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Steht Geschäft über Menschen ?

Kopf der EDF-Website
Kopf der EDF-Website
Foto: hs

BRüSSEL (KOBINET) Steht Geschäft über Menschen ? fragt das Europäische Forum Behinderung - EDF zur Resolution des Europäischen Parlament über die weitere Entwicklung der Barrierefreiheit in Europa und meldet zu den bisherigen Plänen Bedenken an. Wie bereits von kobinet berichtet, so hatte das Komitee für Binnenmarkt des Europäischen Parlaments kürzlich einer gesetzlichen Regelung zugestimmt, welche von allen Mitgliedsländern der Europäischen Union mehr Anstrengungen für Barrierefreiheit in größerer Breite fordert. Zu den bisherigen Vorstellungen dieses Komitee hat das Europäische Forum Behinderung (EDF - European Disability Forum) Bedenken zu diesen Vorstellungen angemeldet und Veränderungen gefordert.

Das EDF bemängelt dabei, dass mit der Befreiung von Kleinstunternehmen von den Verpflichtungen zur Barrierefreiheit Millionen von Menschen in Europa, einschließlich jener mit Behinderungen, weiterhin vor allem vom dem Onlineeinkauf oder dem Lesen von E-Books ausgeschlossen bleiben.

Nicht zufrieden ist das EDF mit den bisherigen Plänen, weil demnach nicht alle Gebäude barrierefrei zugänglich sein müssen sondern den  Millionen von Europäern weiterhin Barrieren entgegen stehen, wenn sie eine Bank, eine Schule, einen Bahnhof, und so weiter  betreten möchten.

Kleine Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigen können weiterhin nicht barrierefreie Erzeugnisse herstellen, ohne das den Verwaltungen mitteilen zu müssen. Falls sie sich dennoch entscheiden, ihre Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten, können sie sich dabei auf "übermäßige Kostenbelastungen" berufen.  In der Praxis wird es deshalb schwierig zu prüfen, ob sie barrierefreie Erfordernisse korrekt anwenden.

Wenn ein Unternehmen kalkuliert, ihre Produkte barrierefrei zu gestalten, können sie sich dabei auf "hohe Kosten" berufen, weil sie bei den Kalkulationen lediglich, die direkt von Behinderungen betroffenen Personen zu Grunde legen müssen. Somit bleiben ältere Menschen, Menschen mit zeitweiligen Einschränkungen, wie nach chirurgischen Behandlungen oder mit gebrochenen Beinen, ebenso unberücksichtigt, wie andere Konsumenten, die von barrierefreien Eigenschaften der Produkte und Dienstleistungen darüber hinaus profitieren.

Geld- und Kartenautomaten, die nicht barrierefrei sind, können nach bisherigen Vorstellungen bis zu ihrem Verschleiß in Betrieb bleiben und müssen nicht durch barrierefreie Geräte ersetzt werden, die es allen Menschen möglich machen würde, Geld abzuheben oder eine Fahrkarte zu kaufen.

Mit den bisherigen Regelungen ist es möglich, dass von der EU geförderte oder dem Geld der Steuerzahler bezahlten Schulen nicht zugänglich sein müssen, da die Zugangsforderungen noch nicht verbindlich sind. In ein Schulgebäude zu gehen wird damit für viele Kinder mit Behinderung in Europa unmöglich sein.

Den Fernsehsendern wird selbst überlassen, wie ihr Service barrierefrei angeboten wird und von welcher Qualität das ist. Wenn es, zum Beispiel, zur Untertitelung für hörbehinderte oder schwerhörige Menschen oder Audiodeskription für Blinde kommt, bleiben dennoch wichtige Aspekte des audiovisuellen Service wie elektronische Programmguides unberücksichtigt. Personen mit Behinderungen und andere Menschen werden weiterhin nicht in der Lage sein, sie zu nutzen.  

Der angenommene Bericht widerspricht nach Ansicht des EDF früheren Resolutionen und Bekenntnissen des Europäischen Parlaments, eine starke und anspruchsvolle Regelung der Barrierefreiheit zu unterstützen.

Jene Leserinnen und Leser bei kobinet, die sich für die komplette Stellungnahme des EDF zu aktuellen Vorhaben zur Barrierefreiheit in Europa interessieren, können diese hier in englischer Sprache nachlesen.

BRüSSEL (KOBINET) Kategorien Nachrichten

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sertw13