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Avatare und Gebärdensprache

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DGS Symbol Gebärdensprache
Foto: public domain

MÜNCHEN (kobinet) In der Stellungnahme des Kompetenzzentrums Gebärdensprache Bayern KOGEBA vom November vergangenen Jahres zu Einsätzen der Avatare in Gebärdensprache wurden besonders die ethischen Bedenken hervorgehoben. Dadurch, dass der Eindruck vermittelt wird, Gebärdensprach-Avatare wären die beste Lösung, da sie schnell und langfristig kostengünstig umzusetzen seien, vor allem, weil im Allgemeinen ein Mangel an Gebärdensprachdolmetschenden besteht, ist nach Einschätzung dieses Kompetenzzentrums die Gefahr eines „Missbrauches“ besonders hoch.

So hat die Stellungnahme viel Diskussionsbedarf hervorgerufen, was aus Sicht des KOGEBA sehr zu begrüßen ist. Zugleich wird nochmal betont, dass die verschiedenen Aspekte durch die digitale Diskussionsveranstaltung vom 21.06.2023 und im Konsens der aufgelisteten Verbände erarbeitet wurden.

Mit einer weiteren Stellungnahme werden zwei Beispiele von vielen Beispielen der Umsetzung der Übersetzung durch Gebärdensprach-Avatare aufgezeigt, und der Einsatz der Gebärdensprach-Avatare beim Zeppelinmuseum sowie den Avatar-Baukasten in vielen Kommunen mit tauben Experten näher beleuchtet.

Das Zeppelin Museum hat im Frühjahr 2023 in seiner gebärdensprachlichen Version2 der Webseite vierzehn Videos mit Gebärdensprach-Avataren veröffentlicht. Hierbei stellt sich die Frage, ob es generell Qualitätskontrollen gab und ob es eine Endabnahme von qualifizierten, tauben Personen gab. Aus dem Blickwinkel der KOGEBA erscheint es unvorstellbar, dass eine taube Person solche Videos mit gutem Gewissen für eine Veröffentlichung freigibt. Schlussfolgernd ist dringend von solchen Übersetzungen in Gebärdensprache mittels eines Gebärdensprach-Avatars in Museen abzuraten.

Seit nahezu zwei Jahren wirbt die Firma Charamel aggressiv mit Webinaren zu ihrem kommunalen Gebärdensprach-Avatar. Auf der Webseite zum kommunalen Gebärdensprach-Avatar findet man derzeit die Namen von 70 Kommunen vor. Die Recherchen haben ergeben, dass bereits 23 Kommunen auf ihren Websites einen Gebärdensprach-Avatar einsetzen und weitere vier haben es für die nächste Zeit angekündigt. Es sind auch generell beim kommunalen Gebärdensprach-Avatar ähnliche Fehler wie beim Gebärdensprach-Avatar des Zeppelin-Museums festzustellen: Das Mundbild ist oft fehlerhaft, die Ausführungen der Handbewegungen sind nicht korrekt, vieles wirkt zusammengestoppelt und erschwert das Verständnis erheblich. Viele translatorische und didaktische Vorgaben aus dem Bereich der Medien-Kommunikation werden nicht befolgt.

Ausgehend von den Analysen betont die KOGEBA nochmals ihre Kernforderungen:

  • Ein grundlegendes Umdenken ist erforderlich, um eine uneingeschränkte Selbstbestimmung ohne Diskriminierung zu ermöglichen. Der Staat muss in die Pflicht genommen werden, diese Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit den Gehörlosenverbänden voranzutreiben.
  • Es ist festzulegen, dass als erste Grundlage immer Präsenzdolmetschende bzw. Native Signers mit Qualifikation eingesetzt werden müssen.
  • Eine Qualitätssicherung der barrierefreien Digitalisierung mit Deutscher Gebärdensprache ist stets unter Beteiligung von tauben neutralen Expertinnen und Experten festzuhalten.
  • Eine klare, genaue Abgrenzung zwischen technischen Einsätzen wie Avatare und Native Signern mit Qualifikation muss festgelegt werden. Beispielsweise können Gebärdensprach-Avatare für kurze Infos wie Bahnhofsdurchsagen eingesetzt werden, aber für Textübersetzungen sind Gebärdensprach-Avatare nicht prädestiniert.

Lesermeinungen

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Marion
17.02.2024 15:57

Nicht jeder „Netzfund“ ist auch wirklich qualitativ so gut, dass man ihn verwerten sollte.

Das Thema der AVATARE ist nicht neu und wenn man sich mit der Technologie genau befasst, stellt sich heraus, dass diese Technologie nur mit sehr viel Personalaufwand umgesetzt werden kann.

Die AVATARE kommen (noch) nicht aus einer KI, sondern müssen per Animation dargestellt werden. Umgesetzt von jemand mit DGS-Kenntnis.

Der Einsatz ist nur für Unternehmen/Dienstleister/Behörden sinnvoll, wenn DGS-Übersetzer:Innen zu kostspielig sind, denn der AVATAR erzeugt keine Personalkosten oder Produktionskosten (Filmbeiträge)

Die Qualität der AVATARE ist somit nur so gut, wie die Menschen dahinter, die diese einsetzen ….