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Bundesregierung ignoriert Probleme Gehörloser und Taubblinder

Bild vom Lormen
Bild vom Lormen
Foto: DBSV/Strutz

BERLIN (kobinet) Mit ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der CDU/CSU „Versorgungssituation hochgradig schwerhöriger, gehörloser und taubblinder Menschen in Deutschland“ scheint, wie Hubert Hüppe, der Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Gesundheitsausschuss erklärt, die Bundesregierung offensichtlich die Realität nicht wahrnehmen zu wollen. Dies gilt insbesondere für die Teilhabeberatung Gehörloser und Taubblinder.

Nachdem, wie Hüppe berichtet, sie im Jahr 2022 das Angebot der EUTB-Beratungsstellen (EUTB = Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung), die in der Lage waren, Gehörlose und Taubblinde niederschwellig zu beraten, um die Hälfte gekürzt hatte, behauptet die Regierung, dieses Angebot sei gegenüber der Situation vor der besagten Kürzung unverändert und in Fläche stärker verankert. Nach der Umfrage des Kompetenzzentrums für Gebärdensprache und Gestik (SignGes) der RWTH Aachen gibt es zwar im Jahr 2024 mehr Anlaufstellen für gehörlose Menschen, jedoch wesentlich weniger auf Muttersprachler-Niveau als vor der Kürzung. Von diesen Beratern, die für die Betroffenen äußerst wertvoll sind, haben inzwischen weniger als ein Drittel noch eine Stelle. Zudem gibt es jetzt vier Bundesländer, in denen gar kein Angebot für gehörlose Menschen vorhanden ist. Vor den Kürzungen im Jahr 2022 waren es zwei.

Gab es vor den Kürzungen noch sieben taubblinde EUTB-Berater, so sind es jetzt nur sieben Stellen zur Beratung taubblinder Menschen. Das bedeutet, dass kein Berater mit kommunikativer Kompetenz in Lormen und taktilem Gebärden permanent vor Ort anzutreffen ist, sondern diese hin- und herpendeln müssen. Dadurch wird Ratsuchenden, die auf die besondere Expertise angewiesen sind, die Teilhabe am Leben erschwert. Die Bundesregierung ignoriert, so unterstreicht Hubert Hüppe, die Bedürfnisse der Taubblinden, die auf dieses Spezialwissen angewiesen sind. Sie verdrängt es zudem, dass die von den massiven Kürzungen der Bundesregierung verschonten (übriggebliebenen) EUTB-Beratungsstellen nicht auf diese besonderen Bedarfe von Menschen mit Behinderungen eingestellt sind. Erschwerend kommt hinzu, dass in manchen Gegenden in Deutschland, wo wenig Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung stehen, es 8-16 Wochen dauern kann, bis man einen Dolmetscher buchen kann.

Die Ampel muss sich darüber im Klaren sein, fordert der Bundestagsabgeordnete, dass Defizite nur dann behoben werden, wenn das Lagebild zur Beratungsstruktur der Realität entspricht. Daher braucht es dringend einer umfassenden Auseinandersetzung mit der wirklichen Versorgungssituation in der Teilhabeberatung und eines konkreten Plans, wie das Unterstützungsangebot für gehörlose und taubblinde Ratsuchende verbessert wird.