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Frauentag und Gendersternchen

Foto zeigt Ausschnitt aus Frauentagsplakat
Ausschnitt aus Plakat zum Frauentag von 1914
Foto: Gemeinfrei

Berlin (kobinet) Morgen wird der Internationale Frauentag für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung in Berlin zum dritten Mal als Feiertag begangen. Berlin ist seit 2019 das einzige Bundesland, in dem der 8. März gesetzlicher Feiertag ist.

Clara Zetkin hat am 27. August 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorgeschlagen. 1911 wurde erstmals der "Internationale Frauentag" begangen, zunächst in Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweiz und in den USA. Hauptforderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Mehr als eine Millionen Frauen gingen auf die Straße.

In den deutschen Medien wird heutzutage leidenschaftlich über die auch bei kobinet umstrittene gendersensible Sprache diskutiert. "Gendersternchen, Binnen-I, Glottisschlag: Im Kulturkampf um die deutsche Sprache schaffen Behörden, Firmen und auch der Duden Fakten, obwohl es für den Wandel keine Mehrheit gibt", so jetzt die SPIEGEL-Titelstory aus Hamburg.

"Es geht voran in Deutschland: Sogar die katholische Kirche hat jetzt die Gendersternchen für sich entdeckt. Während das Coronavirus das Land in die Krise reißt, reitet die Republik ihre Steckenpferde. Wie viele Luxus-Debatten verträgt unsere Gesellschaft", fragt Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis in München..

In einer Kolumne in der Wochenend-Ausgabe der Berliner Zeitung schreibt Sabine Rennefanz einer Freundin: "Ich glaube, die meisten Menschen wollen Sexismus, Rassismus und Diskriminierung abbauen, aber die Frage ist, ob die Konzentration auf die Umgestaltung der Sprache der richtige Weg dazu ist. Anders gesagt: Mich überzeugt die Argumentation nicht, dass Sprache zum Beispiel Frauen von Ambitionen abhält."

Ihre jüngere Freundin hatte auch noch gesagt, dass sie sich bei der maskulinen Form aber nicht mitgemeint und als Frau nicht repräsentiert fühle. "Ich kam mir in unserer Diskussion inzwischen vor wie einer dieser ewig gestrigen alten weißen Männer, die überall kritisiert werden, eine Art weibliche Ausgabe von Wolfgang Thierse. Ohne Bart", antwortete Rennefanz. Der SPD-Politiker wurde in der vergangenen Woche attackiert, weil er auf die Gefahren der Identitätspolitik hingewiesen hatte.

Die Journalistin der Berliner Zeitung hat nicht den Eindruck, dass die geschlechtergerechte Sprache etwas an der Repräsentanz von Frauen ändert: "Es ist so ein Maskottchen. Ein hübsches Tuch, um zu verbergen, dass dahinter die alten Kämpfe toben."

Wenn man Frauen fördern wolle, so schließt sie ihre Kolumne, "muss man sie von Anfang an gut bezahlen und sie auch unterstützen, wenn sie eine Familie gründen, man muss Führung in Teilzeit ermöglichen, Weiterbildung, flexible Arbeitszeitmodelle. Man müsste das Steuersystem ändern, Kita- und Ganztagsschulen ausbauen, Väter-Pflichtmonate einführen. Das ist alles bekannt, tausendmal geschrieben. Ist aber schwieriger, als ein paar Sternchen zusätzlich zu setzen."

Berlin (kobinet) Kategorien Bericht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/scqtu29