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Kaputte Toilette – Mitfahrverbot für Rollinutzer – Polizeieinsatz – Zugräumung

Kay Macquarrie wartet auf den Hublift
Kay Macquarrie vor Einstiegsbarrieren eines ICE
Foto: Kay Macquarrie

Berlin (kobinet) Barrierefreie Toilette kaputt - Zugführer verweigert daraufhin Rollstuhlnutzer die Mitfahrt - Polizeieinsatz - Zugräumung. So könnte man die Ereignisse vom letzten Freitag zusammenfassen, die sich am Berliner Hauptbahnhof abgespielt haben. Dabei hat sich der Zugführer, Kay Macquarrey die Mitfahrt wegen einer kaputten Toilette verweigerte, genau den Richtigen ausgesucht. Dieser engagiert sich schon länger für eine barrierefreie Bahn und ließ sich nicht des Zuges verweisen.

Die Deutsche Bahn scheint ein Händchen dafür zu haben, sich immer wieder mit den Falschen anzulegen. Sei es Horst Frehe oder Sigrid Arnade von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), immer wieder machte das Verhalten der Bahn solchen Aktivist*innen gegenüber negative Schlagzeilen. Und als ob das ein ISL-Virus wäre, hat sich ein Zugführer nun mit Kay Macquarrie angelegt, der am vergangenen Freitag nach einem Social-Media-Seminar bei der ISL vom Berliner Hauptbahnhof aus nach Hause fahren wollte.

"Der Zug aus Prag mit Zielort Kiel hat ein barrierefreies WC an Bord. Allerdings ist dieses defekt. Somit kann Rollstuhlnutzer Kay Macquarrie auf der gut dreistündigen Fahrt keine Toilette aufsuchen. Dennoch entscheidet Macquarrie sich dafür, die Reise anzutreten. Sein gutes Recht.", heißt es auf der Internetplattform der ISL Barrierefreie Bahn in einem Bericht über die Ereignisse. "Doch Macquarrie hat die Rechnung ohne den Zugchef gemacht. Der Zugchef vertritt die Meinung, dass die Beförderung eines Rollstuhlnutzenden nur mit funktionierendem WC stattfinden könne. So angeblich die Vorschrift. Das Hausrecht legitimiert seiner Ansicht demnach einen Verweis des Zuges. Als der Passagier den Zug nach Aufforderung nicht verlässt, alarmiert der Zugchef die Polizei."

Kay Macquarrie kennt seine Rechte und die Informationen der Bahn für einen solchen Fall. Er hält durch und verlässt auch trotz Polizeieinsatz nicht den Zug. Mitreisende bieten sogar eine verschließbare Flasche für den Fall der Fälle an. "Schließlich – mit Hilfe der Zeit – setzt der Zugchef sein Vorhaben durch. Nach über einer Stunde beendet der Zug seine nicht angetretene Fahrt. Alle Passagiere müssen raus und steigen nach kurzer Wartezeit in einen auf dem gleichen Gleis abfahrenden und in vielen Waggons übervollen ICE ein. Corona freut sich", heißt es weiter in dem Bericht über die Ereignisse vom vergangengen Freitag am Berliner Hauptbahnhof - im 21. Jahrhundert. Und: "Den Einstieg in den ICE, der auf der gleichen Plattform abfährt, muss Kay Macquarrie selbst organisieren. Keine der auf dem Gleis stehenden Bahnleute sieht sich bereit den Einsteigeservice zu informieren. Auch die Polizei nicht. Der Bahnkollege, der Macquarrie noch mittels Hebebühne aus dem EC geholfen hatte, stellte den Hublift entnervt ab und verlässt den Ort des Geschehens."

"Jeder blamiert sich halt so gut, wie er kann - als ob die Bahn momentan keine andere Sorgen hätte", kommentierte das NETZWERK ARTIKEL 3 das abstruse Verhalten des Zugführers und damit auch der Deutschen Bahn. Wenn die neue Regel bei der Bahn aber ist, dass Züge ohne funktionierende barrierefreie Toilette nicht mehr fahren, dann könnte das Ereignis vom Freitag einen wegweisenden Charakter haben und die Toilettenreparatur enorm befördern.

Link zum Bericht auf Barrierefreie Bahn

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