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Löningen-Benstrup (kobinet) Die Krankenhausreform ist nach Ansicht von Diana Hömmen keine Reform. Als Krankenschwester und Schulgesundheitspflegerin ist ihrer Meinung nach die Entwicklung fatal und wird das System zum Absturz bringen, wie sie in ihrem Kommentar für die kobinet-nachrichten schreibt, den wir im folgenden veröffentlichen.
Kommentar von Diana Hömmen
Die vorgesehene Krankenhausreform macht Pflegende zu Befehlsempfängern, statt pflegefachliches Know-how zu fördern. Das Herumdoktern im Gesundheitssystem geht weiter, das verkaufte System, das Betrügen im Gesundheitssystem geht weiter. Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat nach eingehender Analyse mit deutlicher Kritik auf das Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums zur Krankenhausreform und darin insbesondere auf die nunmehr vorgesehene Leitungsstruktur in Level-1i-Krankenhäusern reagiert. Dabei geht es um die Grundversorgung mit integrierter ambulant/stationärer Versorgung.
Das Krankenhaus hält mindestens die Fachabteilung Chirurgie und/oder Innere Medizin vor. Aber die Geburtshilfe fällt wieder weg. Eine Grundversorgung besteht aus Chirurgie, Innere Medizin und Geburtshilfe und nichts anderes. Es besteht keine Verpflichtung zur Beteiligung an der Notfallversorgung. Das im vergangenen Jahr im Koalitionsvertrag vorgelegte Krankenhauskonzept der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung, das zukunftsorientiert ausgerichtet war, ist schon wieder gescheitert. Das jetzige Eckpunktpapier mit seiner zementierten Beschneidung des pflegefachlichen know-hows macht Pflegende zu reinen Befehlsempfängern anderer Gesundheitsberufe. Dies muss so schnell wie möglich bearbeite werden.
Hier kommt das finnische Modell zum Tragen. Altes, traditionsbewusstes Hierarchiedenken muss abgelegt werden, die Reform muss sich dem 21.Jahrhundert anpassen. Denken wie in der Kaiserzeit ist out. Die im Eckpunktepapier nicht mehr vorgesehene pflegerische Leitung in Level-1i-Krankenhäusern, sondern ständige ärztliche Leitung ist ein altes, traditionsbewusstes Hierarchiedenken. So kann ein gutes Gesundheits- und Pflegesystem nicht funktionieren, es ist in Deutschland zum Scheitern verurteilt. Eine Krankenhausreform die mal wieder die Pflegefachpersonen nicht einbezieht gesteht keine Handlungsautonomie zu. Die keine kompetenzorientierte Abstimmung aller Gesundheitsfachberufe untereinander findet nicht statt, ein nebenher arbeiten geht nicht mehr.
Seit dem 1980er Jahren erlebt das deutsche Gesundheitssystem eine Reform nach der anderen, die Folge: Die Flucht von Fachwissen geht weiter. Selbstverantwortliche professionelle Pflege wird von der Reformpolitik nicht gestattet. Seit Jahren fordere ich eine schnelle heilkundliche Übertragung an Pflegefachpersonen. Die Pflege- und Gesundheitsversorgung muss sektorenübergreifend gestaltet werden. In Zukunft ist es wichtig, eine selbstverantwortliche Profession Pflege zu unterstützen, sie besitzt eine enorme Bedeutung für die Versorgungs- und Patientensicherheit.
In den nächsten Jahren steigt die Zahl der Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, die Babyboomer gehen in Rente und der Klimawandel zollt Tribut. Tausende Parasiten saugen das Gesundheitssystem förmlich aus. Wer eine Krankenhausreform will, muss im gleichen Atemzug die Krankenkassen reformieren, die sitzen im goldenen Käfig. Ebenso muss das System der 10 Euro für die ersten 14 Tage beim Krankenhausaufenthalt abgeschafft werden, wo bleibt das Geld? Diese Antwort bleibt die Politik in der Sache unbeantwortet.




