
Foto: Aktion Mensch
BERLIN (kobinet) Die Wahl zum "Sportler des Jahres" ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für herausragende Sportlerpersönlichkeiten, die Werte wie Engagement, Disziplin, Fairness und Ausdauer verkörpern. Sie findet alljährlich im Dezember im Rahmen einer großen Gala im Kurhaus Baden-Baden statt. Im Rahmen der Wahl im Dezember 2025 wird auf Initiative der Deutschen Telekom erstmals auch die Auszeichnung „Special Olympics Sportler des Jahres“ verliehen. Die neue Kategorie soll außergewöhnliche Athletinnen und Athleten würdigen, die Teil der Special Olympics Bewegung sind - der weltweit größten Sportorganisation für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.
Michael Hagspihl, der Leiter Strategische Marketing-Partnerschaften und Nachhaltigkeit der Deutschen Telekom erklärte dazu, dass mit dem neuen Award wird ein klares Zeichen für Engagement und Initiative gesetzt wird, Inklusion als festen Bestandteil der Marke Telekom zu leben. Damit wird schon heute eine Brücke zu den Weltwinterspielen in Turin im März 2025 geschlagen, wo über 53 Sportlerinnen und Sportler – das Team SOD – an den Start gehen werden.
Der Geschäftsführer von Special Olympics Deutschland, Sven Albrecht hebt in diesem Zusammenhang hervor: „Mich freut es außerordentlich, dass unsere Athletinnen und Athleten erstmalig bei so einer renommierten Wahl die Chance erhalten, gleichberechtigt mit den anderen Sportlerinnen und Sportlern im Rampenlicht zu stehen. Dies ist ein Meilenstein in der Historie von Special Olympics und unterstreicht, dass die Leistungen unserer Athletinnen und Athleten immer stärker in der Gesellschaft anerkannt und gewürdigt werden. Ein großer Dank geht an die Deutsche Telekom, die als engagierter und verlässlicher Partner unseres Verbandes dieses möglich gemacht hat“.





Eine herausragende Leistung ist nicht nur durch Zahlen oder rein messbare Ergebnisse definiert. Es geht um den kontextuellen Wert einer Leistung und die Bedeutung dessen, was erreicht wurde. In vielen Fällen sind es nicht nur der Sieg oder die Rekorde, die eine Leistung besonders machen, sondern auch die Herausforderungen, die überwunden werden mussten, um dorthin zu gelangen.
Die Einführung einer speziellen Auszeichnung für „Special Olympics Sportler des Jahres“ im Rahmen der renommierten „Sportler des Jahres“-Wahl ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch bleibt ein Gefühl der Trennung und der hierarchischen Aufspaltung bestehen.
Die Idee, Menschen mit Behinderungen in einem separaten Rahmen zu würdigen, lässt einen wichtigen Punkt außer Acht: Warum muss es eine extra Kategorie geben, die Menschen mit Behinderungen von den allgemeinen Sportlern trennt? Warum können wir nicht alle Sportler gleich behandeln und die Leistung eines Menschen mit Behinderung genauso anerkennen wie die eines Athleten ohne Behinderung, wenn die Leistung herausragend ist?
Es wird häufig argumentiert, dass es für eine faire Vergleichbarkeit notwendig ist, Menschen mit Behinderungen von anderen Sportlern zu trennen. Aber diese Trennung führt unweigerlich dazu, dass wir Menschen mit Behinderungen in eine „sonderbare“ Ecke stellen. Anstatt den Fokus auf gleiche Anerkennung und echte Inklusion zu legen, wird durch diese Entscheidung der Eindruck erweckt, dass Menschen mit Behinderungen nicht auf derselben Stufe stehen können wie andere. Ein sportlicher Erfolg bleibt für viele Menschen mit Behinderungen immer noch nur dann „wertvoll“, wenn er in einer gesonderten Kategorie gemessen wird.
Zudem wird der Eindruck erweckt, dass „Inklusion“ nur dann funktioniert, wenn eine separate Bühne für Menschen mit Behinderungen geschaffen wird. Doch Inklusion bedeutet nicht, in separaten Kategorien zu existieren, sondern eine gleichwertige Teilnahme in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – ohne Sonderbehandlungen. Es geht nicht nur um Anerkennung, sondern darum, gemeinsam in der gleichen Arena zu spielen, zu konkurrieren und zu feiern.
Die Leistung von Athleten mit Behinderungen verdient ebenso viel Respekt und Anerkennung. Doch die Gesellschaft muss in der Lage sein, diese Leistungen nicht durch die Linse einer „Sonderkategorie“ zu sehen. Warum könnte nicht ein „Sportler des Jahres“ auch jemand mit einer Behinderung sein, wenn er herausragende Leistungen erbringt? Warum nicht einfach die Leistung als solche feiern, ohne diese weiterhin als „besonders“ zu kennzeichnen?
Die Einführung der Kategorie „Special Olympics Sportler des Jahres“ bleibt ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie muss als ein Übergang verstanden werden – nicht als eine dauerhafte Lösung. Die wahre Inklusion wird erst erreicht, wenn Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen des Lebens genauso selbstverständlich in den Vordergrund treten wie alle anderen. Eine Auszeichnung für Sportler sollte genau das widerspiegeln – eine Anerkennung herausragender Leistungen ohne Rücksicht auf eine Kategorisierung aufgrund von Behinderung oder Nicht-Behinderung.