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Das Leben der Anderen – Prädestination und Infektionsgeschehen

Portrait Dr. Jürgen Schneider
Dr. Jürgen Schneider
Foto: rba

Berlin (kobinet) Der Ruf nach Isolierung der Risikogruppen wird lauter, sei es, um einen drohenden Lockdown zu verhindern oder damit das Leben der Mehrheit im gewohnten Rahmen weitergehen kann.

Die krude Mischung aus Dummheit, Ignoranz, Gewöhnung und grenzenlosem Amüsierbedürfnis hat das frühe Schockpotential der Pandemie untergraben.

Ergänzt um den Prädestinationsglauben im Sinne der unabänderlichen Vorherbestimmung des menschlichen Lebens in diversen christlichen und muslimischen Gemeinschaften, die die eigene Verantwortung auf „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ projizieren, erleben wir ein breites Spektrum von Infektionspotential auch bei privaten Familienfeiern, insbesondere bei sehr großen Hochzeitsfeiern. So bei einer Hochzeit in einer evangelischen Baptistengemeinde im Landkreis Altenkirchen, meinem Geburtskreis im Westerwald. Dort ist allein durch dieses Ereignis die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen auf 126 gestiegen.

Über ähnliche Ereignisse und ihre Auswirkungen erfährt man in Berlin wenig. Hier konzentriert sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die weniger tabuisierte Partyszene, auch wenn der Tagesspiegel immer mal wieder die eine oder andere verklausulierte Andeutung macht. Obwohl Vernunft und Verantwortung gefordert sind, scheut auch der Regierende Bürgermeister die Benennung dieses Problems neben der Partyszene.

Dabei ist die Delegation von Verantwortung auf „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ insbesondere gegenüber den verwundbaren Gruppen extrem verantwortungslos.

In der Pandemie ist auch der Glauben nicht mehr nur Privatsache und eine Verweigerung der Abstands-, Hygiene- und Maskenregelungen im Bewußtsein einer dogmatisch verstandenen Prädestination wird zum Sicherheitsrisiko für die besonders gefährdeten Menschen innerhalb und außerhalb der Glaubensgemeinschaften.

Eine private und individuelle Entscheidung gegen die Verhaltensregeln in der Pandemie im Sinne einer falsch verstandenen Prädestination ist auch weder mit der christlichen Nächstenliebe noch mit der islamischen Morallehre zu vereinbaren.

Jenseits dieses Glaubenspektrums, scheint auch noch ein anderer Schicksalsglauben unter Coronaleugnern an eine Art „Vorsehung“ aus unseligen Zeiten anzuknüpfen und sei es nur aus Vertrauen auf die eigenen Gene.

Berlin (kobinet) Kategorien Meinung

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sitw240