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Behinderte Menschenrechte?

 UNO-Flagge mit Behindertenrechtskonvention
UNO-Flagge mit Behindertenrechtskonvention
Foto: BIZEPS

SAARBRüCKEN (KOBINET) "Behinderte Menschenrechte!?" Unter diesem Titel fand vor kurzem eine Veranstaltung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AstA) der Uni Saarland in Saarbrücken zum 10jährigen Inkraftttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland statt. Der Inklusionsbotschafter Birger Höhn hat an der Veranstaltung mitgewirkt und den kobinet-nachrichten folgenden Bericht geschickt.

Bericht von Birger Höhn

Der AstA der Uni Saarland, hier das Referat für Barrierefreiheit und Neurodiversität, hatte aus Anlaß von 10 Jahren UN-Behindertenrechtskonvention in die Universität Saarbrücken geladen und sehr viele Menschen, selbst Betroffene wie Interessierte, waren der Diskussion gefolgt. So viele, dass der Platz im Vorlesungsraum fast nicht ausreichte.

Das Thema der Veranstaltung war „10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention – Behinderte Menschenrechte!?". Das Referat für Barrierefreiheit und Neurodiversität der Uni, hier Anna Tischer und Nora Traykova, die selber auf dem Podium engagiert mitdiskutierten, hatten dazu sehr gute Diskussionspartner eingeladen. So war auch die Gesamtbehindertenbeauftragte der Stadt Saarbrücken, Dunja Fuhrmann, und der zweite Vorsitzende des Saarländischen Gehörlosenverbandes, Gerhard Malinek, anwesend.

Die Veranstaltung trug den Titel „Behinderte Menschenrechte!?" völlig zurecht. Denn, so lassen sich die Beiträge der Diskutant*innen im Publikum sowie auf dem Podium zusammenfassen, dass die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen auf diversen Ebenen leider immer noch behindert werden. Für diese These ist kein Ort so aktuell wie Saarbrücken selbst, denn die Menschenrechte von Markus Igel, der immer noch mit den Landesamt für (Un-)Soziales um seine benötigte Assistenz kämpft, sind leider ein super Beispiel dafür. Dieses Landesamt wirkt im übrigen auch auf Besucher besonders abstossend, da diese sich dadurch, dass die Räume erst von Personal einzeln aufgeschlossen werden müssen, wie in einem „Hochsicherheitstrakt" fühlten. Das konnten aus eigenen Erfahrungen auch andere Diskussionsteilnehmer bestätigen.

Dunja Fuhrmann berichtete aus ihrer Arbeit als Gesamtbehindertenbeauftragte der Stadt Saarbrücken. Vielerorts werden die Stellungnahmen der Behindertenbeiräte nicht oder nur unzureichend angehört bzw. umgesetzt. Ein breites Diskussionsfeld stellte hier die Situation von Gehörlosen sowie die mangelnde politische Selbstvertretung von Menschen mit Autismus dar. Auf den letzten Punkt wies vor allem auch Anna Tischer hin, die in Deutschland eine politische Selbstvertretung von Menschen mit Autismus wie durch ASAN (Autistic Self Advocacy Network) mitaufbauen möchten (Infos von Inklusionsbotschafter Birger Höhn unter [email protected])

Einig waren sich alle Anwesenden, dass mehr Menschen mit Behinderungen durch Empowerment gestärkt werden müssen: Durch aktive Teilnahme an Aktionen zum Beispiel rund um den 5. Mai in unterschiedlicher Form – in Saarbrücken, aber auch anderenorts – aber auch durch solche Veranstaltungen wie diese an der Uni selbst.

Insgesamt eine tolle und unendlich wichtige Veranstaltung, die bei den DiskussionsteilnehmerInnen nachhaltig gewirkt hat.