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Aktion Mensch-Studie: Künstliche Intelligenz kann Teilhabe stärken – wenn sie inklusiv gestaltet wird

Ausschnitt einer Computertastatur
Tastatur
Foto: H.T.

Bonn (kobinet) Künstliche Intelligenz bietet vielfältige Chancen für eine bessere digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderung – vorausgesetzt, sie ist barrierefrei und inklusiv gestaltet. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Nutzung und Wahrnehmung von KI-Anwendungen, die die Aktion Mensch anlässlich des bundesweiten Digitaltags am 26. Juni 2026 veröffentlicht. Gleichzeitig offenbaren die Ergebnisse eine zentrale Ungleichheit: Viele Menschen mit Behinderung haben bislang keinen gleichberechtigten Zugang zu den Potenzialen von KI. Die Aktion Mensch warnt daher, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung vom digitalen Fortschritt ausgeschlossen bleibt – und sich bestehende strukturelle Ungleichheiten weiter verschärfen.

Inklusives Potenzial von KI 

Knapp drei Viertel (73 Prozent) der KI-Nutzer*innen unter den befragten Menschen mit Behinderung greifen regelmäßig auf Anwendungen wie ChatGPT, Siri oder Alexa zurück. Rund ein Drittel setzt KI gezielt ein, um Kommunikation zu erleichtern – etwa durch Übersetzungen, Untertitel oder Vorlesefunktionen. Vier von zehn Nutzer*innen geben gar an, dank KI ihren Alltag besser organisieren zu können (41 Prozent) oder unabhängiger zu leben (40 Prozent). Dabei unterstützt KI Menschen mit Behinderung auf vielfältige Weise, von Smart-Home-Anwendungen zur Lichtsteuerung über Hilfe beim Einkaufen bis hin zu Funktionen als Ratgeber oder Gesprächspartner.

Am häufigsten kommen KI-Anwendungen bei Wissensfragen zum Einsatz (73 Prozent), gefolgt von Ratschlägen (48 Prozent) oder bei kreativen Tätigkeiten wie dem Erstellen von Bildern (37 Prozent). „KI entfaltet ihr Potenzial vor allem dort, wo sie spürbare und konkrete Mehrwerte im Alltag bietet“, ordnet Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch, die Studienergebnisse ein. „Von diesen Möglichkeiten profitieren jedoch längst nicht alle gleichermaßen. Die Ergebnisse zeigen vielmehr, dass die Nutzung von KI unter Menschen mit Behinderung noch stark ungleich verteilt ist.“

Unsicherheiten, Barrieren und Skepsis verhindern die Nutzung

Die ungleiche digitale Teilhabe hat zur Konsequenz, dass 25 Prozent der Menschen mit Behinderung noch keine eigenen Erfahrungen mit der Nutzung von KI-Anwendungen gemacht haben. Entsprechend schätzen unter ihnen im Durchschnitt weniger als 10 Prozent verschiedene KI-Anwendungen als nützlich ein. Eine grundsätzliche Offenheit wird häufig von Ängsten vor der Technologie oder von Sorgen vor Kontrollverlust überlagert. Unter den Nicht-Nutzer*innen sieht zudem fast jede*r Dritte (28 Prozent) in mangelnder Barrierefreiheit ein zentrales Nutzungshindernis.

Aktion Mensch warnt vor Verschärfung der digitalen Kluft

Die Studie der Sozialorganisation zeigt auch: Menschen mit Behinderung haben klare Erwartungen an KI-Anwendungen. Besonders wichtig sind ihnen mehr Transparenz bei Quellen (90 Prozent) sowie diskriminierungsfreie und barrierefreie Systeme (87 Prozent). Darüber hinaus fordern viele Befragte mehr Beteiligung an Entwicklungsprozessen (85 Prozent) sowie bessere Unterstützung im Umgang mit KI-Technologien (72 Prozent). „Richtig eingesetzt, kann KI ein wichtiger Treiber für mehr Inklusion und Teilhabe sein“, betont Christina Marx. „Dafür müssen die Bedarfe von Menschen mit Behinderung von Anfang an berücksichtigt werden. Ohne gezielte Maßnahmen droht die digitale Kluft weiter zu wachsen – zwischen denen, die KI nutzen können, und denen, die keinen Zugang haben. Kurz gesagt: Wer von den Möglichkeiten der KI ausgeschlossen bleibt, läuft Gefahr, im digitalen und gesellschaftlichen Leben zunehmend abgehängt zu werden.“

Appell an Politik und Wirtschaft

Anlässlich des Digitaltags appelliert die Aktion Mensch deshalb an Entscheider*innen aus Politik und Wirtschaft, Inklusion und Barrierefreiheit verbindlich in der Entwicklung und dem Einsatz von KI zu verankern. Gleichzeitig gilt es, den Zugang zu KI-Technologien durch barrierefreie Bildungs- und Unterstützungsangebote gezielt zu stärken. Zudem braucht es Prüfmechanismen, um Diskriminierung durch KI-Anwendungen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.*

Zusatzinformationen 

  • Für die Studie „Digitale Teilhabe und Künstliche Intelligenz – Erfahrungen, Einstellungen und Erwartungen von Menschen mit Beeinträchtigung“ hat die Aktion Mensch gemeinsam mit dem Sozialforschungsinstitut Ipsos in der Zeit vom 02.12.2025 bis zum 05.12.2025 bundesweit 574 Menschen mit Beeinträchtigung online befragt. Beteiligt haben sich die Mitglieder der sogenannten Teilhabe-Community, dem ersten Umfrage-Panel im deutschsprachigen Raum, das ausschließlich aus Menschen mit Beeinträchtigung besteht. Weitere Informationen zur Teilhabe-Community: www.aktion-mensch.de/teilhabe-community. 
  • Die vollständige Studie gibt’s unter www.aktion-mensch.de/ki-studie. 
  • *Die von der Aktion Mensch gemeinsam mit der Hochschule Bielefeld entwickelte KI-Anwendung ABLE ermöglicht bereits eine Prüfung von KI-Chatbots auf diskriminierende Sprache und Verständlichkeit. Weitere Informationen zu ABLE: www.aktion-mensch.de/kuenstliche-intelligenz-und-inklusion/able.

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