Staufen (kobinet)
Eva von Redecker ist Philosophin und Feministin.
Eine Philosophin denkt über das Leben und die Welt nach.
Feminismus bedeutet: Frauen und Männer sollen gleiche Rechte haben.
Sie sagt: Der Kapitalismus zwingt alle, immer besser zu werden.
Kapitalismus ist eine Gesellschafts-Ordnung.
Firmen mit viel Geld entscheiden viel.
Das macht Menschen zu Konkurrenten.
Das nennt sie Faschismus.
Faschismus ist eine Herrschafts-Form.
Ein Diktator bestimmt alles alleine.
Rechte Politik ist die Folge davon.
Sie kämpft für einen Umbau der Wirtschaft.
Ihre Ideen sind wichtig für die Behinderten-Politik.
Aber dort hört man ihr nicht zu.
Buch-Besprechung: Easy Beauty
Eine Buch-Besprechung ist eine Meinung über ein Buch.
Chloe Cooper-Jones ist Philosophin.
Sie hat eine Körper-Behinderung.
Sie hat ein Buch geschrieben.
Das Buch heißt Easy Beauty.
Das bedeutet auf Deutsch: Einfache Schönheit.
Das Buch handelt von ihrem Leben.
Schwierige Schönheit und einfache Schönheit
Chloe Cooper-Jones liebt Kunst und Schönheit.
Sie mag Malerei und Skulpturen.
Skulpturen sind Kunst-Werke aus Stein oder Metall.
Sie beschreibt Kunst sehr genau.
Schönheit ist ihr wichtigster Wert.
Es gibt schwierige Schönheit und einfache Schönheit.
Schwierige Schönheit muss man erst lernen.
Das braucht viel Nachdenken und Wissen.
Einfache Schönheit versteht man sofort.
Als Behinderte fühlt sie sich oft ausgeschlossen.
Die Welt behandelt sie nicht gut.
Die Welt der schwierigen Schönheit ist anders.
Dort fühlt sie sich sicher und geachtet.
Kunst schützt ihr Selbst-Bewusstsein.
Selbst-Bewusstsein bedeutet: Du magst dich selbst.
Du weißt: Ich kann etwas gut machen.
Aber es gibt ein Problem.
Ihr Körper passt nicht in diese Kunst-Welt.
Ihr Körper wird dort nicht akzeptiert.
Sie muss ihren Körper verdrängen.
Verdrängen bedeutet: Sie denkt nicht daran.
Das ist schmerzhaft.
Sie will das nicht mehr.
Sie will ihren Körper nicht mehr verstecken.
Sie sucht einen neuen Weg.
Dieser Weg heißt: Vollständige Anwesenheit.
Das bedeutet: Mit allen Sinnen im Moment sein.
Das ist die Erfahrung der einfachen Schönheit.
Auf Englisch heißt das: Easy Beauty.
2 Erlebnisse zeigen das im Buch.
Ein Rock-Konzert von Beyoncé.
Ein Tennis-Spiel mit Roger Federer.
Chloe Cooper-Jones hat über Easy Beauty gesprochen.
Das Gespräch könnt ihr im Radio hören.
Es ist auf Deutsch.

Foto: Hans-Willi Weis
Staufen (kobinet) Federführender feministischer kobinet-Kolumnist, der ich nun einmal bin, schicke ich ein Wort meiner sozialphilosophischen Kollegin und Mitfeministin Eva von Redecker vorweg. Ein Wort, das antikapitalistischen Klartext spricht und überdies ins Stammbuch der "Krüppel gegen rechts" geschrieben gehört. "Der Kapitalismus hält jede und jeden ständig dazu an, das Beste aus sich zu machen. Eine hyperindividualistische Konkurrenzgesellschaft, das erzeugt den irrwitzigen Eigentumsrausch, den ich Faschismus nenne. Die Rechten sind die toxische Schaumkrone auf der neoliberalen Welle im Klima des Anthropozän. Je mehr sich die realen Krisen verschärfen, desto aussichtsloser der Dammbau, deshalb streite ich so vehement für einen grundlegenden Umbau der Wirtschaft ..." (so von Redecker im SPIEGEL-Gespräch der letzten Februarwoche). – Eva Redeckers feministische Position einer "antikapitalistischen Revolution für das Leben" habe ich in früheren Kolumnen bereits vorgestellt. Warum wird ihre Stimme im behindertenpolitischen Aktivismus nicht aufgegriffen? Dieses Silencing finde ich megaschändlich! Darum jetzt erst recht weiter mit der Frauentagskolumne.
