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Kopfschütteln über neue Förderschulen im Saarland

Daumen runter
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Foto: Public Domain

Saarbrücken (kobinet) Früher galt das Saarland in Sachen Behindertenpolitik als progressiv, doch spätestens nach dem Kampf von Markus Igel mit den saarländischen Behörden für eine adäquate Finanzierung seiner Persönlichen Assistenz ist dieser Ruf angeknackst. Nun "glänzt" das Saarland sogar mit der Einrichtung von zwei neuen Förderschulen und entsprechendem Jubel von CDU-Vertreter*innen und Lehrerverbänden darüber. Bundesweit löst dies bei Interessenvertreter*innen behinderter Menschen im Zeitalter der UN-Behindertenrechtskonvention Kopfschütteln aus.

Wenn am 12. August im Saarland das neue Schuljahr beginnt, dann werden dort auch zwei neue Förderschulen mit dem Schwerpunkt soziale Entwicklung ihren Betrieb in Weiskirchen-Rappweiler sowie in Saarbrücken-Altenkessel aufnehmen, wie die Saarbrücker Zeitung am 1. August berichtete. Während in vielen anderen Bundesländern darum gerungen wird, die schulische Inklusion voranzutreiben und Sonderschulen abzubauen, beschwört der bildungspolitische Sprecher der CDU Landtagsfraktion im Saarland, Frank Wagner, den neuen Weg, der im Saarland gegangen werde: "Das Saarland geht bundesweit einen einmaligen Weg und eröffnet neue  Förderschulen, um auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren“,  wird er in der Saarbrücker Zeitung zitiert.

Der saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) hat nicht lange auf sich warten lassen und die Einrichtung der zwei neuen Förderschulen in Weiskirchen und Altenkessel begrüßt, wie die Saarbrücker Zeitung am 2. August berichtete. Mit der Eröffnung der beiden neuen Förderschulen sei nun eine Möglichkeit geschaffen worden, die Regelschulen zu entlasten. Auch der Verband Reale Bildung (VRB), der Gemeinschafts- und  Förderschullehrer im Saarland vertritt, begrüßt dem Bericht zufolge die Eröffnung der beiden Förderschulen. Durch den Aufbau zweier Schule zur speziellen Förderung  von Kindern mit emotional-sozialen Problematiken wird nach Ansicht des VRB das Bildungswesen im Saarland gestärkt. 

Kritik kam vom Landesverband Saar von Bündnis 90/Die Grünen: "Das Personal, dass durch die Neueröffnung der beiden Förderschulen eingebunden wird, würde in den Regelschulen für die Inklusion fehlen. Die politische Geschäftsführerin Barbara Meyer-Gluche forderte von der Landesregierung einen klaren Kurs in der Frage der Inklusion", wie es im Bericht der Saarbrücker Zeitung heißt.

In ihrem Bericht zum 10jährigen Bestehen der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland hatte das Deutsche Institut für Menschenrechte festgestellt, dass in den letzten acht Jahren der Anteil der Beschulung behinderter Menschen in Sonder- und Fördereinrichtungen lediglich um 0,6 Prozent zurückgegangen ist. Angesichts dieser schleppenden Entwicklung fordern die Behindertenverbände massive Anstrengungen der zuständigen Akteure. Dass nun im Saarland sogar noch neue Förderschulen eröffnet werden, sei schlichtweg nicht nachvollziehbar und habe mit der Achtung der Menschenrechte nichts zu tun, kritisiert das Netzwerk Artikel 3. 

Link zum Bericht in der Saarbrücker Zeitung vom 1. August 2019

Link zum Bericht in der Saarbrücker Zeitung vom 2. August 2019