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Sport inklusiv?

Staatssekretär Dippel übergibt Förderbescheid an Hanns-Uwe Theele
Staatssekretär Dippel übergibt Förderbescheid an Hanns-Uwe Theele
Foto: IGfBF

FULDA (KOBINET) Von Hanns-Uwe Theele veröffentlicht kobinet heute einen Gastkommentar. Der Fuldaer Aktivist für Barrierefreiheit und Inklusion hat viel Energie in den Aufbau einer inklusiven Sportgruppe gesteckt. Doch der Landessportbund Hessen schließt die von ihm geleitete "Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda e.V." wegen ihres falschen Vereinsnamen aus.

Von Hanns-Uwe Theele

Nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik Deutschland ergeben sich auch im Sport neue Ansätze der Beteiligung und Förderung von Menschen mit Behinderung. Barrierefreiheit (nicht nur baulich) und Nichtdiskriminierung spielen auch in diesem Bereich in Zukunft eine wichtige Rolle. In jüngster Vergangenheit entstehen landesweit immer mehr innovative und inklusive Sportgruppen innerhalb von bestehenden Institutionen und gemeinnützigen Vereinen, die nicht dem Bild der klassischen Sportvereine entsprechen, wie wir sie aus den letzten Jahrzehnten kennen. Auch im Sport hat zu Gunsten der Menschen mit Behinderung ein längst überfälliger Paradigmenwechsel stattgefunden.

Leider sind diese Fakten von Menschenrechten noch nicht zu allen Verantwortlichen bei Sportverbänden durchgedrungen. Ich stoße bei Verantwortlichen in Politik, Institutionen und Verbänden immer wieder auf Barrieren in den Köpfen. Was ich aber jetzt wieder miterleben durfte, ist einer der negativen Höhepunkte. Seit neun Monaten habe ich viel Energie in den Aufbau einer inklusiven Sportgruppe gesteckt. Unter Anderem haben wir eine Rollstuhlbasketballmanschaft aufgebaut, die wöchentlich mit ca. 10 Spielern mit und ohne Behinderung trainiert. Für die Anschaffung der sehr teuren, speziellen Basketballrollstühle habe ich persönlich über ein halbes Jahr an viele Türen geklopft um rund 30.000 Euro zur Anschaffung zu generieren. Zahlreiche engagierte Unternehmen, Privatpersonen und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (siehe Foto mit Staatssekretär Dr. Wolgang Dippel bei der Übergabe des Bewilligungsbescheides zur Förderung) haben uns unterstützt.

Wir bieten mit unserem Sportequipment sogar Aktionen mit Rollstuhlbasketball in Schulen an, um Inklusion zu fördern und über den Sport Barrieren in den Köpfen abzubauen. Um die Sportler gegen verschiedene Risiken abzusichern und sie bei Interesse auch für den Ligabetrieb anmelden zu können, muss man Mitglied beim Landessportbund Hessen sein. Dies hat die IGbFD auch beantragt. Der LSBH hat den Antrag jedoch abgelehnt und schließt die Teilnehmer der Sportgruppe der IGbFD e.V. wegen falschen Vereinsnamens aus.

Es ist nicht zu glauben, aber wahr. Weil unser Verein nicht zusätzlich den Namen "Sport" im Namen trägt, schließt der Landessportbund uns aus. Na und, könnte man jetzt denken. Aber weit gefehlt. Wer nicht Mitglied ist, kann die Teilnehmer nicht über den Sportversicherungsvertrag (Haftpflicht/Unfall) absichern, die Rollstuhlbasketballmannschaft kann nicht an Ligaspielen teilnehmen, nicht ordentliches Mitglied in anderen Sportverbänden werden und auch keine Förderungen beantragen, weil die bei Kommunen und Land meist an die Mitgliedschaft im LSBH gebunden ist.

Der LSBH nimmt hier durch seine Monopolstellung in Kauf, weitreichende Nachteile für Sportler zu verursachen und den Sport durch Menschen mit Behinderung zu verhindern. Der LSBH verstößt damit meiner Meinung nach, gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und somit gegen ihre eigene Satzung, in der sie in Paragraph 6 die Menschenrechte anerkennen. Die IGbFD wir ihren Vereinsnamen nicht ändern. Ich kämpfe persönlich weiter für den Abbau von Barrieren, auch im Sport.