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Erlangen (kobinet)
Am 8. März 2026 wurde Ina Fischer, die sich beim Erlanger Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen u.a. für Inklusion und die Rechte behinderter Menschen einsetzt, bei den Kommunalwahlen in den Stadtrat von Erlangen gewählt. Wie sich die blinde Aktivistin für Inklusion auf diese neue Aufgabe vorbereitet hat, für welche Bereiche sie nun für ihre Fraktion zuständig ist und welche Tipps sie für andere behinderte Menschen hat, die sich auch politisch engagieren wollen, dazu führte kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul das folgende Interview mit Ina Fischer.
kobinet-nachrichten: Der 8. März 2026 war für Sie ein wichtiger Tag, denn an diesem Tag wurden Sie bei den Kommunalwahlen in den Stadtrat von Erlangen gewählt. Wie war das damals für Sie und wann ging es dann so richtig mit der Arbeit im Stadtrat los?
Ina Fischer: Das war für mich in der Tat sehr aufregend, da ich bis dahin noch keinerlei Erfahrung mit politischer Arbeit hatte. Ich habe auf Platz fünf der Grünen/Grünen-Liste kandidiert und alle sind davon ausgegangen, dass ich sicher in den Stadtrat komme. Ich selbst war noch etwas skeptisch, war dann aber final tatsächlich im Stadtrat. Da die Vereidigung erst am 12.05. war und an diesem Tag auch die konstituierende Sitzung stattfand, war es vom 8. März bis zum 12. Mai hauptsächlich Organisation. Für mich hieß es, meine Assistenz zu organisieren, mich mit der Systematik der Onlineplattform des städtischen Ratssystems vertraut zu machen und mich mit meiner Fraktion zu einigen, wer welche Funktion bzw. Ausschuss usw. übernimmt.
kobinet-nachrichten: Wie gestaltete sich für Sie dann der Einstieg in die konkrete Arbeit des Stadtrates und für welche Themen sind Sie in Ihrer Fraktion und im Stadtrat zuständig?
Ina Fischer: Seit dem 12. Mai sind wir jetzt als StadträtInnen aktiv und die Arbeit nimmt langsam Fahrt auf. Die ersten Ausschusssitzungen, die ersten Beschlüsse und die ersten Gespräche rund um die Stadtratsarbeit haben stattgefunden. Und natürlich gibt es wöchentliche Absprachen innerhalb der Fraktion. In Anlehnung an meine Tätigkeit für das ZSL und meine sonstigen Erfahrungen bzw. aufgrund meines Lebensmittelpunktes habe ich folgende Rollen im Stadtrat:
StellvertretendeFraktionsvorsitzende der Grünen/Grüne Liste
Sprecherin für Sport, Senior:innen; Vielfalt und Teilhabe. Sprecherin gegen Ausgrenzung und antidemokratische Strömungen. Ich bin Mitglied im Ältestenrat, Sportausschuss, Sozial- u. Gesundheitsausschuss, Senior*innenbeirat, Aufsichtsrat GEWOBAU
Betreuungsstadträtin für den Stadtteilbeirat Innenstadt
Außerdem haben mittlerweile drei Stadtratssitzungen stattgefunden.
Anfangs mussten sehr viele Absprachen, sowohl innerhalb der Fraktion, in den Teams für die einzelnen Ausschüsse aber auch mit meiner Assistentin getroffen werden. Das Ratssystem stellte sich als nicht ganz barrierefrei heraus, sodass wir einen Modus finden mussten, wie ich immer rechtzeitig alle Infos zugänglich bekomme. Eine große Hilfe war, neben der Assistenz auch die Tatsache, dass wir als Stadträte alle ein I-Pad bekommen haben über das wir viele Unterlagen auch per Mail erhalten. Aber dennoch gibt es immer wieder Situationen bei denen ich auf die Verwaltung zugehen muss, um Dokumente in einem anderen Format zu bekommen. An manchen Stellen ist es einfach nicht sinnvoll, für einen kurzen Tagesordnungspunkt meine Assistentin mehrere Stunden ein Dokument barrierefrei machen zu lassen oder mir unendlich viele Seiten vorlesen zu lassen, wenn die Verwaltung das Original als Worddokument hat und ich dann das Ganze so mit dem Screenreader schnell überfliegen kann.
kobinet-nachrichten: Nun stehen bald die ersten Sommerferien an, während denen auch die Stadtratsarbeit ruhiger verläuft. Wie ist Ihre Bilanz nach den ersten Monaten als Stadträtin und gab es schon erste Highlights für Sie?
Bisher gab es viel Neues zu entdecken und eine – noch ungewohnte – Arbeitsweise zu erlernen. Auch die Koordination zwischen der ZSL- und der Stadtratsarbeit und natürlich auch die familiären Interessen mussten koordiniert werden.
Ein Highlight war die Verabschiedung der neuen Sportförderrichtlinien der Stadt, in der Barrierefreiheit und Inklusion mit aufgenommen wurden. Die Teilhabe für alle ist zukünftig ein Hauptbestandteil der Sportförderung, sodass die Vereine vor Ort jetzt einfacher Inklusion und gemeinsamen Sport voranbringen können. Das ist ein großer Erfolg.
Ein weiterer Höhepunkt war der Perspektivwechsel mit meiner Fraktion. Ich habe meine FraktionskollegInnen 3 Stunden in meinen Lebensalltag mitgenommen, in dem ich mit allen unter der Augenbinde einen Stadtspaziergang und ein Abendessen gemacht habe. So wurden viele Fragen geklärt und es gab viel Verständnis für meine Bedarfe als blindes Fraktionsmitglied.
kobinet-nachrichten: Sie sind seit vielen Jahren in Erlangen schon in Sachen Inklusion aktiv. Gibt es da in der Stadtratsarbeit für Sie Anknüpfungspunkte?
Ina Fischer: Die Synergien zwischen der ZSL- und der Stadtratsarbeit sind sehr groß. Viele Themen, die ich seit Jahren über das ZSL bearbeite und verfolge kann ich jetzt weiter gestalten bzw. jetzt über einen anderen Hebel voranbringen. Wir haben hier eine gute Grundlage für Menschen mit Behinderung, die jetzt gefestigt werden muss und die Bereiche, für die Inklusion noch nicht selbstverständlich sind, werde ich jetzt hoffentlich über den Stadtrat erreichen können.
kobinet-nachrichten: Haben Sie nach Ihren ersten Erfahrungen Tipps für andere behinderte Menschen, die sich verstärkt in die Kommunalpolitik einmischen wollen?
Ina Fischer: Wie immer in unserem Bereich hängt sehr viel von den Menschen ab. Wir brauchen Unterstützer und das ist der erste Tipp. Man sollte sich eine Partei/Fraktion oder Gruppierung suchen, die offen für die Themen von Menschen mit Behinderung sind. Dann empfiehlt es sich, einmal ein paar Sitzungen und die sonstige Arbeit der lokalen Politik zu besuchen, um ein Gefühl für den gegenseitigen Umgang und für die Art und Weise der Zusammenarbeit zu bekommen. Viele Sitzungen sind auch öffentlich zugänglich, sodass man sich hier ein Bild machen kann. Auch ist es wichtig, Assistenzbedarfe und die Ausstattung, die man benötigt, sehr klar zu formulieren und - sollte man ein Mandat anstreben – möglichst früh mit der Verwaltung ins Gespräch zu gehen. Bedarfe sollten aus meiner Sicht im Vorfeld geklärt werden, um gleich mit Einsteigen zu können. Wichtig ist auch, sich immer gleich zu melden, wenn man auf eine Barriere stößt. Die meisten politisch Aktiven wissen wenig über unsere Bedarfe und nur gemeinsam kann man dann Lösungen finden.
Ansonsten gibt es in vielen Kommunen auch Behindertenbeiräte, die als Einstieg, ohne dass man sich gleich einer Partei o. Ä. anschließen muss, gut geeignet sind.
kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.





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