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EU-Horizont-Preise für Handicap International

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Foto: handicap international

Brüssel (kobinet) Die gemeinnützige Organisation Handicap International (HI) wurde heute, am 24. September 2020, für ihre innovativen Lösungen in der humanitären Hilfe von der Europäischen Union mit zwei Preisen ausgezeichnet: Für die Tele-Rehabilitation per Video mit Prothesen und Orthesen aus dem 3D-Drucker und für den Einsatz von Drohnen, die mit Infrarotkameras vergrabene Minen aufspüren.

Damit wurde die Arbeit von HI prämiert, die seit Jahrzehnten innovative Lösungen erforscht. Diese sollen praktisch anwendbar sein und von lokalen Akteur*innen leicht einzusetzen sein, um besonders schutzbedürftigen Menschen wirksame Hilfe zu leisten. Die Hilfsorganisation wird mit dem Preisgeld einen Innovations-Fonds einrichten, um weiterhin Technologien im humanitären Kontext zu erforschen.

Physiotherapie per Video und Prothesen aus dem 3D-Drucker

Die Organisation Handicap International wurde 1982 in thailändischen Flüchtlingslagern für kambodschanische Geflüchtete gegründet, wo sie damals 6.000 amputierte Menschen unterstützte. Diese Minenopfer waren dort ohne angemessene Betreuung sich selbst überlassen. Mit der Herstellung von Prothesen aus Bambus, Leder, Holz und Reifen sowie von Rollstühlen aus Holz war Handicap International die erste humanitäre Organisation, die einfache und kostengünstige orthopädische Hilfsmittel entwickelte, die an den lokalen Kontext angepasst waren, heißt es in der Presseinformation von Handicap International. Vierzig Jahre später sei HI die erste Organisation der Welt, die Tele-Rehabilitation und die Herstellung von 3D-Prothesen kombiniert. So bietet die Hilfsorganisation Physiotherapie-Behandlungen per Video an und stellt aus der Ferne Prothesen her, indem der Stumpf eines amputierten Menschen gescannt und die benötigte Prothese in 3D ausgedruckt wird.

"Ein Mensch, der eine Prothese benötigt, muss von Fachleuten betreut werden. In vielen Teilen der Welt gibt es aber nur wenige oder gar keine Reha-Zentren. Auch bewaffnete Konflikte verhindern oftmals den Zugang zur Behandlung. Durch den Einsatz digitaler Technologien in Kombination mit 3D-Druck können wir nun hochwertige Prothesen und Orthesen für weniger Geld anfertigen und zur Verfügung stellen. Auch können wir Reha-Maßnahmen für Menschen anbieten, die wir vorher nicht erreichen konnten“, unterstreicht die technische Leiterin der Reha-Abteilung bei HI, Isabelle Urseau.

Drohnen beschleunigen Minenräumung

1992 bildete Handicap International in Kambodscha, das stark mit Antipersonenminen verseucht war, Minenräumer*innen aus und begann mit der humanitären Minenräumung. Vier Jahre später machte u.a. das Engagement von HI die Verabschiedung der Ottawa-Konvention möglich. Diese war der erste völkerrechtliche Vertrag über das Verbot einer konventionellen Waffe. Ein Novum im internationalen Recht. Mit ihrem Partner Mobility Robotics hat Handicap International nun den Einsatz von Drohnen bei der Minenräumung im Tschad getestet. HI sei damit die erste Organisation, die in der Lage ist, im Boden vergrabene Minen mithilfe von Drohnen mit Infrarotkameras aufzuspüren. Der Leiter der Abteilung zur Reduzierung bewaffneter Gewalt, Emmanuel Sauvage, erklärt: "Wir können nun auch große verseuchte Gebiete in Rekordzeit kartieren. Früher dauerte es mit herkömmlichen Methoden Wochen, eine vermutlich gefährliche Zone zu untersuchen. Diese neuen Methoden werden die Minenräumung und die Freigabe von Landflächen für die örtliche Bevölkerung beschleunigen."

Der Horizont-Preis

Der Horizont-Preis der Europäischen Union für kostengünstige High-Tech-Projekte für die humanitäre Hilfe wurde 2020 ins Leben gerufen. Er ist in fünf Kategorien unterteilt: Unterkünfte und damit verbundene Hilfe; Wasser, Hygiene und sanitäre Einrichtungen; Energie; Gesundheit und medizinische Versorgung sowie Sonstige humanitäre Hilfe (offene Kategorie). Jede Kategorie ist mit einer Million Euro dotiert und wird an eine Initiative vergeben, die große humanitäre Herausforderungen angeht.

HI wurde mit zwei der fünf Preise ausgezeichnet und ist die einzige Organisation, die zwei Auszeichnungen erhält. Sie wurde in der Kategorie „Sonstige humanitäre Hilfe“ für ihr Projekt „Odyssey2025“ für den Einsatz von Drohnen zur Minenräumung und in der Kategorie „Gesundheit und medizinische Versorgung“ für ihr richtungsweisendes Tele-Rehabilitationsprojekt ausgezeichnet.

Brüssel (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sjnx256

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