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Teilhabeberatung im Alb-Donau-Kreis

Logo: EUTB
Logo: EUTB - ergänzende unabhängige Teilhabeberatung
Foto: Fachstelle Teilhabeberatung

Blaubeuren (kobinet) Wie schwierig es ist, barrierefreie Räumlichkeiten zu finden, zeigt sich nicht nur bei der Wohnungssuche, sondern auch bei der Suche nach Büroräumen, wie die ergänzende unabhängige Teilhabeberatungsstelle (EUTB) des Alb-Donau-Kreises erleben musste. Nun konnten die neuen Räumlichkeiten und die Beratungsstelle aber offiziell eingeweiht werden.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer, der Sozialdezernent des Alb-Donau-Kreises Josef Barabeisch und der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold sowie zahlreiche Vernetzungspartner der Beratungen, Leistungsträger und Leistungserbringer nahmen an der Einweihung teil. In ihrer Begrüßungsansprache berichtete die Geschäftsstellenleiterin Sabine Goetz vom Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Baden-Württemberg von der Antragstellung beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dann den Schwierigkeiten bei der Suche eines geeigneten, barrierefreien und bezahlbaren Büros. Dadurch, dass der Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter schon die Zusage von Angela Rubens als Mitarbeiterin in der EUTB hatte, erleichterte es sehr den Aufbau und die Vernetzung vor Ort. 

In ihrem Grußwort als Bundestagsabgeordnete ging Ronja Kemmer auf die Bedeutung des durch das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG) geschaffenen bundesweiten Projektes der EUTB ein. Dies sei eine wichtige Entwicklung in der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention damit die Menschen mit Behinderung eine unabhängige Teilhabeberatung haben und ihre selbstbestimmte Teilhabe und Partizipation in allen Bereichen des Lebens in der Gesellschaft umgezusetzt werden kann. Ronja Kemmer berichtete auch, da die EUTB bundesweit großen Anklang gefunden hat, dass derzeit an einem Referentenentwurf in Zusammenarbeit mit vielen Behindertenvertretern, Verbänden und Organisationen gearbeitet wird, damit u.a. das BTHG verbessert und die EUTB unbefristet weitergeführt und aus dem Bundeshaushalt finanziert wird. Nach der Plenarsommerpause soll dann im August darüber abgestimmt werden. 

Als Vertreter des Landrats vom Alb-Donau-Kreis ging der Sozialdezernent Josef Barabeisch in seinem Grußwort auf die besondere Bedeutung einer guten Beratung für Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen ein. Aber auch die Vernetzung und gute Zusammenarbeit mit den kommunalen Beratungsstellen, Leistungsträgern und Leistungserbringern sei wichtig und werde nun durch die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung erweitert. Besonders die Beratungsstellen für einen besonderen Personenkreis, die von entsprechend ausgebildeten selber Betroffenen geführt werden, verdienten im Landkreis eine besondere Wertschätzung. Barabeisch beglückwünschte den Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter, dass er die Bewilligung der EUTB für den Alb-Donau-Kreis vom BMAS bekam und als EUTB-Leiterin Angela Rubens als eine hervorragende Netzwerkerin und Beraterin hat. 

Bevor sich alle Teilnehmer*innen mit Kaffee, Getränken und Kuchen stärken konnten und ein reger Gesprächsaustausch entstand, berichtete Angela Rubens aus der EUTB–Arbeit vor Ort. "Nachdem wir seit November 2018 bereits telefonische Beratungen machten, fanden im Januar 2019 die ersten persönlichen Beratungen in unserem Büro in Blaubeuren in der Ulmer Str. 26  statt. Unsere Beratungsarbeit wird von den Menschen mit Behinderung sehr gut angenommen und sie sind dankbar, von uns in ihren Fragen beraten zu werden. Nicht nur durch die Öffentlichkeitsarbeit wird unsere EUTB in der Gesellschaft bekannt gemacht, sondern auch durch ‚Mund zu Mund-Propaganda‘ weiter gegeben. 'Welche Beratung können wir bei Ihnen bekommen?' ist eine häufig gestellte Frage. Oder auch: 'Was macht ihr anders oder besser als unsere bisher geleistete Beratung?' 'Was ist Peer Counseling?'" Mit diesen Fragen wird Angela Rubens ständig konfrontiert. Sie erläuterte, die besondere Beratungsform der EUTB’s mit "Auf Augenhöhe", Unabhängigkeit und nur dem Ratsuchenden verpflichtet und zusätzlich zu dem sonstigen Angebot der Leistungserbringer und die Beratung von Betroffenen für Betroffene (Peer Counseling) spiele eine wesentliche Rolle. Angela Rubens ist qualifizierte Peer Counselorin (ISL). 

