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Singer ist keinen Preis wert

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UNBEKANNT (KOBINET) Der "Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung" zeichnet heute in Berlin den sogenannten Philosophen Peter Singer mit dem "Peter Singer Preis" aus. Dabei ist Peter Singer weniger berühmt als berüchtigt. Hervorgetan hat er sich insbesondere dadurch, dass er behinderte Menschen als lebensunwertes Leben definiert. Dabei scheut er nicht einmal davor zurück, sogar die Tötung behinderter Kinder zu propagieren. Hierzu ein Kommentar von kobinet-Redakteur Harald Reutershahn.

Der "Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung" zeichnet heute in Berlin den sogenannten Philosophen Peter Singer mit dem "Peter Singer Preis" aus. Das ist erstaunlich. In dem 1602 geschriebenen Drama "Troilus und Cressida" von William Shakespeare heißt es zu einem solchen selbstverherrlichenden Exempel von Eigenlob: "Des Ruhmes Würdigkeit verliert an Wert, wenn der Gepries'ne selbst mit Lob sich ehrt." Die Lateiner sagen dazu: "Propria laus sordet (Eigenlob ist schmutzig)".

Dabei ist Peter Singer weniger berühmt als berüchtigt. Hervorgetan hat er sich insbesondere dadurch, dass er behinderte Menschen als lebensunwertes Leben definiert. Dabei scheut er nicht einmal davor zurück, sogar die Tötung behinderter Kinder zu propagieren. Natürlich als Gnadenakt, um sie selbst vor lebenslangem Unglück zu bewahren und der Gesellschaft die Kosten zu ersparen, die ihr Leben der Allgemeinheit aufbürde. Die Nazis beseitigten diese "Schädlinge am gesunden deutschen Volkskörper" noch als "Ballastexistenzen" und "unnütze Fresser". Singer und seine Anhänger umschreiben ihre Abscheu vor Behinderten eher in einer verquasten scheinintellektuellen Phrasendrescherei und betreiben dabei ein infantiles Versteckspielchen hinter einer Maskerade von angeblichen Tierschützern.

"Das Postulat, dass alles menschliche Leben heilig ist, gilt nicht mehr", verriet er am 25.11.2001 in einem Interview in Spiegel online. Gefragt nach seinem Standpunkt zur Selektion Behinderter bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) bekannte Singer im Spiegel-Interview: "Wenn Sie vor der Implantation an einem Embryo einen Gentest vornehmen und dann entscheiden, dass dies nicht die Art von Embryo ist, die Sie wollen, dann habe ich keinen Einwand dagegen, ihn zu zerstören."

In seinem 1993 erschienenen Buch mit dem Titel "Muss dieses Kind am Leben bleiben? Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener" ließ Singer ebenfalls keinen Zweifel daran, dass er behinderte Menschen für lebensunwert hält, als er davon schrieb, er sei der Meinung, "dass es unter bestimmten Umständen ethisch gerechtfertigt ist, das Leben mancher schwerstbehinderter Neugeborener zu beenden." In seiner Schrift "Praktische Ethik" erklärte Singer, er konzentriere sich "der Einfachheit halber" auf Kleinkinder; alles, was er über diese sage, lasse sich auch anwenden auf "ältere Kinder oder Erwachsene (…), die auf der geistigen Reifestufe eines Kleinkindes verharren". Und über das Verhältnis seiner Weltanschauung zum Faschismus ließ Singer in dem gleichen Machwerk wissen: "Die Nazis haben fürchterliche Verbrechen begangen; aber das bedeutet nicht, dass alles, was die Nazis taten, fürchterlich war. Wir können die Euthanasie nicht nur deshalb verdammen, weil die Nazis sie durchgeführt haben, ebenso wenig wie wir den Bau von neuen Straßen aus diesem Grund verdammen können."

Erst vor wenigen Wochen verlangte der Schreckensphilosoph in einem US-Radio-Interview, behinderten Säuglingen müssten die Leistungen des öffentlichen Gesundheitssystems entzogen werden. Und er maulte: "Ich möchte nicht, dass sich meine Versicherungsbeiträge erhöhen, damit Kinder ohne Aussicht auf Lebensqualität teure Behandlungen bekommen".