Frauentags-Kolumne Fortsetzung: Rezension „Easy Beauty“
Als cis-männlicher Kolumnist (die Frauen haben sich auf kobinet offenbar verkrümelt) war ich so frei und frech, eine Frauentags-Kolumne zu schreiben. In der ich das herausragende Buch der körperbehinderten Philosophin Chloe Cooper-Jones rezensiere. Hier folgt nun der zweite Teil, in dem ich nicht minder begeistert mit psychoanalytischem Blick der spannenden Lebensgeschichte der Autorin folge.
Das Non Plus Ultra: „Easy beauty“ oder im Raum totaler Präsenz
Unter den obersten paradigmatischen Ideen, an der Spitze unserer überlieferten Werte-, Tugenden- und Ideenhierarchie favorisiert die Autorin von „Easy Beauty“ die Idee der Schönheit. Die ausgesprochen poetische und atmosphärisch dichte Prosa ihrer Natur-und Landschaftsschilderungen lässt auf die eidetische Begabung eines Augenmenschen schießen. Und erklärt für mich ihre Vorliebe für die Bildende Kunst, Malerei und Skulptur (gegen Ende des Buches etwa beschreibt sie ihr ästhetisches Erleben bei der Begehung einer der monumentalen Eisen-Skulpturen des Bildhauers Richard Serra, eine ihrer exemplarischen Passagen über intuitive Selbsterkenntnis durch achtsame Kunstbegegnung). – Aufschlussreich an diesem Punkt für aufmerksame Leser*innen aus der Behinderten-Community dürfte sein, wie im Verlauf der autobiographischen Erzählung in der mit ihrer Protagonistin identischen Autorin ein Bewusstsein davon heranreift, worin für sie die besondere Anziehung des Kunstschönen liegt. Das heißt, wie sie nach und nach zu der für sie wichtigen Einsicht gelangt, dass für sie als Behinderte insbesondere diese diffizile oder „schwierige Schönheit“ – schwierig, weil deren Verständnis und Genuss intellektuell hart erarbeitet sein will – zum Rückzugsort der Wahl wird. Die Kunstsphäre, dieser Cocon der Selbstachtung, enthebt sie der sie als Behinderte diskriminierenden und exkludierenden und ergo zutiefst beleidigenden Welt, der banalen Allerweltswelt, zu der auch die „einfache Schönheit“ mit ihren „Wonnen der Gewöhnlichkeit“ (Thomas Mann) gehört. Die sie nun wiederum in einem Akt der Rache – Rache an dieser gewöhnlichen Spaß- und Unterhaltungswelt mit ihrer behindertenfeindlichen Standardästhetik – aus der „splendid isolation“ ihrer eigenen akademischen Kunst- und Ästhetikwelt verbannt und ausgeschlossen hat.
Der abstrakte Denk- oder Reflexionsraum, der „difficult beauty“, der diffizilen Schönheit und philosophischen Ästhetik, bedeutet für die Helden- oder Heldinnenreise eine wichtige Wegmarke, eine echte Fortschrittsetappe. Ihr Intellekt und ihre Wahrnehmung werden anders als im „neutralen Raum“ nicht sediert oder betäubt, sondern angeregt und geschärft. Und weil der Aufenthalt in diesem Raum eine privilegierte Erfahrung bedeutet, von welcher der Durchschnittsmensch ausgeschlossen ist, erlebt ihn eine für gewöhnlich Ausgeschlossene, da behinderte Person, als Beschützer und Stabilisator ihres Selbst, Folge einer gesunden narzisstischen Reaktionsbildung, psychoanalytisch ausgedrückt, lebensrettender Selbstliebe, schlicht gesagt. Der Haken bei der Sache ist nur, ein Teil von ihr bleibt weiterhin außen vor, von der Teilnahme am Kunstvergnügen und am Genuss des „schwierigen Schönen“ ausgeschlossen. Ihr hässlicher, normverletzender Behindertenkörper nämlich, welcher der sublimen Kunstschönheit regelrecht spottet und für den es an diesem edlen Ort weder einen Verwendungszweck noch einen Platz gibt, er stört bloß, missfällt.
