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Persönliche Zukunftsplanung nicht verwässern

Bunte Grafik zur Persönlichen Zukunftsplanung
Bunte Grafik zur Persönlichen Zukunftsplanung
Foto: Frank Birk

Bremen (kobinet) Carolin Emrich und Dr. Sabine Etzel vom Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung rufen in einem kobinet-Kommentar dazu auf, gemeinsam wachsam gegenüber (kostenoptimierten) Abwandlungen der Persönlichen Zukunftsplanung zu sein, die wenig oder nichts mehr zu tun haben mit freiwilligen Planungsprozessen. Gerade in Zeiten, in denen Planungsprozessen im Bereich der Eingliederungshilfe besondere Beachtung zuteil wird, gelte es genau zu unterscheiden zwischen gesetzlich verankerter Planung und Bedarfsermittlung und echter Persönlicher Zukunftsplanung.

Kommentar von Carolin Emrich und Dr. Sabine Etzel

Stellen Sie sich vor, Sie stünden vor Entscheidungen, die sich langfristig auf Ihr Leben auswirken. Stellen Sie sich weiter vor, dass Sie diese Situation genießen, weil Sie mit anderen Menschen in Träumen schwelgen und Pläne schmieden. Die Anderen würden Ihnen zuhören – WIRKLICH zuhören. Sie würden Ihren Träumen Raum geben, damit diese wachsen und konkreter werden können. Sie würden mit Ihnen gemeinsam überlegen, wie Ihre Lebenswünsche Wirklichkeit werden können. Dann würden Sie die Pläne gemeinsam in kleinen und großen Schritten umsetzen. Manche Aufgaben würden Sie selbst übernehmen, bei manchen Aufgaben würden Andere Sie unterstützen. Und so kämen Sie Stück für Stück Ihrem Lieblingsleben näher. Sicherlich gäbe es dabei auch manche Herausforderungen zu lösen, aber zum Glück hätten Sie ja Ihre selbstgewählten Unterstützer*innen an Ihrer Seite und stünden nicht alleine da. Gemeinsam würden Sie kreative Lösungen finden und dazu beitragen, dass Ihr eigenes Leben und unsere Gesellschaft noch ein Stück bunter und inklusiver werden.

Grafik Zukunftsplnaung: Mensch vor Tür mit Sonne und Weg
Grafik Zukunftsplnaung: Mensch vor Tür mit Sonne und Weg

Utopie? Zu schön, um wahr zu sein? Keineswegs! Herzlich Willkommen bei Persönlicher Zukunftsplanung. Was in den 1980er Jahren in den USA und Kanada begann und Mitte der 1990er Jahre in den deutschsprachigen Raum "schwappte", hat sich längst zu einer ausgereiften Idee und einer gut gefüllten Schatzkiste methodischer Anregungen weiterentwickelt. Das, was sich fantastisch anhören mag, nutzen einzelne Personen, genauso wie Familien, Projektteams oder Organisationen immer wieder, um kraftvolle Veränderungen in Gang zu setzen. Zukunftsplanung bringt in Bewegung und ist in Bewegung!

Das Netzwerk derer, die sich gut mit Persönlicher Zukunftsplanung auskennen und damit arbeiten, wächst: Zukunftsplaner*innen aus den verschiedensten deutschsprachigen Ländern vernetzen sich, tauschen sich aus, entwickeln die Ideen und die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten weiter (Näheres unter www.persoenliche-zukunftsplanung.eu).

In die Freude über das Gedeihen der Persönlichen Zukunftsplanung mischen sich auch Bedenken: In Zeiten, in denen Planungsprozessen im Bereich der Eingliederungshilfe besondere Beachtung zuteil wird, gilt es genau zu unterscheiden zwischen gesetzlich verankerter Planung, Bedarfsermittlung incl. dem Identifizieren geeigneter Maßnahmen und Persönlicher Zukunftsplanung[1].

Lassen Sie uns gemeinsam wachsam sein gegenüber (kostenoptimierten) Abwandlungen der Persönlichen Zukunftsplanung, die wenig oder nichts mehr zu tun haben mit freiwilligen Planungsprozessen.

Lassen Sie uns gemeinsam Sorge dafür tragen, dass die Ideen und Methoden der Persönlichen Zukunftsplanung nicht verwässert werden, sondern eine kraftvolle Planungs-Praxis bleiben, in der gemeinsam mit selbst gewählten Unterstützer*innen visionär gedacht, entwickelt und umgesetzt wird – mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern.

Wenn sich Persönliche Zukunftsplanung dann zu ihrer vollsten Blüte weiter entfaltet, könnte es sein, dass in ein paar Jahren …

… sich jeder Mensch über eine freudige, leidenschaftliche, kreative Zukunftsplanung freuen kann, die er zur Eintragung ins Geburtenregister geschenkt bekommen hat.

… echte neue inklusive Wege beschritten werden!

… durch Persönliche Zukunftsplanung die Haltung von Solidarität und Gemeinschaft wieder gestärkt wird.

Anmerkungen:

[1] Siehe dazu: Stefan Doose: Meinen ganz persönlichen Bedarf ermitteln Persönliche Zukunftsplanung. In: Orientierung: 2/2019, Bedarfsermittlung, S 24-26.

Link zu weiteren Informationen zur Persönlichen Zukunftsplanung: www.persoenliche-zukunftsplanung.eu

Link zum Beitrag Inklusion mit Persönlicher Zukunftsplanung voranbringen vom 8.2.2020 in den kobinet-nachrichten

Link zur Kolumne Leben ist das, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben - oder: vom Unsinn der Zukunftsplanung vom 15.12.2019 in den kobinet-nachrichten

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sefz168