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Aphasie braucht Sichtbarkeit

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Foto: ht

Recklinghausen (kobinet) In Deutschland leben rund 275.000 Menschen mit Aphasie – doppelt so viele wie Gehörlose. Und doch gibt es bislang kein eigenes Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis, keine gesetzliche Regelung für Kommunikationsbarrieren, keine politische Lobby. Dies teilte Samira Klaho, Dipl. Sozialpädagogin, Kunsttherapeutin, Regisseurin und Aktivistin aus Recklinghausen, die seit 2004 mit Aphasie nach einer Hirnblutung und einem Schlaganfall lebt, den kobinet-nachrichten in einer Presseinformation mit.

Was Aphasie von anderen Behinderungen unterscheidet:

„Aphasie ist unsichtbar. Betroffene verlieren durch eine Hirnschädigung die Fähigkeit zu sprechen, zu lesen oder zu schreiben – aber nicht, ihre Intelligenz und nicht ihr Denken. Trotzdem werden sie täglich dafür gehalten, als könnten sie nicht denken. Sie müssen sich überall erklären: bei Behörden, in Arztpraxen, im Alltag. Was viele nicht wissen: Ärzte, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten – selbst Fachpersonal in der Neurologie – lernen Aphasie in der Ausbildung kaum oder gar nicht. Das bedeutet: Betroffene stoßen überall auf Unverständnis, auch dort, wo sie eigentlich Unterstützung bekommen sollten. Dazu kommt: Eine Praxis, die als „barrierefrei“ gilt, ist es für Menschen mit Aphasie nicht. Barrierefreiheit bedeutet für uns: Termine per E-Mail statt nur per Telefon, schriftliche Informationen statt mündlicher Ansagen, sensibilisiertes Personal. Das existiert so gut wie nirgends“, schreibt Samira Klaho.

Was gefordert wird:

Samira Klaho fordert die Einführung des Merkzeichens „Ap“ im Schwerbehindertenausweis. Dieses Merkzeichen würde ihrer Ansicht nach:

  • die besondere Situation von Menschen mit Aphasie offiziell sichtbar machen
  • den Assistenzbedarf bei Behördengängen und Anträgen anerkennen
  • den Zugang zu Nachteilsausgleichen erleichtern
  • die Beweislast für Betroffene verringern

Derzeit verweisen Ministerien nach Informationen von Samira Klaho auf Verbände, Verbände auf politische Entscheidungsträger. Betroffene fallen durch das Raster. Samira Klaho hat einen konkreten Entwurf erarbeitet und reicht ihn noch in diesem Jahr beim Deutschen Bundestag ein.

Film als Angebot zur Aufklärung:

Samira Klaho hat 2025 den Dokumentarfilm „Die verlorene Sprache“ fertiggestellt – den nach ihren Informationen weltweit ersten künstlerisch-dokumentarischen Film über Aphasie, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Der Film liegt nicht in einer Schublade. Er ist ein Werkzeug zur Aufklärung, das aktiv eingesetzt werden soll. Samira Klaho bietet moderierte Filmvorführungen an, gezielt für medizinisches Fachpersonal, Pflegekräfte, Therapeutinnen, Psycholog*innen und alle, die mit betroffenen Menschen arbeiten. Im Anschluss findet jeweils eine moderierte Gesprächsrunde statt. Außerdem hat sie 2023 eine kostenlose Aphasie-Selbsthilfegruppe in Recklinghausen gegründet sowie das Fotoprojekt „Schlagseite“ (15 Aphasiker in NRW) realisiert.

Links

Website: www.samira-klaho.de