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Mit Tests zu Hause Isolation reduzieren

Bild von der Auszeichnung von Benni Over
Bild von der Auszeichnung von Benni Over
Foto: privat

Niederbreitbach (kobinet) Mit der Bitte, die am 15. Oktober für Pflegeheime und Krankenhäuser in Kraft getretene Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums zum Corona-Virus auf den Geltungsbereich der häuslichen Pflege auszuweiten, hat sich Familie Over aus Niederbreitbach an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gewandt. In dem Schreiben schildert die Familie ihre Situation in Zeiten der Corona-Pandemie, die von der freiwilligen Quarantäne seit Februar geprägt ist.

Bericht von Familie Over

Unsere Situation

Wir sind zu Dritt, Eltern Cornelia und Klaus Over sowie Sohn Benni. Benni (30) gehört zur Corona-Hoch-Risikogruppe. Er ist an einem schleichenden Muskelschwund erkrankt (Muskeldystrophie Duchenne), sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr im Rollstuhl und kann nur noch seine Finger bewegen. Nach einem Herzstillstand vor vier Jahren wurde Benni tracheotomiert und wird seitdem von einer Maschine beatmet. Papa Klaus, 61 Jahre alt, gehört ebenfalls zur Hoch-Risikogruppe, weil er wegen einer akuten Leukämie (AML) transplantiert wurde. Mama Connie ist 58 Jahre.

Freiwillige Quarantäne

Seit Ende Februar sind wir in freiwilliger Quarantäne, weil für Benni eine Infektion mit dem Corona-Virus lebensbedrohlich wäre. Seitdem verzichten wir komplett auf den bis dahin tätigen ambulanten Intensiv-Pflegedienst, der täglich bis zu 10 Stunden im Haus war. Diese Arbeiten haben wir, Bennis Eltern, komplett übernommen. Die bisherigen 25 Stunden (wöchentlich) der ambulanten Hilfen wurden seitens der Kreisverwaltung ab Quarantänebeginn als Videokonferenz, jedoch reduziert auf 15 Stunden wöchentlich, genehmigt. Therapien für Benni (Atemtherapie, Physio) finden seit März online statt. Dabei sind wir, die Eltern, der verlängerte Arm der Therapeuten. Nur im Sommer und auf der Terrasse, konnten Osteopathie und Lymphdrainage (mit allen Schutzmaßnahmen) von Therapeuten direkt an Benni vorgenommen werden.

Wie sich unser Alltag durch das Corona-Virus auf den Kopf gestellt hat, möchten wir nicht weiter ausführen. Das beigefügte Video (aus März) mag Ihnen einen Einblick gewähren. Mittlerweile sind wir jedoch sehr müde und die Stimmung ist angespannt.

https://www.youtube.com/watch?v=mdmlbdkcIww

Quarantäne und die dunkle Jahreszeit – Großes Risiko

Bis heute haben wir die freiwillige Quarantäne einigermaßen durchgehalten; trotz viel weniger direkten Kontakten und viel weniger lebenswichtiger Therapien für Benni.

Jetzt sind wir in der „dunklen Jahreszeit“ angekommen. Und es wird April/Mai werden, bis Benni wieder direkte Therapie erhalten wird und wir als Familie wieder auf der Terrasse Besuch empfangen können. Können Sie sich vorstellen, wie es für einen Risikopatienten und seine Familie ist, erst in sechs Monaten wieder direkten Kontakt zu Menschen zu haben? Was wird das mit uns machen? Wir sind schon jetzt müde und ausgelaugt. Die nächsten Monate bergen für uns hohe Risiken.

Corona-Schnelltests für die häusliche Pflege

Am 15. Oktober hat das Bundesgesundheitsministerium eine Testanordnung für Pflegeheime und Krankenhäuser erlassen. Wir fragen: „Warum gilt diese Anordnung nicht auch für die häusliche Pflege?“ Tests könnten für Bennis Therapeuten und unsere Besucher durch medizinisches Personal eines ortsansässigen Pfleganbieters durchgeführt werden.

Die Möglichkeit dieser Schnelltests würde Benni und uns allen sehr dabei helfen, auch die nächsten sechs Monate einigermaßen gut zu überstehen: Benni könnte die für ihn so wichtigen Therapien erhalten und wir alle könnten Besuche empfangen. Soziale Kontakte sind das Salz in der Suppe. Ohne wird man nicht nur einsam, sondern auch krank.

Benni, Cornelia und Klaus Over

Niederbreitbach (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sclty25