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Celle que vous croyez

Bild von der Berlinale
Bild von der Berlinale
Foto: Anke Glasmacher

UNBEKANNT (KOBINET) "Celle que vous croyez" heißt übersetzt so viel wie "Derjenige, dem Du glaubst". Doch wem glauben? Das wird zunehmend schwieriger, denn Claire Millaud (Juliette Binoche) hat sich verfangen zwischen virtueller und tatsächlicher Realität. Sie, 50 und Professorin, ist von ihrem Mann geschieden, das Sorgerecht für ihre beiden Söhne teilen sie sich. Claire ist verliebt in Ludo (Guillaume Gouix), einen jüngeren Designer. Doch der lässt sie nach einer gemeinsamen Nacht sitzen. Claire will sich an ihm rächen und beginnt unter der Identität ihrer Nichte auf Facebook einen Flirt mit seinem Assistenten Alex (François Civil). kobinet-Korrespondentin Anke Glasmacher hat sich auch diesen Film auf der Berlinale angeschaut und schildert ihre Eindrücke.

Berlin (kobinet) "Celle que vous croyez" heißt übersetzt so viel wie "Derjenige, dem Du glaubst". Doch wem glauben? Das wird zunehmend schwieriger, denn Claire Millaud (Juliette Binoche) hat sich verfangen zwischen virtueller und tatsächlicher Realität. Sie, 50 und Professorin, ist von ihrem Mann geschieden, das Sorgerecht für ihre beiden Söhne teilen sie sich. Claire ist verliebt in Ludo (Guillaume Gouix), einen jüngeren Designer. Doch der lässt sie nach einer gemeinsamen Nacht sitzen. Claire will sich an ihm rächen und beginnt unter der Identität ihrer Nichte auf Facebook einen Flirt mit seinem Assistenten Alex (François Civil).

Sie ist jetzt Clara, 24 und arbeitet irgendetwas „mit Mode“. Als Alex sie kennenlernen will, geraten ihre beiden Welten durcheinander. Nicht zuletzt, weil sie sich ebenfalls verliebt hat. Wie aber soll sie Alex gegenübertreten? Sie ist nicht die gleichaltrige junge Frau. Alles, was begann, ist auf einer Lüge aufgebaut. Alex kommt nach Paris, sie wartet auf ihn, aber er übersieht sie natürlich. Er wartet nicht auf Claire, er sucht Clara. Tief enttäuscht fährt er nach Hause zurück und bricht auf Facebook den Kontakt ab. Als Claire später noch einmal per Zufall Ludo trifft, erzählt er ihr, was aus Alex geworden ist.

Regisseur Safy Nebbou, der nach dem gleichnamigen Roman von Camille Laurens auch das Drehbuch geschrieben hat, hat mit „Celle que vous croyez“ ein dichtes Portrait einer Frau geschaffen, die einen Neuanfang wagen will, sich aber aus den Verletzungen der eigenen Geschichte nicht befreien kann. Den Rahmen bilden im Film die Gespräche Claires mit ihrer Psychotherapeutin. Doch auch ihr gegenüber kann sie die eigentliche Wahrheit nicht sagen. Und so kreisen ihre Geschichten, so kreist das, was sie glaubt, zwischen erfundener, erwünschter und erlebter Realität hin und her.

Ein Film, der getragen wird von der wunderbaren Juliette Binoche (gleichzeitig die diesjährige Jury-Präsidentin der Berlinale). Aber auch ein Film, der die ein oder andere Wendung am Schluss gar nicht mehr gebraucht hätte. Denn es geht nicht um fiktive virtuelle Realitäten, es geht darum, wohin wir in der Mitte unseres Lebens unseren Blick richten: Auf die kleinen und größeren Narben, die gelebtes Leben hinterlassen hat? Oder auf das Neue, das uns jeden Tag begegnet, wenn wir nur mutig genug sind, es in unser Leben zu lassen.

„Celle que vous croyez“ läuft im Berlinale Spezial und feiert auf der Berlinale seine Weltpremiere.