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Gendern bei kobinet

Foto zeigt Wolken über dem Kienberg in Berlin-Marzahn
Wolken über Berlin
Foto: sch

Berlin (kobinet) Bei kobinet wird seit einiger Zeit fröhlich gegendert. Beschlossen wurde das nicht, etwa in einer Sitzung der Redaktion oder des Vereins. Das kobinet-Team veröffentlicht gern Informationen und Berichte aus der Szene. Manchen Autorinnen und Autoren ist gendern wichtig. Der Berliner kobinet-Korrespondent warnt heute davor, die deutsche Sprache regulieren zu wollen. Die bisher üblichen Genderzeichen sind bekanntlich nicht barrierefrei.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) kritisiert die zurzeit gängigen Formen des Genderns. Bis heute wurden keine praxistauglichen Lösungen gefunden. Früher Binnen-I, jetzt Doppelpunkt, Unterstrich oder Sternchen werden bei gendersensilbler Sprache in die Lücke zwischen Wortstamm und weiblicher Endung gesetzt. Der Bruch im Schriftbild soll eine Denkpause provozieren, die alle Geschlechter sichtbar macht: männlich, weiblich, divers. Das stört den Lesefluss, sagen Kritiker. Dagegen wird auf politische Korrektheit gepocht: Gendern sei demokratische Pflicht.

"Die Genderfraktion verachtet die deutsche Sprache." Das meint der Berliner Linguist Peter Eisenberg. Er hat 2019 den Jacob-Grimme-Preis Deutsche Sprache erhalten. Unsere Sprache kann sehr wohl zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen. "Sie kann Frauen genauso sichtbar machen wie die Männer. Dazu braucht sie keinen Stern. Das Deutsche hat genügend Mittel, das anders zu erreicheh", sagt Eisenberg in einem Presseinterview. "Wenn es darauf ankommt, nennt man beide Formen."

Doch Genderisten beharren darauf, die nach ihrer Ansicht kranke deutsche Sprache zu reparieren. Zum Glück gibt es bei kobinet keine Regeln pro und contra, schon gar nicht für deren in der Redaktion bevorzugte Zeichen für die Gendersprache. Wir wollen uns weiter bemühen, einfach und verständlich zu schreiben. Mit der Regulierung der Sprache dürfte man schwerlich der Vision von Vielfalt in einer inklusiven Gesellschaft ohne Barrieren näher kommen. "Frauentag und Gendersternchen" wurde zum internationalen Frauentag veröffentlicht, der in diesem Jahr in Berlin erstmals als gesetzlicher Feiertag begangen wurde.

Nun freuen wir uns auf die bevorstehenden Feiertage. "Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen ...", schrieb Johann Wolfgang von Goethe 1857. Das Gedicht aus seinem Poem Reineke Fuchs haben Mädchen und Jungen meiner Generation in Ost wie West in der Schule auswendig und manche von ihnen lieben gelernt. Nicht auszudenken, dass Goethes Werke einmal gesternt erscheinen könnten.

Berlin (kobinet) Kategorien Bericht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/shnwx60