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Das Saarländische Sommermärchen, aber jetzt nicht nachlässig werden!

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Nico Mindermann
Nico Mindermann
Foto: privat

Saarbrücken (kobinet) Die Nationalen Spiele von Special Olympics Deutschland im Saarland und in Forbach sind nun beendet und waren für Nico Mindermann ein großer Erfolg. Sie zeigen seiner Meinung nach, wie ein Sportgroßereignis tatsächlich einen wichtigen Beitrag zu mehr Inklusion leisten kann, wie aus seinem Kommentar für die kobinet-nachrichten hervorgeht. Nico Mindermann mahnt allerdings, dass man nun in Sachen Inklusion nicht nachlassen dürfe. Und eine neu beschlossende Förderschulverordnung für das Saarland erreiche gerade das Gegenteil.

Das Saarländische Sommermärchen, aber jetzt nicht nachlässig werden!

Kommentar von Nico Mindermann

Die Nationalen Spiele von Special Olympics Deutschland im Saarland und in Forbach sind nun beendet und sie waren ein großer Erfolg. Obwohl ich weiß, dass Special Olympics Deutschland wertvolle Arbeit leistet, habe ich lange kritisch auf die Bewegung geschaut. Schließlich bedeutet die Tatsache, dass Menschen mit sogenannten geistigen Behinderungen Sport treiben, noch nicht automatisch, dass Inklusion wirklich gelebt wird. Nicht überall, wo Inklusion draufsteht, ist auch Inklusion drin.

Die Nationalen Spiele im Saarland zeigen jedoch, wie ein Sportgroßereignis tatsächlich einen wichtigen Beitrag zu mehr Inklusion leisten kann. Vor allem sind die Spiele sichtbar! In Saarbrücken fahren mehrere Linienbusse mit großem Special-Olympics-Aufdruck durch die Stadt. In der Fußgängerzone zählte in den vergangenen Monaten ein großer Countdown die Tage bis zur Eröffnung herunter. Während der Wettkämpfe brachten Shuttlebusse die Zuschauer*innen zu den Sportstätten, und jeden Abend gab es in Saarbrücken ein vielfältiges Kultur- und Rahmenprogramm. Zudem wurde die Fackel in öffentlichkeitswirksamen Aktionen durch das gesamte Saarland getragen.

Besonders freue ich mich darüber, dass die Eröffnungsfeier ein ganzes Fußballstadion füllt und rund 16.000 Menschen gemeinsam die Athlet*innen feierten. Auch die mediale Präsenz ist bemerkenswert  Die Feier wurde live im Saarländischen Rundfunk, im Hessischen Rundfunk und auf Sky übertragen und auch Wettkämpfe wurden live gezeigt. Außerdem nahmen Sportler*innen aus vielen Ländern der Welt teil. Durch die Unified-Partner-Programme wurden echte Begegnungen geschaffen, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam trainierten, antraten und Sport erlebten. Genau das macht Inklusion aus: Sichtbar sein, selbstverständlich dazugehören und gemeinsam Erlebnisse schaffen, die Menschen verbinden.

Ich bim so begeistert, dass es dem Saarland gelungen ist, hier ein Event auf die Beine zu stellen, das mitten in der Gesellschaft ankommt und von dem Menschen erfahren können, die überhaupt nichts mit dem Thema zu tun haben!

Der Saarländische Minister für Inneres und Sport Reinhold Jost (SPD) sprach in den letzten Tagen häufig vom „Saarländischen Sommermärchen“. Das Wort „Sommermärchen“ hat vor 20 Jahren bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland den damals 11jährigen Nico euphorisiert und begeistert. Während der Fußball aktuell bei mir kaum Euphorie versprüht, kommen bei den Special Olympics auch für mich Sommermärchen-Vibes auf, aber der Einsatz für wirkliche Inklusion ist nicht beendet, sobald das olympische Feuer erloschen ist. Es muss immer weitergehen und es gibt keinen Grund, sich lange stolz wegen der erfolgreichen Austragung der Special Olympics zurückzulehnen.

Warnend hebe ich den Zeigefinger vor allem vor dem Hintergrund, dass im Saarland im Schatten der hervorragenden Special Olympics diese Woche heimlich, still und leise eine neue Förderschulverordnung ab dem 1. 8. 2026 auf den Weg gebracht wurde. Die Rede war von einer „Modernisierung der Förderschulen“. Dabei werden die Umstände, dass Schüler*innen mit unterschiedlichen Förderbedarfen jetzt gemeinsam unterrichtet werden sollen und dsss man dann an mehr Förderschulen einen mittleren Schulabschluss ablegen kann, als scheinbare Erfolge verkauft.

Meiner Meinung nach ist dies eine große Mogelpackung. Die Modernisierung aussondernden Strukturen, also den Förderschulen, bedeutet in meinem Augen, eine gefährliche Stärkung des exkludierenden Systems.

Für mich ist das keine Inklusion.

Ich bin davon überzeugt, dass der beste Ort, um einen mittleren Schulabschluss zu machen, die allgemeine Schule (Regelschule) ist.

Deswegen ist aktuell besonders wichtig, dass verantwortliche Akteur*innen sich nicht auf den Lorbeeren für die Special Olympics ausruhen, sondern sich nachhaltig und ernst für wirkliche Inklusion einsetzen. Mit dieser neuen Förderschulverordnung wird dies nicht funktionieren.

Link zum Bericht der tagesschau, auf den der Autor bezug nimmt

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