Die widerwärtige Litanei gruseliger Unappetitlichkeiten Singers lässt sich beliebig fortsetzen. Alles "tragische Missverständnisse", behauptete noch vor wenigen Tagen Michael Schmidt-Salomon als Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS), der bei der heutigen Preisverleihung die Laudatio auf Singer halten wollte. Doch inzwischen hat Schmidt-Salomon kalte Füße bekommen. Gestern sagte er kurzfristig seine Laudatio für Peter Singer ab. Er sei "verstört" über die jüngsten Äußerungen Singers in einem Interview mit der Neuen Züricher Zeitung (NZZ). Dieser hatte am 24.05.2015 auf die NZZ-Frage "Würden Sie so weit gehen, ein Baby zu foltern, wenn es der ganzen Menschheit dauerhaftes Glück verschafft?" geantwortet: "Ich wäre vielleicht nicht in der Lage, das zu tun, weil ich durch meine evolutionär entwickelte Natur Kinder vor Schaden bewahren will. Aber richtig wäre es. Denn wenn ich es nicht täte, würden in der Zukunft Tausende Kinder gequält."

Schmidt-Salomon revidierte gestern auch auf die Schnelle seine bisherige Behauptung, Peter Singers Position sei nicht behindertenfeindlich, sondern stattdessen sogar behindertenfreundlich. Nun lässt er über Nacht öffentlich wissen: "Indem Peter Singer dazu aufruft, die notwendigen Ressourcen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Dritten Welt ausgerechnet aus den spärlichen Mitteln zur Unterstützung von alten, kranken und behinderten Menschen zu schöpfen, legitimiert er einen Solidaritätsbruch mit jenen Gesellschaftsmitgliedern, die unsere Hilfe am dringendsten benötigen. Unterfüttert wird dies noch mit einer unzulässigen Negativbewertung der Lebensqualität kranker und behinderter Menschen. Früher nahm ich wohlwollend an, dass sich Peter Singer in diesem Zusammenhang auf einige wenige Extremfälle bezieht. Doch wenn er offenbar selbst die Lebensqualität von Menschen mit Down-Syndrom anzweifelt und in der NZZ meint, dass diese nur 'ziemlich glücklich' sein könnten (die Erfahrung lehrt jedoch, dass sie im Durchschnitt fröhlicher sind als Menschen ohne Trisomie 21!), kann ich ihn auch in dieser Hinsicht nicht mehr verteidigen. Früher orientierte ich mich an der guten, alten hermeneutischen Regel 'im Zweifel für den Autor', aber mittlerweile sind meine Zweifel am Zweifel so sehr gewachsen, dass ich Singers diesbezügliche Positionen selbst bei wohlwollendster Betrachtung nicht mehr mittragen kann.“

Obendrein bestreitet Schmidt-Salomon, mit "diesem Förderverein" etwas zu tun zu haben. Möglicherweise kann er sich inzwischen auch nicht mehr daran erinnern, dass er am 03.06.2011 in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main dem Herrn Singer den Ethikpreis der GBS überreicht hatte. "Wir haben damit gerechnet, dass es Proteste Behinderter gegen die Preisverleihung an Peter Singer geben wird, aber eine rationale Diskussion seiner Thesen ist nötig", erklärte er mir vor dieser Veranstaltung für die kobinet-nachrichten. Wenn Behinderung kein persönliches Leid bedeute, wären besondere Zuwendungen der Gesellschaft nicht notwendig. Persönliches Leid sei nach seiner Auffassung vermeidbar durch die Vermeidung von Behinderungen.