Kurz, Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Der zu zahlende Preis für die Selbststabilisierung über das diffizile Schöne besteht in einer Selbstspaltung, der Abspaltung und Unterdrückung meiner eigenen unzulänglichen Körperlichkeit. Ebendies hat der Prediger des „Reinen und Unvermischten“, der philosophische Säulenheilige der Autorin, der Neuplatoniker Plotin, stets von ihr und allen anderen Adepten der überlegenen Schönheit verlangt. Ein Preis, ein Opfer, so wird Cooper-Jones an dieser Stelle ihres Entwicklungswegs bewusst, den sie nicht länger zu entrichten bereit ist. – In gedanklicher Anlehnung an Herbert Marcuse ließe sich von „repressiver Sublimierung“ sprechen, von einer „selbstunterdrückerischen Veredelung“, mittels der die im akademischen Betrieb ableistisch Beäugte und Beargwöhnte Chloe Cooper-Jones durch Profilierung in philosophischer Ästhetik und „difficult beauty“ akademische Anerkennung und Meriten zu gewinnen hofft. Der zweite Raum, der mittlere der drei Räume der „Stadien auf dem Weg“, wir erinnern uns, läge damit auch genau in der Mitte zwischen Selbsterhaltung und Selbstentfaltung. Letztere verlangt einen nochmaligen Raumwechsel, einen lebensgeschichtlichen Umzug quasi. In den das Selbst zugleich befreienden und loslassenden Raum vollkommener Präsenz, Anwesenheit mit allen Sinnen und einem wachen Geist. Exemplarisch verwirklicht im Erleben von „easy beauty“.
Keine Behinderten-Peers sind es, durch welche die Autorin schlussendlich auf die Fährte zu ihrer Easy-Beauty-Initiation gelangt. Sozial bewegt sie sich in der Dominanzgesellschaft und ihre hauptsächlichen Bekannten (auch ihr Partner, mit dem sie ein gemeinsames Kind hat) zählen nicht zur Behinderten-Community. Für mich ein bemerkenswerter Umstand, der freilich den vom Blickpunkt der üblichen behindertenpolitischen Prämissen aus paradoxen Sachverhalt erklärt, wieso gerade diese Individuation einer Behinderten glückt in Gestalt einer solitären Befreiungsbiographie diesseits von behindertenpolitischem Aktivismus, Disability-Identitätspolitik und gesellschaftlich durchgesetzter Inklusion als Ermöglichungsbedingungen. – Um denjenigen nicht die Spannung zu nehmen, die das Buch noch nicht gelesen haben, unterlasse ich den Versuch, hier auch nur einen flüchtigen Eindruck von der Easy-Beauty-Erfahrung vermitteln zu wollen. Im Buch stehen dafür zwei besonders eindrückliche Episoden, ein Rock-Konzert und ein informelles Tennismatch, verbunden mit den charismatischen Namen Beyonce und Roger Federer.
Anhang: Die Autorin zu hören im Originalton. Wie sie im Radiogespräch ihrer Erfahrung von Easy Beauty erläutert. Von „dissoziierender“ Selbsterhaltung, die sich nur wenig von Selbstauslöschung unterscheidet bis zum gegenüber liegenden Pol einer „mystischen“ Selbstentfaltung, in der sich das individuelle oder getrennte Selbst in einem All-Einheits-Erleben gleichsam auflöst („unselfing“ nach Iris Murdoch), beispielhaft illustriert an der Erfahrung totaler Präsenz bei einem Beyonce-Konzert.

