
Foto: Patricia Koller
München (kobinet) "8 Stunden für ein selbstbestimmtes Leben", unter diesem Motto wirbt der Behindertenverband Bayern für die diesjährige Veranstaltung des Randgruppenkrawall. "Mit viel Musik, bunten Farben und ernsten Worten wird es am 10. August 2024 wieder laut für mehr Selbstbestimmung im Leben von behinderten und kranken Menschen", heißt es in der Ankündigung. Die Kundgebung mit ausführlichem Programm findet am 10. August 2024 von 14:00 bis 22:00 Uhr auf dem Marienplatz in München statt. Bei der Veranstaltung wird sicher auch zur Sprache kommen, dass die Regierungskoalition auf Bundesebene endlich ihre im Koalitionsvertrag gemachten Versprechen zur Barrierefreiheit umsetzen soll.
„Was Deutschland – und vor allem Bayern – schon lange verpasst, wird nun 8 Stunden lang von protestierenden Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen eingefordert: Die komplette Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Zahlreiche Barrieren bestehen im Alltag bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, auf der Suche nach barrierefreien Arztpraxen, Krankenhäusern, Veranstaltungsorten, Restaurants usw. Kämpfe mit den Krankenkassen, undurchschaubarer Paragraphendschungel, Probleme mit Pflegediensten und Sanitätshäusern. Viele Leistungsberechtigte werden gar nicht erst über ihre Möglichkeiten und Rechte informiert. Das Persönliche Budget für Schwerbehinderte, das das Recht auf ein selbstbestimmtes (!) Leben verwirklichen soll, wird – wenn überhaupt – unter starker Bevormundung durch die Behörden gewährt und von den sogenannten „Eingliederungshilfe“-Abteilungen stark boykottiert“, betonte Patricia Koller, Vorsitzende des Behindertenverband Bayern im Vorfeld der Veranstaltung.
Weiter führt sie aus: „Bei der Veranstaltung tauchen wieder mehrere Redner*innen ein in die Vergangenheit, in der es im Zuge des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten zum systematischen Massenmord an kranken und behinderten Menschen kam. Wir gedenken der unschuldigen Opfer. Das Grundgesetz ist kostbar. Wir brauchen einen verlässlichen Sozial- und Rechtsstaat! Zudem verdeutlichen wir die Probleme der Gegenwart und dass es hier noch sehr viel Handlungsbedarf gibt. Mittelpunkt des Randgruppenkrawalls unter der Organisation des Behindertenverband Bayern sind immer unsere Redner*innen, die selbst betroffen oder Angehörige sind und diverse Sachverständige. Wir demonstrieren für ein selbstbestimmtes (!) Leben, Teilhabe und Barrierefreiheit. Wir protestieren gegen Ausgrenzung, Bevormundung und Unterdrückung.“
Redner*innen sind nach Angabe des Verbands: Christian Ude, Prof. Dr. Michael von Cranach, Dr. Sibylle von Tiedemann, Mirko Bialas, Patricia Koller, Nancy Frind, Karin und Frank Cordes, Beate Jenkner, Ibrahim Al-Wattar, Jörg Mertens, Peggy Bahl-Christ, Doro von Wieding, Brigitte Bührlen, Chris Lily Kiermeier, Elke Lill, Martin Blasi, Brigitte Ziegler, Arjun Pfaffstaller, Jochen Nibbe, Esther-Marijn Schreiber, Martina Brand, Raphael Klein, Jakob Hetkämper.
Das Programm wird musikalisch umrahmt. Wie jedes Jahr ist die Streetpercussion-Band DRUMADAMA wieder mit dabei und sorgt mit Sambaklängen für gute Laune, wenn sie kräftig in die Trommeln haut. Dieses Jahr unterstützen den Randgruppenkrawall noch weitere Künstler*innen: DJ Giorgia G, Gündalein und ESC Rilla, GG Soprano, DJ Funky Francis, El Rubito de Granada.
„Die Veranstaltung ist barrierefrei: Gebärden- und Schriftdolmetscher*innen begleiten den Protest. Der Marienplatz wird von uns bestuhlt, sodass es ausreichend Sitzplätze geben wird. Vor Ort stehen hilfsbereite Assistent*innen zur Verfügung und es gibt mehrere behindertengerechte Toiletten. Für diejenigen, die nicht zum Marienplatz kommen können, wird es einen Livestream geben. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und anschließend in Einzelvideos auf YouTube hochgeladen“, heißt es weiter in der Ankündigung der Protestveranstaltung.




