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Theorie und Praxis: Mit 52 im Altenheim

Daumen runter!
Daumen runter!
Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

DUISBURG (KOBINET) Auf der Facebook-Seite der Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt von der SPD entfachte sich gestern am Vorabend der Verabschiedung des Bundesteilhabegesetzes eine umfangreiche und kontroverse Diskussion, als die Politikerin verkündete: „In der Fraktionssitzung heute waren Ministerin Andrea Nahles und ich uns einig, dass der Gesetzgebungsprozess zum Bundesteilhabegesetz schwierig, aber am Ende sehr erfolgreich war." Neben einer Reihe von Mängeln, die von verschiedenen Seiten aufgezeigt wurden, meldete sich auch Monica Lepping zu Wort. Die 52jährige, die vorher in ihrer eigenen Wohnung lebte, ist mittlerweile im Altenheim gelandet. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul hat nachgehakt, was da los ist.

„Ich bin 52 Jahre, stark übergewichtig, habe die Glasknochenkrankheit. Bisher lebte ich in einer Wohnung 2 mal täglich kam der Pflegedienst. Ich konnte mich mit Rollator in der Wohnung bewegen und machte alles alleine. Unterstützung bekam ich durch das Sozialamt, da meine Minirente nicht ausreichte. Am 19.4.2016 stürzte ich zu Hause in der Dusche als beim Aufstehen der Duschstuhl wegrutschte. Ich wurde in die Uniklinik eingeliefert und sofort operativ versorgt, da ich den linken Oberarm und den linken Oberschenkel gebrochen hatte. Nach einer Woche musste ich nachoperiert werden, da die Platten nicht hielten. Der soziale Dienst im Krankenhaus beantragte über meinen Kopf hinweg eine Betreuung. Nach 7 Wochen Aufenthalt wurde ich ohne Prognose nach Essen in eine Kurzzeitpflege abgeschoben", berichtet Monica Lepping den kobinet-nachrichten.

Doch hier nimmt die Geschichte von Monica Lepping erst so richtig den unheilvollen Verlauf, den sie Ulla Schmidt per Facebook in Ansätzen schilderte: "Hier kümmerte man sich um nichts, versäumte auch die Röntgenkontrolluntersuchungen usw. Eines Morgens weckte mich eine mir unbekannte Person. Ich teilte ihr mehrmals mit, dass ich sie nicht verstünde, da ich noch keine Hörgeräte trug. Sie redete weiter auf mich ein und gestikulierte wild. Ich wiederholte mich mehrmals und bat sie jemanden zu holen, der mir die Hörgeräte anzieht. Nach weiteren 15 Minuten wurde mir das zu bunt und ich wandte mich demonstrativ meinem Laptop zu. Nach 3 Wochen kam dann ein 15seitiges Dossier über mich, ohne dass die Dame mit mir ein Wort gewechselt hatte, bescheinigte sie mir Borderline und mehr. Daraufhin wurde mir eine Betreuerin zugeteilt, bei meiner Nachfrage beim Amtsgericht hieß es nur, dass ich nichts gegen das Gutachten unternehmen könne. Nun nach 8 Wochen Kurzzeitpflege wurde ich in ein Altenheim nach Duisburg weiter abgeschoben, die Transportkosten muss ich auch noch selber tragen. Hier ist die Situation für mich unerträglich. Man ist zwar bemüht, aber es ist ein altes schäbiges Altersheim. Vom Krankenhaus hatte ich mittlerweile das OK, dass ich das Hein wieder verlassen darf, aber hier erfolgt weder eine Mobilisation, noch sonst eine Kräftigung meiner Muskulatur", so Monica Lepping.

2 mal wöchentlich kommt nun eine Krankengymnastin für jeweils 15 Minuten, immer jemand anderes. "Meine Wohnung musste ich kündigen, da das Sozialamt meine Einkünfte so gekürzt hatte, dass ich weder meine Rechnungen, noch die Miete begleichen konnte. Die Wohnung muss zum 31.12. geräumt sein, die Sachen soll ich verschrotten auf eigene Kosten. Alles wird mir gerade genommen, ich habe nur einen Koffer mit Klamotten hier, alles soll ich aufgeben, das ist menschenunwürdig. Auch kann ich nicht von 100 Euro monatlich 'Taschengeld' leben. Meine Ratenverträge laufen weiter und zwar von den Sachen, die ich verschrotten lassen soll - also muss ich demnächst auch noch Privatinsolvenz anmelden. Arm gemacht vom Staat. Nicht nur die finanzielle Situation drückt und dass ich mein gesamtes vorheriges Leben verschrotten soll, was ich menschenunwürdig finde. Nein seit April habe ich weder eine Privats- noch Intimssphäre. jeden Tag werde ich von einer anderen Person gewaschen. Die Pflegekräfte sind überlastet, wenn ich schelle, dauert es mindestens eine Stunde bis jemand kommt. solange kann niemand einhalten. Ich werde grundlos angeschrien, das Essen ist unzumutbar, dazu ungenießbar in Mini Miniportionen - das ist keine Versorgung. Termine werden über meinen Kopf hinweg ohne Absprache gemacht. Mir werden ohne mein Wissen und Willen heimlich Antidepressiva gegeben. Ich werde gegängelt und fremdbestimmt, Mobilisierung findet nicht statt. Ich muss beim Waschen jedes Mal mehrmals einfordern, dass die Tür geschlossen wird usw. Alles was ich sage, wird dokumentiert, be- und verurteilt. Für alles muss ich mich rechtfertigen oder begründen, ich darf nichts selbständig entscheiden, nicht wann oder was ich esse, wann ich schlafe, wann ich geweckt werde. Selbst wenn ich wichtige Telefonate führen muss, werde ich für Kleinigkeiten gestört und angeschrien. Dieses alles ist für mich eine menschenunwürdige Situation: abgeschoben, vergessen, fremdbestimmt. Dagegen wehre ich mich. Ich will hier nicht sein, ich möchte nach Düsseldorf zurück, ich möchte mobilisiert werden. ich möchte dass meine privaten Sachen eingelagert werden und ich brauche ein festes geregeltes Einkommen." So beschreibt Monica Lepping gegenüber den kobinet-nachrichten ihre Situation.