Nach unserem Pressegespräch wurde der smarte Schmidt-Salomon dann auch persönlich und versuchte mir zu erklären, ich sei als Behinderter doch gar nicht gemeint mit Singers Thesen, es gehe doch nur um die Erlösung "Unheilbar Kranker". Als ich ihm dann aber klar machte, dass Singers krude Bioethik für mich das Unheil sei, weil ich mit der Besonderheit einer Muskeldystrohie zur Welt gekommen bin, versuchte er mich damit zu vertrösten, dass es doch für keinen Menschen erstrebenswert sei, mit einer Behinderung zu leben. Und wenn ich gar nicht erst geboren worden wäre, würde ich doch überhaupt nicht merken, dass ich nicht lebe. Dass wir Behinderten nicht behindert sind, sondern behindert werden durch Diskriminierung, Aussonderung und Barrieren, das hat der in seinen Selektionsrausch verwickelte Herr Humanist nicht verstanden oder nicht verstehen wollen.

Ein zugegebenermaßen zweifelhafter katholischer Bischof hatte ihn einmal einen "geistigen Amokläufer" genannt. Das würde ich mich nicht wagen, obgleich ich Verständnis für diese Titulierung habe. Schmidt-Salomon lamentierte als Vollstreckungsgehilfe seines bisherigen Gurus Singer beständig, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland behindert werde durch Behinderte, die gegen öffentliche Diskussionen über ihr Lebensrecht protestieren. Das ist empörend für den larmoyanten Humanisten.

[An dieser Stelle wurde auf Androhung einer einstweiligen Verfügung durch Herrn Schmidt-Salomon ein Satz aus dem Ursprungstext nachträglich gestrichen. - Anmerkung des Verfassers]

Schmidt-Salomon und seine Giordano-Bruno-Stiftung sind ein Netzwerk fundamentalistischer Atheisten, die sich das Deckmäntelchen einer "Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, die sich am Leitbild des evolutionären Humanismus orientiert" umhängen. Zur Erklärung: Atheisten glauben, dass es keinen Gott gibt. Im Gegensatz zu Theisten, die glauben, dass es einen Gott oder mehrere Götter gibt. Beide behaupten, "die Vernunft" vertreten und definieren zu können. Und beide streiten sich um etwas, was sie glauben, aber nicht beweisen können.

Wissenschaft geht anders. Ein Behinderter, der britische Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking (der nach Singers Weltanschauung des Lebens nicht wert ist), hat ein Theoriemodell entwickelt, wonach die Welt trotz des Urknalls vor 13,8 Milliarden Jahren ohne einen Erstanstoßer oder Schöpfer entstanden sein könnte. Voraussetzung dafür, so Hawking, sei allerdings, dass das Nichts im Anfang "geflackert" habe. Mit anderen Worten: Im Anfang hätte ein rein quantenphysikalischer Zustand herrschen müssen. Ein Schöpfungsimpuls oder die Götter wären dann aus dem Rennen. Mathematisch jedenfalls. Hawking räumt jedoch ein, dass dieses Theoriemodell leider prinzipiell nicht beweisbar ist. Das Dilemma bleibt: Gott oder kein Gott kann nicht bewiesen werden.

Für Singer ist das kein Problem. Sein Problem ist, dass Stephen Hawking lebt.

Giordano Bruno, dessen Name von der Giordano-Bruno-Stiftung für eine Tötungsidelogie geschändet und missbraucht wird, wurde von der Inquisition der Ketzerei und Magie für schuldig befunden und am 17. Februar 1600 in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er lebte und starb für die Werte von Humanismus und Aufklärung. In seinem Namen die Tötung behinderter Menschen zur Disposition zu stellen, ist eine Schande.

"In jedem Menschen, in jedem Individuum betrachtet sich eine Welt, ein Universum."
"Jeder Organismus ist ein Abbild des Weltorganismus."

Dialoge aus
De la causa, principio, et uno
Von der Ursache, dem Princip und dem Einen
Giordano Bruno (italienischer Priester, Dichter und Philosoph) 1548 - 1600

Unser Respekt muss jedem Leben gelten. Everybody is perfect!

Protestkundgebung "Kein Forum für Peter Singer"
Dienstag, 26. Mai ab 17 Uhr
Berlin, Kleiststraße, An der Urania

 

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