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Richtig viel los im Mai

Liste der Termine von Lesungen im Mai 2024 aus dem Roman Zündeln an den Strukturen
Liste der Termine von Lesungen im Mai 2024 aus dem Roman Zündeln an den Strukturen
Foto: Ottmar Miles-Paul

Kassel (kobinet) "Richtig viel los im Mai", so titelte Ottmar Miles-Paul vor kurzem einen Post auf Facebook. Neben den Aktionen zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen und einer Reihe anderer Veranstaltungen, stehen für Ottmar Miles-Paul fünf Lesungen aus seinem Roman "Zündeln an den Strukturen" mit Diskussionen über die Situation in Werkstätten für behinderte Menschen und Alternativen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auf dem Programm. kobinet-Redakteur Hartmut Smikac hakte bei dem langjährigen Aktivisten und Mitinitiator des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung behinderter Menschen nach, wie er die anstehenden Veranstaltungen einschätzt und was genau im Mai ansteht.

Hartmut Smikac: „Richtig viel los im Mai“ ist ein Beitrag auf Ihrer Facebookseite getitelt. Was steht denn alles bei Ihnen im Mai an?

Ottmar Miles-Paul: Der Facebook-Post bezog sich vor allem auf die fünf Lesungen aus meinem Roman „Zündeln an den Strukturen“, die ich zusammen mit meiner Leseassistentin Sabine Lohner im Mai bestreite. Damit verbunden sind viele Diskussionen über das System der Werkstätten für behinderte Menschen und die aktuell anvisierten Reformen für Alternativen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Als ich den Roman im August letzten Jahres veröffentlicht habe, hätte ich nie und nimmer damit gerechnet, dass der Roman auf ein solch großes Interesse für Lesungen stoßen würde. Daher habe ich gerne die vielen Anfragen für Lesungen angenommen, so dass dieses Jahr viel hektischer, aber auch viel interessanter, für mich wird, als ursprünglich geplant.

Hartmut Smikac: Wo stehen denn im Mai Lesungen an?

Ottmar Miles-Paul: Gleich am 2. Mai geht es los mit einer Lesung in Marburg um 19:00 Uhr im Hotel Vila Vita Rosenpark, Anneliese Pohl Allee 7-17, in 35037 Marburg auf Einladung der Humanistischen Union. Da ich drei Jahre lang in Marburg gelebt habe, freue ich mich sehr darauf und danke dem Team von Franz-Josef Hanke, dass sie diese Veranstaltung trotz geringer Mittel aus dem Boden gestampft haben.

Am 3. Mai geht es gleich weiter nach Mainz. Auch dort habe ich gelebt und war als Landesbehindertenbeauftragter von Rheinland-Pfalz fünf Jahre aktiv. Zuerst sind Sabine Lohner und ich ab 13:00 Uhr auf der Kundgebung zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen in der Mainzer Innenstadt dabei. Ab 16:30 Uhr findet dann am im Salon 3SEIN, Große Bleiche 60-62 in 55116 Mainz, eine Lesung mit Diskussion statt.

Am 6. Mai geht es nach Berlin. Dort lädt der Verein ambulante dienste ab 18:30 Uhr zu einer Lesung im Aquarium, Skalitzer Str. 6, 10999 Berlin, U-Bahnhof Kottbusser Tor zur Lesung mit Diskussion ein. Hierfür wird um eine Anmeldung unter [email protected] gebeten.

Dann können wir etwas verschnaufen, bevor es am 17. Mai um 18:00 Uhr mit einer Lesung und Diskussion in der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum Potsdam, Am Kanal 47, in 14467 Potsdam weitergeht. Toll ist, dass sich diese Lesung in ein umfassendes Programm mit vielen Veranstaltungen zur Inklusion einreiht.

Am 31. Mai schließen Sabine Lohner und ich mit unserer fünften Lesung in diesem Monat die Lesetour im Mai ab. Und zwar geht es dann nach Hamburg ins Haus für Barrierefreiheit, Alsterdorfer Markt 7 in 22297 Hamburg. Hier finde ich sehr interessant, dass die Lesung am Alsterdorfer Markt stattfindet, da hier eine Großeinrichtung zur Stadt hin durch viele Maßnahmen und neue Angebote geöffnet wurde.

