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Gesundes Arbeiten bis zur Rente muss Vorrang vor höheren Altersgrenzen haben

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Foto: VdK Deutschland

BERLIN (kobinet)

Am 28. Oktober 2026 hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den ausführlichen Bericht seiner Rentenkommission veröffentlicht. Mit ihren Empfehlungen setzt die Kommission einen Kontrapunkt zur aktuellen Debatte um höhere Altersgrenzen. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland und Mitglied der Kommission, widerspricht der geplanten Politik der Bundesregierung. Diese arbeitet daran, den frühestmöglichen Rentenbeginn von 63 auf 64 Jahre anzuheben, die Rente für besonders langjährig Versicherte abzuschaffen und die Regelaltersgrenze sowie die Rente wegen Schwerbehinderung an die Lebenserwartung zu koppeln.

"Das Argument, dass die steigende Lebenserwartung höhere Altersgrenzen erzwingt, löst sich schnell in Luft auf, wenn man sich die gesunden Lebensjahre anschaut, die man in Rente verbringt: Denn diese werden in Deutschland immer weniger statt mehr", sagte Bentele. Statt ältere Beschäftigte heute und künftige Generationen mit höheren Altersgrenzen oder höheren Abschlägen zu konfrontieren, habe die Kommission die zukunftsweisende Frage beantwortet: "Wie schaffen wir es, dass Menschen bis zuletzt gesund und zufrieden arbeiten können?"

Handlungsbedarf sieht der VdK vor allem bei den Arbeitgebern. Gesundheitsprävention im Betrieb, psychische Gefährdungsbeurteilungen, altersgerechte Arbeitsplätze und Arbeitszeitmodelle sowie altersspezifische Weiterbildungsangebote seien in der betrieblichen Realität stark unterentwickelt, auch Betriebsärzte seien kaum aktiv, kritisierte Bentele. "Statt lautstark die Rente mit 70 zu fordern, sollten die Arbeitgeber in ihren Personalabteilungen Modelle entwickeln, wie ältere Beschäftigte gut bis zur Rente arbeiten können. Entlassungen und Abfindungen für diese Generation dürfen nicht länger das wichtigste Instrument sein. Wenn wir den demografischen Wandel und alternde Belegschaften nicht als Last, sondern als Chance begreifen wollen, muss damit Schluss sein."

Der VdK empfiehlt der Regierungskoalition, die Empfehlungen der DGB-Rentenkommission ernsthaft in ihre Überlegungen einzubeziehen. Wenn die Bundesregierung längeres Arbeiten ermöglichen und nicht erzwingen wolle, müsse sie
- sich flächendeckend für frühzeitige, wohnortnahe und leicht zugängliche Reha-Angebote einsetzen,
- Gesundheitsversorgung, Arbeitsförderung sowie medizinische und berufliche Rehabilitation besser verzahnen,
- das Betriebliche Eingliederungsmanagement verpflichtend machen,
- den Reha-Deckel in der Rentenversicherung abschaffen.

Laut Daten des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) ist die Lebenserwartung ab 65 Jahren in Deutschland zwischen 2015 und 2024 kaum gestiegen. Die gesunden Lebensjahre sind dagegen um 3,3 Jahre auf nur noch 8,6 Jahre gesunken. In der EU ist die Entwicklung gegenläufig: Dort stieg der Wert auf 10,3 Jahre, in Schweden und Norwegen liegt er sogar bei 14 Jahren. Während die EU also gesünder altert, verlieren ältere Menschen in Deutschland gesunde Lebensjahre. Besonders betroffen sind Frauen: Sie leben ab 65 zwar länger als Männer, verbringen aber deutlich mehr Jahre mit eingeschränkter Gesundheit (12,4 gegenüber 10,1 Jahren).

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