltweiten Behindertenpolitik. Der dritte Global Disability Summit (GDS) brachte Regierungsvertreter*innen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschen mit Behinderungen sowie internationale Institutionen zusammen. Als Teilnehmer war ich beeindruckt von der Ernsthaftigkeit der Debatten, den inspirierenden Stimmen aus dem globalen Süden – und den konkreten Verpflichtungen, die verabschiedet wurden.

Ein besonderer Moment war der eindringliche Auftritt von König Abdullah II. von Jordanien, der unter anderem betonte, dass Inklusion weit über Barrierefreiheit hinausgeht – es geht darum, das Potenzial jedes Menschen anzuerkennen. In seinem Land sei man stolz auf umfassende Reformen: Die Verfassung wurde geändert, umfassende Gesetze erlassen und mit der Royal Academy of Inclusive Education wurde eine Bildungseinrichtung geschaffen, die Inklusion strukturell verankert. Besonders bewegend war das jordanische Projekt Restoring Hope, das in Krisengebieten wie Lesotho mobile orthopädische Versorgung für amputierte Kinder bereitstellt.

Ein zentrales Ergebnis des Gipfels war die „Amman-Berlin Declaration on Global Disability Inclusion“, in der sich unterzeichnende Staaten verpflichten, mindestens 15 % ihrer nationalen Entwicklungsprogramme explizit auf die Belange von Menschen mit Behinderungen auszurichten. Das Motto „15 % für die 15 %“ bezieht sich auf die Tatsache, dass weltweit über eine Milliarde Menschen mit einer Form von Behinderung leben – mehr als 15 % der Weltbevölkerung, wenn auch nicht alle offiziell erfasst sind. Das erklärte Ziel: eine gerechtere Ressourcennutzung in der Entwicklungszusammenarbeit.

Auch das Thema Arbeit und wirtschaftliche Teilhabe wurde betont. In einem Beitrag wurde klargemacht: Anständige Arbeit für Menschen mit Behinderungen ist in Zeiten globaler Krisen nicht optional, sondern grundlegend. Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist entscheidend für Selbstbestimmung und Würde – und zugleich ein ökonomischer Gewinn für alle.

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) diente den Debatten immer wieder als Referenzrahmen. Viele Beiträge machten deutlich: Es geht heute nicht mehr allein um Anerkennung, sondern um Umsetzung. Die Rolle von Menschen mit Behinderungen als Expert*innen in eigener Sache wurde in Berlin nicht nur betont, sondern in vielen Formaten auch real gelebt.

Ein weiterer zentraler Aspekt war die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in humanitäre Maßnahmen. Angesichts wachsender Krisen, knapper Mittel und zunehmender Komplexität humanitärer Hilfe wurde betont, dass Rechte, Teilhabe und lokale Führung essenziell sind. Staaten wie Norwegen und Finnland riefen dazu auf, Menschen mit Behinderungen aktiv an der Planung, Umsetzung und Evaluation humanitärer Programme zu beteiligen. „Nothing about us without us“ müsse gelebte Realität werden – auch in Katastrophen- und Krisensituationen.

Fazit: Berlin war nur der Anfang

Der Summit hat gezeigt: Es bewegt sich etwas – politisch, finanziell und strukturell. Aber Lippenbekenntnisse reichen nicht. Entscheidend wird sein, ob die zahlreichen Verpflichtungen auch in konkrete Maßnahmen münden. Die Stimmen aus dem globalen Süden und von Menschen mit Behinderungen selbst waren laut und deutlich. Jetzt liegt es an Regierungen, Organisationen und Gesellschaften weltweit, diese Stimmen nicht nur zu hören, sondern gemeinsam mit ihnen zu handeln. Ich persönlich nehme aus Berlin nicht nur Hoffnung, sondern auch den klaren Auftrag mit: Wir müssen laut bleiben. Und wir müssen dranbleiben.

Link zur Amman-Berlin-Declaration on Global Disability Inclusion

Link zur Liste von Staaten und Organisationen, die die Amman-Berlin Declaration on Global Disability Inclusion unterstützen