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Bei inklusiver Kinder- und Jugendhilfe überall dabei sein

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Berlin (kobinet) Nach einem erfolgreichen Beteiligungsprozess des Bundesfamilienministeriums zur Inklusiven Kinder- und Jugendhilfe haben sich rund 100 Teilnehmende auf einer einzigartigen Familienkonferenz vom 26. bis 28. Januar 2024 in Berlin zusammengefunden. Die Konferenz ermöglichte es Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Behinderung sowie ihren Familien, im Rahmen eines Beteiligungsprozesses zur Inklusiven Kinder- und Jugendhilfe ihre Perspektiven zu teilen. Dabei wurde deutlich: Junge Menschen mit Behinderung und ihre Familien wollen in einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe überall dabei sein.

In vier Gruppen wurden Bedürfnisse gesammelt und Anforderungen formuliert: Kinder bis 12 Jahre, Jugendliche und junge Erwachsene, Geschwisterkinder, Eltern und Pflegeeltern. Die Ergebnisse aller Gruppen wurden am Sonntagmorgen präsentiert und spiegeln die Kernforderungen wider:

· Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie ihre Eltern sind Experten für ihre Teilhabebedarfe.

· Assistenz für Freizeit und soziale Teilhabe soll bedarfsgerecht und unabhängig von der familiären finanziellen Situation sein.

· Auch Kinder mit Behinderung wollen Zeiten ohne ihre Eltern verbringen.

· Geschwisterkinder möchten manchmal Zeit mit ihren Eltern allein haben. Dafür brauchen die Geschwister mit Behinderung Assistenz.

· Familien möchten nicht pauschal in ihrer Erziehungskompetenz in Frage gestellt werden, wenn es um die Teilhabebedarfe geht.

· Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen ist die Grundvoraussetzung für Inklusion – von der Krippe bis zum Hort, vom Schwimmbad bis zum Jugendtreff, von der Grundschule über Ausbildung bis zur Uni.

· Der Zuständigkeitsstreit darf nicht auf dem Rücken der Familien ausgetragen werden. Bürokratie raubt uns Energie, die wir fürs Leben mit Behinderung brauchen.

Die Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren betonten: „Wir brauchen Hilfsmittel und Assistenz, auch zum Spielen. Wir wollen dabei sein, auch wenn wir nicht alles mitmachen können.“ Die Jugendlichen fügten hinzu: „Zum Erwachsenwerden gehört für uns auch, Fehler machen zu dürfen und daran zu wachsen.“ Die Geschwisterkinder äußerten den Wunsch: „Wir wollen gesehen werden und uns miteinander austauschen.“ Die Eltern betonten: „Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Augenhöhe.“

In einem Punkt waren sich alle Gruppen einig: Sie wollen mit ihren jeweiligen Perspektiven gehört und beteiligt werden.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Selbstvertretungsrat im Reformprozess „Gemeinsam zum Ziel“, einem Gremium aus Kindern, Jugendlichen, Eltern und Selbsthilfe- und Selbstvertretungsverbänden, das vom Ministerium ins Leben gerufen wurde, um eine umfassende Beteiligung im Gesetzesvorbereitungsprozess sicherzustellen. Organisatorisch unterstützt wurde die Konferenz von der Geschäftsstelle des Beteiligungsprozesses „Gemeinsam zum Ziel“.

Die gesammelten Ergebnisse werden dem Familienministerium übermittelt und sollen aktiv in den Gesetzgebungsprozess zur Inklusiven Kinder- und Jugendhilfe einfließen.

Link zu weiteren Infos über den Beteiligungsprozess „Gemeinsam zum Ziel“: Gemeinsam zum Ziel – Wir gestalten die Inklusive Kinder- und Jugendhilfe! erfahren Sie hier: Gemeinsam zum Ziel – Wir gestalten die Inklusive Kinder- und Jugendhilfe! | IKJH (gemeinsam-zum-ziel.org)

Dass es bei der Organisation solcher Veranstaltungen noch Verbesserungsbedarf gibt, macht folgendes Statement von Familie Lauer gegenüber den kobinet-nachrichten deutlich: „Inklusion heißt auch, dass wir eine solche Veranstaltung mitten in Berlin durchführen. Wir wollen nicht an den Rand des Bundeslandes in eine umzäunte Großeinrichtung verbannt werden, in der es noch nicht mal für alle Interessierten rollstuhlgerechte Zimmer gibt.“