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Das geht alles viel zu langsam

Bild von Josef Ströbl
Bild von Josef Ströbl
Foto: omp

KASSEL (KOBINET) "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden", dieser Satz steht gilt seit dem 15. November 1994 und steht damit nun seit 22 Jahren im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Der Inklusionsbotschafter und Vorstand von Mensch zuerst Josef Ströbl zeigt sich angesichts dieses Jahrestages traurig, dass sich gerade für Menschen mit Lernschwierigkeiten in dieser Zeit viel zu wenig getan hat. "Das geht alles viel zu langsam", so sein Fazit.

"Das ist sehr sehr traurig. Es hat sich zu wenig geändert und viel zu langsam. Es wird immer noch geschaut, was wir Menschen mit Lernschwierigkeiten angeblich nicht können. Wir müssen immer noch viel gegen die Meinungen kämpfen; in schwerer Sprache sagt man dazu Vorurteile", so der Kommentar von Josef Ströbl zum heutigen Jahrestag der Aufnahme des Benachteiligungsverbotes im Grundgesetz. Als ein Beispiel für massive Benachteiligungen nennt Josef Ströbl die Situation in den Werkstätten für behinderte Menschen. "Ich habe selber sehr lange in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet. Und ich habe immer gesagt: Früher gab es keine anderen Möglichkeiten. So schlecht, wie die Werkstätten für behinderte Menschen waren, wir hatten wenigstens Arbeit oder Beschäftigung. Wie die Bezahlung war und wie man mit uns umgegangen ist, das war für mich sehr schlimm. Ich hatte öfter sehr große Bauchschmerzen. Nicht nur für mich, auch für meine Kolleginnen und Kollegen. Jetzt ist es wirklich Zeit, anders zu denken. Und es anders zu machen."

Josef Ströbl empfiehlt denjenigen, die die Gesetze machen, den Rat, Menschen mit Behinderungen zuzuhören, was sie sagen. Das sei gerade beim Bundesteilhabegesetz viel zu kurz gekommen. Am Ende saßen doch hauptsächlich die sogenannten nichtbehinderten Experten am Tisch statt Menschen, die selbst betroffen sind. Josef Ströbl kritisiert auch die Ausgrenzung und Bevormundung in Wohnheimen für behinderte Menschen. Es werde viel alter Wein in neuen Schläuchen angepriesen. "Früher hießen die Schulen Sonderschulen, heute heißen sie Förderschulen. Es hat sich oft nur der Name geändert, aber es sind immer noch Sondereinrichtungen. Aber es gibt schon gute Schulen für alle." Es müsse aber eine Schule für alle Schülerinnen und Schüler geben. Wenn man gleich von Anfang zusammen lerne, dann komme man auch im späteren Leben gut meinander zurecht. "Das macht mich sehr traurig, dass es immer noch Angst geben tut und man nicht mit uns zusammen etwas ändert", so Josef Ströbl nach 22 Jahren Grundgesetzänderung nach der angeblich niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf.