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Krüppel die kämpfen, sind Krüppe die leben: Protestaktionen gegen Kürzungen und für Barrierefreiheit

Abseilaktion gegen Kürzungen und für Barrierefreiheit mit Rollstuhl in Berlin mit Transparent
Abseilaktion gegen Kürzungen und für Barrierefreiheit mit Rollstuhl in Berlin mit Transparent
Foto: Fight Ableismus

Berlin (kobinet) "Krüppel die kämpfen, sind Krüppel die leben". So steht es auf einem Transparent, das Aktivist*innen, die sich von einer Brücke im Berliner Regierungsviertel mit ihren Rollstühlen abgeseilt haben, bei ihrer Protestaktion am 8. Juli 2026 aufgehängt haben. "Rollstuhl-Kletteraktion in Berlin am 8.7.2026 gegen die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) und weiteren Kürzungsplänen!" heißt es dementsprechend auf der Internetseite von Fight Ableismus mit Informationen und Bildern von der Aktion, die in der letzten Sitzungswoche des Bundestages vor der Sommerpause durchgeführt wurde. Am 9. Juli 2026 wurde dann von der Gruppe für direkte Aktion gegen Barrieren eine Meldung mit der Überschrift "Das Willy-Brandt-Haus in Berlin ist besetzt – Aktionsgruppe von beHinderten und nicht-beHinderten Aktivist:innen widersetzt sich der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) und weiteren Kürzungsplänen" auf deren Internetseite und in den sozialen Medien verbreitet. Diese Aktionen machen den Ärger vieler behinderter Menschen über den schlechten Gesetzentwurf zum Behindertengleichstellungsgesetz und über die unsäglichen Kürzungsdiskussionen auf dem Rücken der Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter Menschen deutlich.

Bereits am Tag vor der Anhörung zum Behindertengleichstellungsgesetz im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales am 22. Juni 2026 hatte die Gruppe Fight Ableismus den Tag der offenen Tür der Bundesregierung genutzt, um gegen die geplanten schlechten Regelungen zur Barrierefreiheit zu protestieren. Sie hatten für Stunden das Bundeswirtschaftsministerium, begleitet von einer Mahnwache vor dem Gebäude, besetzt und wurden erst spät in der Nacht aus dem Ministerium gedrängt.

„Krüppel die kämpfen sind Krüppel die leben‘ war an der Gustav-Heinemann Brücke zwischen Hauptbahnhof und Regierungsviertel in Berlin auf einem großen Banner zu lesen. Aktivistinnen mit und ohne Behinderungen demonstrierten gegen behindertenfeindliche Gesetze. 6 Aktivistinnnen bekletterten die Brücke, 3 von ihnen kletterten in ihrem Rollstuhl sitzend. Die Aktivist*innen haben bewusst das Wort ‚Krüppel‘ gewählt. Eine provokative empowernde Selbstbeszeichnung. In Anlehnung an die Krüppelbeweung der 80er Jahre“, heißt es auf der Internetseite Fight Ableismus zur Aktion am 8. Juli 2026.

In der Erklärung der Gruppe heißt es u.a. zu den Forderungen:

„Keine Kürzungen auf dem Rücken von beHinderten und anderen marginalisierten Menschen. Barrierefreiheit verpflichtend jetzt und das neue verschlechterte BGG verwerfen! Selbstbestimmtes Leben für alle. Finger weg von der Eingliederungshilfe!“

Zur Aktion an der Parteizentrale der SPD vom 9. Juli 2026 heißt es auf der Internetseite von Fight Ableismus: „Aktivist*innen haben am 9. Juli 2026 die SPD Parteizentrale in Berlin besetzt. Der Protest richtete sich gegen behindertenfeindliche Gesetze, die die SPD in der Koalition mitträgt. Der ‚Ideengeber‘ der SPD sprach mit den Besetzer*innen. Sinngemäß erzählte er, die SPD stehe auf der Seite behinderter Menschen (??). Die Aktivist*innen würden ihren Protest am falschen Ort austragen, hier würde man nur verwalten, die Politik finde im Bundestag statt. Die Aktivist*innen forderten, die Abgordneten sollen vom Bundestag rüber kommen, statt behindertenfeindliche anti-soziale Gesetze zu verabschieden. Die Antwort war die Beauftragung der Polizei mit der Räumung der Aktivist*innen am Abend. Vor dem Gebäude fand eine Soli-Mahnwache statt. Diese erhielt viel Zuspruch von Passant*innen.“

Das Behindertengleichstellungsgesetz sollte ursprünglich schon im Mai 2026 vom Bundestag verabschiedet werden. Nach diversen Verzögerungen soll es nun wohl abschließend nach der Sommerpause des Bundestages, also wahrscheinlich im September 2026 beraten und beschlossen werden. Welche Änderungen es am vorliegenden, von vielen scharf kritisierten Gesetzentwurf der Bundesregierung, noch geben wird, das steht noch in den Sternen. Deshalb ist es nach Ansicht vieler Aktiver wichtig, den Druck und die Proteste bis zum Schluss aufrecht zu erhalten.

Link zur Internetseite von Fight Ableismus mit weiteren Informationen und Berichten von Protestaktionen 

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