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Ausgezeichnete Vorbilder für die Demokratie

Malu Dreyer überreicht Nancy Poser Landesverdienstorden
Malu Dreyer überreicht Nancy Poser Landesverdienstorden
Foto: Staatskanzlei RLP/Dinges

Mainz (kobinet) "Demokratie braucht Vorbilder, die Grenzen überwinden; sie braucht Möglichmacher und Zusammenführer. Alle, die heute geehrt werden, sind solche Vorbilder und ihre Geschichten bewegen uns alle. Denn sie verkörpern den Geist, der unsere Gesellschaft stärkt und der das Lebensgefühl in Rheinland-Pfalz ausmacht“, so eröffnete die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer die 38. Verleihung des Landesverdienstordens an 14 Bürgerinnen und Bürger. Den Orden erhalten Persönlichkeiten, die Außergewöhnliches und Überdurchschnittliches für Rheinland-Pfalz geleistet haben. Er ist die höchste Auszeichnung des Landes. Und diese Auszeichnung konnten am 25. November mit Nancy Poser, Benni Over und Ruth Jaensch auch drei Persönlichkeiten entgegen nehmen, die die Selbstbestimmung behinderter Menschen verkörpern.

"Nancy Poser war 1998 Gründungsmitglied der Deutschen Hirntumorhilfe e.V. und dort bis 2018 ehrenamtlich im Vorstand tätig. Seitdem unterstützt sie den Verein als Mitglied im Aufsichtsrat. Der Verein setzt sich für die Verbesserung der Versorgungsqualität von Hirntumorpatienten und die Förderung der Neuroonkologie ein. Bundesweite Informationstage, eine professionelle Kontaktstelle, der Aufbau eines Netzwerkes von Selbsthilfegruppen und die Information im Internet sind aus dieser Initiative erwachsen. Seit etwa zehn Jahren engagiert sie sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Richterin am Amtsgericht Trier in der Behindertenbewegung mit zahlreichen öffentlichen Auftritten zum Thema Teilhabe und Inklusion. Seit 2010 ist sie Mitglied im Forum behinderter Juristinnen und Juristen und gehört seit 2012 dem Beirat der Menschen mit Behinderung der Stadt Trier an. Von 2012 bis 2014 übte sie das Amt der Behindertenbeauftragten der Stadt Trier aus. Durch die Mitinitiierung bundesweiter Kampagnen und das Einbringen von Änderungsvorschlägen hat sie zur Entwicklung des Bundesteilhabegesetzes beigetragen. Von 2014 bis 2016 war sie Sachverständige bei Anhörungen des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Bundestag. Im Jahr 2016 war sie Gründungsmitglied von AbilityWatch e.V., einer Aktionsplattform, die sich als Teil einer modernen Behindertenbewegung in Deutschland versteht. Die Plattform soll Politik kritisch begleiten, Fragen aufwerfen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit'", heißt es in der Begründung für die Auszeichnung zum Wirken von Nancy Poser aus Trier.

Malu Dreyer zeichnet Benni Over aus
Malu Dreyer zeichnet Benni Over aus

Benni Over wurde im Kindesalter die Erkrankung Muskeldystrophie Duchenne diagnostiziert. Seine Eltern gründeten 1996 die außerordentlich erfolgreiche Selbsthilfegruppe "aktion benni & co e.V.“. Er selbst befasst sich –angeregt durch einen Zoobesuch –seit einigen Jahren sehr intensiv mit Orang-Utans und deren Lebensraum. Er musste feststellen, dass sich die Lebensbedingungen der Tiere ständig verschlechtern und die Orang-Utans vom Aussterben bedroht sind. Ursache ist das Abholzen von Regenwäldern, um dort Palmöl-Plantagen anzulegen. In der Anfangszeit übernahm er Patenschaften für Orang-Utans und erhielt regelmäßig Nachrichten über die Situation der Affen von der Borneo Orangutan Survival (BOS Deutschland). Er erfuhr von einem Orang-Utan namens Henry, der im Alter von knapp einem Jahr in der Nähe einer Palmölplantage gefunden wurde. Die Mutter war vermutlich auf der Suche nach Futter in der Plantage getötet worden. Er war von der Geschichte so ergriffen, dass er die Idee entwickelte, einen Zeichentrickfilm und ein Buch über die Geschichte Henrys zu erstellen. Gemeinsam mit seinen persönlichen Unterstützerinnen und Unterstützern – das sind vor allem seine Eltern und seine assistierenden Integrationskräfte – ließen sich beide Projekte realisieren. Film und Buch werdenin der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit eingesetzt. Im Frühjahr 2016 konnte Benni Over sein Patenkind "Henry“ und viele weitere Orang-Utan-Waisen auf Borneo besuchen. Er wurde von den Verantwortlichen der Orang-Utan-Rettungs- und Reha-Camps zum Botschafter für Orang-Utans ernannt. Sein Auftrag ist es, von den Auswirkungen der Zerstörung der Regenwälder zu berichten. Er wirbt darüber hinaus für ein Wiederaufforstungsprojekt, durch das ein neuer Wald nach den Prinzipien der Agroforstwirtschaft entstehen soll. Im ersten Projektschritt werden 200.000 Bäume benötigt", heißt es in der Begründung für die Auszeichnung von Benni Over aus Niederbreitbach.

"Ruth Jaensch ist seit 1982 Geschäftsführerin des 'Commit Clubs Behinderter und ihrer Freunde in Mainz und Umgebung e.V.'.Seit dieser Zeit gelang es ihr, den Verein als Säule der sozialen Dienste in der Region Mainz zu entwickeln. 1984 wurde der Verein wichtigster Träger individueller Schwerstbehindertenbetreuung in Mainz. Ergänzend erfolgte 1996 der Aufbau eines eigenen Angebots der häuslichen Krankenpflege. Der Commit Club beteiligt sich seit den 1990er Jahren auch als wichtiger und konzeptionell profilierter Träger des betreuten Wohnens in Mainz, bei dem Wohnangebote, psychosoziale Betreuung, pflegerische Unterstützung und hauswirtschaftliche Hilfe gebündelt sind. Als weiteres Betätigungsfeld bietet der Verein Integrationshilfe an und unterstützt in Kitas, Schulen, Ausbildung und Erwerbsleben. Darüber hinaus hat Ruth Jaensch sich unermüdlich für die Öffnung und barrierefreie Umgestaltung der städtischen Lebenswelt eingesetzt. So war sie beispielsweise treibende Kraft bei der überregional beachteten Errichtung eines integrativen Spielplatzes auf dem Mainzer Hartenberg im Jahr 2001.Auch auf dem Gebiet der Jugendhilfe und in kommunalen Gremien bringt sie sich seit Jahren mit großem Engagement ein. So war sie von 1986 bis 2012 und ist seit 2014 Mitglied im Jugendhilfeausschuss der Stadt Mainz und gehört seit 2013 dem Mainzer Stadtrat als Mitglied an. Auch im Ortsbeirat Marienborn war sie 10 Jahre als Mitglied aktiv. Mit ihrem langjährigen Engagement im Bereich der Arbeit von und für Menschen mit Behinderungen hat sie wesentlich dazu beigetragen, in der Stadt Mainz ambulante Wohnformen und gleichberechtigte, selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durchzusetzen und zu gestalten", heißt es in der Begründung für die Auszeichnung von Ruth Jaensch aus Mainz.