Da ich weiß, welcher Aufwand mit der Organisation solcher Veranstlaltungen und dem Bemühen, diese möglichst barrierefrei zu gestalten, verbunden ist, bin ich den Organisationen, die die Lesungen kostenfrei für Interessierte anbieten, zu großem Dank verpflichtet.

Hartmut Smikac: War’s das dann für dieses Jahr mit Lesungen zum Roman?

Ottmar Miles-Paul: Nein, im Juni geht es voraussichtlich nach Rosenheim und nach München. Im Juli bin ich in Luxemburg. Im Herbst sind noch Lesungen in Frankfurt, Hannover und Köln vorgesehen und aus Wien habe ich auch bereits eine Anfrage. Am Jahresende werde ich dann wahrscheinlich sehr müde sein, aber hoffentlich konnte ich dann ein paar Anstöße in Sachen Inklusion loswerden, um die Beschäftigung behinderter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu befeuern. Denn darum geht es mir mit diesem Roman hauptsächlich. Deshalb finde ich es auch gut, dass es den Roman mittlerweile in der Online-Volltextbibliothek bidok zum kostenlosen Download gibt und diese Möglichkeit schon über 600 mal genutzt wurde.

Link zum kostenfreien Herunterladen des Romans

Link zu Infos zum Roman und zu den Lesungen

Hartmut Smikac: Neben den Lesungen sind Sie im Mai aber auch noch anderweitig unterwegs?

Ottmar Miles-Paul: Ja, ich bin ja in verschiedenen Zusammenhängen aktiv. Am 4. Mai bin ich zum Beispiel in Ludwigsburg beim 20jährigen Jubiläum von Selbstbestimmt Leben im Landkreis Ludwigsburg. Am 7. Mai geht es nach Frankfurt zu einer spannenden Veranstaltung zu 50 Jahren Volkshochschulkursen, die damals von Gusti Steiner und Ernst Klee angeschoben wurden. An Pfingsten bin ich beim Bundesverband behinderter Eltern in Uder, dort wird ebenfalls ein Jubliläum gefeiert. Ende Mai bin ich dann noch bei einer Online-Veranstaltung der Aktion Mensch zur Deinstitutionalisierung dabei und eine Reihe weiterer Online- und Präsenz-Termine stehen auch noch an.

Hartmut Smikac: Klingt spannend, aber auch heftig. Und wie sind Sie mit den geplanten Aktivitäten zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen zufrieden?

Ottmar Miles-Paul: Zuerst einmal bin ich positiv überrascht, dass wir immer noch den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen begehen. Als wir von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und dem Europäischen Netzwerk zum selbstbestimmten Leben Behinderter (ENIL) 1992 zum ersten Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen aufgerufen haben, hätten wir uns nie träumen lässen, dass dieser im Jahr 2024 immer noch begangen wird. Wir hätten auch nicht gedacht, dass wir auf diesem Wege eine Grundgesetzergänzung, Bundes- und Landesgleichstellungsgesetze und eine UN-Behindertenrechtskonvention erleben würden. Das ist die eine Seite der Medaille. Andererseits ärgere ich mich, wie schneckenhaft die Entwicklung in Sachen Barrierefreiheit, Selbstbestimmung und Inklusion vorangeht.

Deshalb ist es wichtig, dass wir gerade jetzt nicht locker lassen, denn wir haben echte Chancen, endlich einen guten Schritt zur Barrierefreiheit für Angebote und Produkte privater Anbieter voranzukommen. Im Koalitionsvertrag steht das drin und das Thema dürfte bald mit dem Gesetzgebungsverfahren heiß werden. Zudem könnten wir in Sachen Reform des Werkstättensystems ein paar Schritte vorwärts schaffen, wenn die Inklusionslobby laut genug ist und die Beharrungskräfte dieses Exklusionssystems übertönen. Daher freue ich mich, dass auch dieses Jahr in hunderten von Städten und Gemeinden behinderte Menschen und ihre Organisationen Aktionen durchführen. Möge die Botschaft von den Verantwortlichen verstanden werden und es zum Beispiel am 5. Mai eine kraftvolle Demo in Berlin geben. Ich freue mich auch, dass die Aktion Mensch wieder die Veranstaltungen des Protesttags finanziell und durch Materialien und Informationen unterstützt.

Link zu Infos der Aktion Mensch zum Protesttag

Hartmut Smikac: Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg und ein gutes Durchhaltevermögen.