Staufen (kobinet)
Alexander Kluge ist gestorben.
Er wurde 94 Jahre alt.
Er war Schrift-Steller und Film-Macher.
Er hat viele Geschichten über den Krieg erzählt.
Seine Geschichten zeigen, was Menschen im Krieg erleben.
Vor wenigen Tagen sprach er über seinen Freund Jürgen Habermas.
Jürgen Habermas ist ebenfalls gestorben.
Alexander Kluge erinnerte an ihn in der Zeitung DIE ZEIT.
Mit Geschichten-Erzählen den Krieg bezwingen
Geschichten-Erzählen nennt man auch Story-telling.
Man erzählt anderen Menschen eine Geschichte.
Damit kann man etwas erklären oder verändern.
Ein Kriegs-Dämon steht in Geschichten für Krieg und Gewalt.
Kann man Krieg durch Erzählen stoppen?
Das klingt zuerst seltsam.
Aber Alexander Kluge glaubt daran.
Er hat das in der Zeitung DIE ZEIT beschrieben.
Krieg läuft heute sehr viel über das Internet.
Menschen steuern zum Beispiel Drohnen am Computer.
Eine Drohne ist ein Flug-Gerät ohne Pilot.
Kluge sagt: Geschichten können den Krieg schwächen.
Krieg beginnt klein.
Dann zieht er immer mehr Menschen hinein.
Das macht ihn schlimmer und länger.
Das nennt Kluge die Dialektik des Krieges.
Dialektik bedeutet: Dinge beeinflussen sich gegenseitig.
Der Krieg wird stärker, weil immer mehr mitmachen.
Auch wer den Krieg aus guten Gründen unterstützt, wird Teil davon.
Das gilt auch für Länder, die Freiheit verteidigen.
Demokratie bedeutet: Das Volk entscheidet über wichtige Dinge.
Auch diese Länder werden in den Krieg hineingezogen.
Man will Gutes tun und gerät trotzdem in den Krieg.
Hier ist ein Link zu einem Gespräch mit Alexander Kluge.
Das Gespräch erschien in der Zeitung DIE ZEIT.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Der Multi-Media-Jongleur Alexander Kluge ist tot. Mit 94 Jahren seinem Freund Jürgen Habermas gleichsam hinterher gestorben, an den er noch vor wenigen Tagen im ZEIT-Gespräch erinnert hat (Feuilleton-Spezial zum Tod von Habermas). – "Kluge und Krieg", so ließe sich ein eigentümliches und ganz einzigartiges Erzähluniversum überschreiben. In welchem der Geschichtenerzähler Kluge mit seinem sich endlos fortspinnenden Fabuliernetz die je individuelle, subjektiven Erfahrungen der Menschen im Krieg birgt und vor dem namenlosen Vergessen bewahrt. Wer sich mit Kluge und einem ebenso kühlen Blick wie er in die Labyrinthe des Kriegs begibt und dessen unterirdische, von Tod und Verderben kündenden Verliese durchstreift, steht hernach der Ignoranz und der Hybris heutiger "Masters of War" einmal mehr fassungslos gegenüber. – Hier nochmals der im vergangenen Jahr auf kobinet erschienener Beitrag von Alexander Kluge.
Mit Erzählen, Storytelling, den Kriegsdämon bezähmen
Willis Blick nimmt einen skeptischen Ausdruck an. Klar, nichts sollte unversucht bleiben, der Menschheitsgeisel Krieg den Stecker zu ziehen.
Die Metapher passt, Krieg heute ist vor allem eine elektronische Veranstaltung. Ihr mittels Erzählen den Saft abdrehen, diese auf den ersten Blick ziemlich verrückt anmutende Idee in einem ihrer Premium-Feuilletons zu äußern, dies wird von der hiesigen Qualitätspresse nur einem Paradiesvogel wie Alexander Kluge gestattet.
Wenngleich der unbekannte kobinet-Feuilletonist Weis Kluges Ausführungen nur mit Einschränkungen zustimmen kann, so fühlt er sich doch als Autor der kriegskritischen Erzählkolumnenfolge „Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre“ in seinem erzählerischen Ehrgeiz angesprochen und bestärkt. Da mag dieser alte Weise, der Erzählschamane Kluge – mittlerweile 93 Lenze zählend –, hie und da auch gerne einmal mythisierend-mystifizierend über die Stränge schlagen. Im Kern hat er recht, Krieg erweist sich, erst einmal begonnen, als ein unkontrollierbarer Selbstläufer.
