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Zusammen stark bei Kommune inklusiv in Erlangen

Auf der rechten Seite heben zwei Frauen und zwei Männer lächelnd ihre Arme.
Teilnehmer*innen üben Körperhaltung
Foto: Elias Heßelt

Erlangen (kobinet) Vor kurzem führte das Projekt Kommune inklusiv des Erlanger Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen den ersten von insgesamt zwei Blöcken einer Empowerment-Schulung mit Kerstin Wöbbeking und Ines Spilker durch. Der Student Elias Hesselt hat im Nachgang der Schulung einen Bericht verfasst, den die kobinet-nachrichten im folgenden veröffentlichen.

Bericht von Elias Hesselt

Eine junge, gehörlose Frau steht vor einer Gruppe und betrachtet ein Foto. Dieses beginnt sie nach kurzer Zeit durch Gebärdensprache zu beschreiben. Eine Gebärdensprachdolmetscherin übersetzt die Beschreibungen für die Gruppe. Anschließend schildert eine blinde Teilnehmerin anhand der übersetzten Beschreibung ihren individuellen Eindruck des Fotos, mit der Anmerkung, dass für sie die Farben sich bis jetzt auf schwarz und weiß beschränken.

Wir erleben Kommunikation mit mehreren Schritten, Flüstertelefon mal anders. Eine außergewöhnliche Situation für jemanden wie mich, der mit behinderten Menschen bisher eher selten in Kontakt gekommen war. Wir befinden uns in der Empowerment-Schulung im ZSL Erlangen (Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter), im Auftrag von Kommune Inklusiv. Zwei Moderatorinnen, selbst von einer chronischen Krankheit betroffen, setzen sich am Wochenende des 19. und 20.10.2019 mit einer bunt gemischten Truppe von Menschen mit Behinderung zusammen. Das Ziel: Weg vom Denken in negativen Mustern aufgrund der eigenen Behinderung, hin zu einem gesunden, selbstbestärkenden Optimismus, der einem durchs Leben hilft. Beim Stichwort Behinderung ist die Einschränkung bereits im Namen, statt sich also auf die negativen Aspekte des Handicaps zu konzentrieren, sollen die Teilnehmer*innen lernen, sich auf ihre Kompetenzen zu konzentrieren. Dazu sollen sie bereits am Anfang der Schulung ihre Stärken auf ein großes Plakat schreiben – gar nicht so einfach für manche, sich in den Schranken der Bescheidenheit mal einzugestehen, was man doch eigentlich ziemlich gut kann.

Doch die Empowerment-Schulung geht noch weiter: Die Gesellschaft soll aufmerksamer für die Bedürfnisse behinderter Menschen werden. Viele Teilnehmer*innen können zahlreiche Beispiele nennen, in denen das bisher unzureichend passiert: Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden, Sensibilisierung in Schulen und Kindergärten, Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer in Supermärkten, die Liste geht weiter. Man ist sich einig: Die Öffentlichkeit muss weiterhin auf solche fehlenden Maßnahmen aufmerksam gemacht werden. Wie das effektiv auf eine kreative Weise funktionieren kann, stellt sich in der zweiten Hälfte des Wochenendes heraus.

Zehn Wochen – Zehn Barrieren. So heißt ein Projekt, das etwa die Hälfte der Teilnehmenden über das Wochenende begonnen hat, zu erarbeiten. Hier soll jede Woche auf eine bestimmte Barriere behinderter Menschen im Alltag aufmerksam gemacht werden, z.B. durch Zeitungsartikel und Posts in sozialen Medien. Eine Gruppe will sich durch einen geplanten Kurzfilm für gehörlose Menschen einsetzen, eine weitere für Sensibilisierung in Schulen zum Thema Sinnesbehinderung. Das Engagement, das hier zu beobachten ist, ist mehr als bemerkenswert. Es sprudelt vor Ideen und es wird fleißig daran gearbeitet, diese Projekte zusammen umzusetzen. Besonders eindrucksvoll ist die gegenseitige Rücksicht untereinander, jede*r Teilnehmer*in begegnet anderen Einschränkungen mit vollstem Verständnis und Respekt.

Der zweite Termin der Schulung findet am 25. und 26. Januar 2020 statt, an dem dann vor allem an diesen Projekten weitergearbeitet werden soll.