"Wir unterstützen und beraten alle Menschen mit (oder mit drohenden) Behinderungen, deren Angehörige und Personen aus dem sozialen Umfeld  kostenlos in allen Fragen zur Rehabilitation, Teilhabe und Inklusion. Auch alle anderen Interessierten können sich mit Fragen rund um diese Themen an die EUTB wenden, was oft vorkommt", so Angela Rubens. Sie wies auch darauf hin, dass alle EUTB-Berater*innen eine 1-wöchige Grundqualifizierung von der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Fachstelle Teilhabeberatung erhalten, damit alle in den rund 500 Beratungsstellen eine gemeinsame Beratungsgrundlage haben.  Der inhaltliche Schwerpunkt der Gruppenschulung liege auf der Beratungshaltung auf Augenhöhe und speziell auf der Beratungsmethode des Peer-Counseling. "Desweiteren basiert unsere Beratung auf der Schattenübersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. 'Weg von der Fürsorge hin zur gleichberechtigten selbstbestimmten Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft'. Dies muss in den Köpfen ankommen und in der Gesellschaft umgesetzt werden. Wir werden regelmäßig umfangreich zu allen wichtigen Beratungsthemen von der Fachstelle Teilhabeberatung informiert und geschult. Die Fachberater*innen stehen uns zu all unseren Fragen kompetent zur Seite. Das heißt, wir haben eine enge Zusammenarbeit", so Angela Rubens. 

Derzeit werde zudem gemeinsam am Leitbild der EUTB-Arbeit gearbeitet damit dieses umgesetzt und gelebt werden kann. Es beschreibe die Werte, Grundsätze und den Respekt vor der Selbstbestimmung der Menschen mit Behinderung. Angela Rubens berichtete auch, dass besonders jetzt durch das neue Bundesteilhabegesetz und das Sozialgesetzbuch IX / XII viele Änderungen anstehen und auf Bundesebene und in allen Bundesländern an der Umsetzung in Reformstufen gearbeitet werde, so auch in Baden-Württemberg. "Die erste große Schulung hatten wir EUTB-Berater*innen dazu beim Sozialministerium in Stuttgart und jetzt auch eine bezüglich der Umsetzung in unserem EUTB-Gebiet vor Ort für Ulm und den Albdonaukreis. Seit Beginn unserer EUTB sind wir in die Vernetzung der verschiedenen Beratungsstellen, der Kommune, Behindertenorganisationen, der Selbsthilfe usw. aufgenommen worden und die Zusammenarbeit ist sehr gut mit allen Teilnehmer*innen. Die Menschen mit Behinderung haben einen großen Bedarf dieses EUTB-Beratungsangebot zu nutzen, um dort klar und deutlich ihre Menschenrechte und Hilfestellungen vermittelt zu bekommen. Diese ergänzende unabhängige Teilhabeberatung auch in unserem Bereich vor Ort ist ein wichtiger Meilenstein in der Umsetzung  der UN-Behindertenrechtskonvention und in der Umsetzung und gelebten Inklusion in allen Gesellschaftsbereichen", zeigte sich Angela Rubens überzeugt.

Im Anschluss  der Eröffnungsveranstaltung im Konferenzraum des Gesundheitszentrums Blaubeuren führte Angela Rubens die Teilnehmer*innen noch in den schönen lichten barrierefreien Beratungsraum im Nebengebäude. Es gab noch einen regen Gesprächsaustausch, auch mit zukunftsweisenden Planungen. "Da unser Landkreis ein großer Flächenlandkreis ist, sind wir bereits an verschiedenen Orten dabei, geeignete Büros für Außensprechstunden zu finden. Auch wenn aus terminlichen Gründen erst jetzt die offizielle Eröffnungsveranstaltung stattfand, so konnten wir jetzt aus unserer erfolgreichen Arbeit vor Ort berichten", so Angela Rubens. 

Die EUTB ist telefonisch zu erreichen unter Tel.: 07344 – 9296045 oder per E-Mail [email protected], Website:  www.eutb-albdonaukreis.de