Je mehr es ihm, dem Krieg gelingt, Mitspieler in sein dämonisches Spiel hineinzuziehen und zu verstricken, desto verheerender und länger vermag er zu wüten. Zu Komplizen, der für uns alle tödlichen „Dialektik des Krieges“ (Kluge) werden auch diejenigen, die sich aus edlen Motiven und schweren Herzens zum Mitmachen entschließen, die hochgerüsteten und waffenstarrenden Verteidiger von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten. Man kann ihr Verhalten nicht anders als tragisch nennen. Doch liebe Lesende, bildet euch euer eigenes Urteil, Kluge und Weis geht es gewiss nicht um wohlfeile Likes und denkfaule, selbstdenkfaule, Follower.
Hier der Link zum Gespräch mit Alexander Kluge in der Wochenzeitung DIE ZEIT https://www.zeit.de/2025/28/alexander-kluge-frieden-krieg-regisseur?freebie=f048a790

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Der Multi-Media-Jongleur Alexander Kluge ist tot. Mit 94 Jahren seinem Freund Jürgen Habermas gleichsam hinterher gestorben, an den er noch vor wenigen Tagen im ZEIT-Gespräch erinnert hat (Feuilleton-Spezial zum Tod von Habermas). – "Kluge und Krieg", so ließe sich ein eigentümliches und ganz einzigartiges Erzähluniversum überschreiben. In welchem der Geschichtenerzähler Kluge mit seinem sich endlos fortspinnenden Fabuliernetz die je individuelle, subjektiven Erfahrungen der Menschen im Krieg birgt und vor dem namenlosen Vergessen bewahrt. Wer sich mit Kluge und einem ebenso kühlen Blick wie er in die Labyrinthe des Kriegs begibt und dessen unterirdische, von Tod und Verderben kündenden Verliese durchstreift, steht hernach der Ignoranz und der Hybris heutiger "Masters of War" einmal mehr fassungslos gegenüber. – Hier nochmals der im vergangenen Jahr auf kobinet erschienener Beitrag von Alexander Kluge.
Mit Erzählen, Storytelling, den Kriegsdämon bezähmen
Willis Blick nimmt einen skeptischen Ausdruck an. Klar, nichts sollte unversucht bleiben, der Menschheitsgeisel Krieg den Stecker zu ziehen.
Die Metapher passt, Krieg heute ist vor allem eine elektronische Veranstaltung. Ihr mittels Erzählen den Saft abdrehen, diese auf den ersten Blick ziemlich verrückt anmutende Idee in einem ihrer Premium-Feuilletons zu äußern, dies wird von der hiesigen Qualitätspresse nur einem Paradiesvogel wie Alexander Kluge gestattet.
Wenngleich der unbekannte kobinet-Feuilletonist Weis Kluges Ausführungen nur mit Einschränkungen zustimmen kann, so fühlt er sich doch als Autor der kriegskritischen Erzählkolumnenfolge „Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre“ in seinem erzählerischen Ehrgeiz angesprochen und bestärkt. Da mag dieser alte Weise, der Erzählschamane Kluge – mittlerweile 93 Lenze zählend –, hie und da auch gerne einmal mythisierend-mystifizierend über die Stränge schlagen. Im Kern hat er recht, Krieg erweist sich, erst einmal begonnen, als ein unkontrollierbarer Selbstläufer.
Je mehr es ihm, dem Krieg gelingt, Mitspieler in sein dämonisches Spiel hineinzuziehen und zu verstricken, desto verheerender und länger vermag er zu wüten. Zu Komplizen, der für uns alle tödlichen „Dialektik des Krieges“ (Kluge) werden auch diejenigen, die sich aus edlen Motiven und schweren Herzens zum Mitmachen entschließen, die hochgerüsteten und waffenstarrenden Verteidiger von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten. Man kann ihr Verhalten nicht anders als tragisch nennen. Doch liebe Lesende, bildet euch euer eigenes Urteil, Kluge und Weis geht es gewiss nicht um wohlfeile Likes und denkfaule, selbstdenkfaule, Follower.
Hier der Link zum Gespräch mit Alexander Kluge in der Wochenzeitung DIE ZEIT https://www.zeit.de/2025/28/alexander-kluge-frieden-krieg-regisseur?freebie=f048a790




