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Noch viel Optimierungsbedarf in Deutschlands größten Onlineshops

Katrin Kolossa, Gründerin und Geschäftsführerin von sapera_<wbr>studios
Katrin Kolossa, Gründerin und Geschäftsführerin von sapera_studios
Foto: sapera_studios

BERLIN (kobinet) Ab dem Jahr 2025 ist digitale Barrierefreiheit für privatwirtschaftlich geführte Unternehmen in der Europäischen Union Pflicht. Die Berliner Kreativagentur sapera_studios hat deshalb die 20 umsatzstärksten E-Commerce Shops Deutschlands hinsichtlich digitaler Barrierefreiheit untersucht. Dabei wird klar: Es besteht erheblicher Optimierungsbedarf. Zum Beispiel sind von 20 der Webseiten nur sieben für blinde Nutzerinnen und Nutzer uneingeschränkt nutzbar.

Bei der Untersuchung der Screenreader-Tauglichkeit der größten Onlineshops Deutschlands konnten nur sieben überzeugen, so Zalando und Apple. Weitere sieben sind nur eingeschränkt kompatibel, dazu gehören Amazon und Otto. Lidl und IKEA gehören zu den sechs derjenigen Webshops, die nicht oder nur mangelhaft tauglich für Screenreader sind.

Bilddateien werden für Screenreader-Software erst durch hinterlegte Alternativtexte lesbar. Dies funktioniert bei den meisten der untersuchten Webseiten auch gut, so etwa bei Mediamarkt und DocMorris. Hingegen sind bei drei der Onlineshops nur eingeschränkt Alternativtexte verfügbar. Nicht ausreichend oder unpassend sind alternative Texte in vier der 20 Onlineshops.

Auf allen Webseiten der untersuchten E-Commerce-Shops ist die Sprache gut verständlich und unkompliziert. Die Schriftgrößen variieren jedoch nur wenig. Auch Sprachausgabe und Anpassungsmöglichkeiten sind verbesserungswürdig.

Zu den Ergebnissen der Untersuchung stellt Katrin Kolossa, die Gründerin und Geschäftsführerin von sapera_studios fest: “Das ungenutzte Potential der größten deutschen Onlineshops hinsichtlich ihrer digitalen Barrierefreiheit ist erstaunlich. Hier sehen wir als Kreativagentur deutlichen und dringenden Handlungsbedarf, nicht nur um kommenden gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden. Es geht vor allem auch darum, Menschen mit Handicap in unserer Gesellschaft endlich den vollen Zugang zu Onlineplattformen wie dem E-Commerce zu bieten und sie am heutigen, stark durchs Internet geprägtem Leben voll umfänglich teilhaben zu lassen. Hier wurde in den letzten Jahren viel zu wenig getan und es besteht dringender Nachholbedarf im Sinne der Inklusion“.