Foto: Hans-Willi Weis
Staufen (kobinet) Federführender feministischer kobinet-Kolumnist, der ich nun einmal bin, schicke ich ein Wort meiner sozialphilosophischen Kollegin und Mitfeministin Eva von Redecker vorweg. Ein Wort, das antikapitalistischen Klartext spricht und überdies ins Stammbuch der "Krüppel gegen rechts" geschrieben gehört. "Der Kapitalismus hält jede und jeden ständig dazu an, das Beste aus sich zu machen. Eine hyperindividualistische Konkurrenzgesellschaft, das erzeugt den irrwitzigen Eigentumsrausch, den ich Faschismus nenne. Die Rechten sind die toxische Schaumkrone auf der neoliberalen Welle im Klima des Anthropozän. Je mehr sich die realen Krisen verschärfen, desto aussichtsloser der Dammbau, deshalb streite ich so vehement für einen grundlegenden Umbau der Wirtschaft ..." (so von Redecker im SPIEGEL-Gespräch der letzten Februarwoche). – Eva Redeckers feministische Position einer "antikapitalistischen Revolution für das Leben" habe ich in früheren Kolumnen bereits vorgestellt. Warum wird ihre Stimme im behindertenpolitischen Aktivismus nicht aufgegriffen? Dieses Silencing finde ich megaschändlich! Darum jetzt erst recht weiter mit der Frauentagskolumne.
Frauentags-Kolumne Fortsetzung: Rezension „Easy Beauty“
Als cis-männlicher Kolumnist (die Frauen haben sich auf kobinet offenbar verkrümelt) war ich so frei und frech, eine Frauentags-Kolumne zu schreiben. In der ich das herausragende Buch der körperbehinderten Philosophin Chloe Cooper-Jones rezensiere. Hier folgt nun der zweite Teil, in dem ich nicht minder begeistert mit psychoanalytischem Blick der spannenden Lebensgeschichte der Autorin folge.
Das Non Plus Ultra: „Easy beauty“ oder im Raum totaler Präsenz
Unter den obersten paradigmatischen Ideen, an der Spitze unserer überlieferten Werte-, Tugenden- und Ideenhierarchie favorisiert die Autorin von „Easy Beauty“ die Idee der Schönheit. Die ausgesprochen poetische und atmosphärisch dichte Prosa ihrer Natur-und Landschaftsschilderungen lässt auf die eidetische Begabung eines Augenmenschen schießen. Und erklärt für mich ihre Vorliebe für die Bildende Kunst, Malerei und Skulptur (gegen Ende des Buches etwa beschreibt sie ihr ästhetisches Erleben bei der Begehung einer der monumentalen Eisen-Skulpturen des Bildhauers Richard Serra, eine ihrer exemplarischen Passagen über intuitive Selbsterkenntnis durch achtsame Kunstbegegnung). – Aufschlussreich an diesem Punkt für aufmerksame Leser*innen aus der Behinderten-Community dürfte sein, wie im Verlauf der autobiographischen Erzählung in der mit ihrer Protagonistin identischen Autorin ein Bewusstsein davon heranreift, worin für sie die besondere Anziehung des Kunstschönen liegt. Das heißt, wie sie nach und nach zu der für sie wichtigen Einsicht gelangt, dass für sie als Behinderte insbesondere diese diffizile oder „schwierige Schönheit“ – schwierig, weil deren Verständnis und Genuss intellektuell hart erarbeitet sein will – zum Rückzugsort der Wahl wird. Die Kunstsphäre, dieser Cocon der Selbstachtung, enthebt sie der sie als Behinderte diskriminierenden und exkludierenden und ergo zutiefst beleidigenden Welt, der banalen Allerweltswelt, zu der auch die „einfache Schönheit“ mit ihren „Wonnen der Gewöhnlichkeit“ (Thomas Mann) gehört. Die sie nun wiederum in einem Akt der Rache – Rache an dieser gewöhnlichen Spaß- und Unterhaltungswelt mit ihrer behindertenfeindlichen Standardästhetik – aus der „splendid isolation“ ihrer eigenen akademischen Kunst- und Ästhetikwelt verbannt und ausgeschlossen hat.
Der abstrakte Denk- oder Reflexionsraum, der „difficult beauty“, der diffizilen Schönheit und philosophischen Ästhetik, bedeutet für die Helden- oder Heldinnenreise eine wichtige Wegmarke, eine echte Fortschrittsetappe. Ihr Intellekt und ihre Wahrnehmung werden anders als im „neutralen Raum“ nicht sediert oder betäubt, sondern angeregt und geschärft. Und weil der Aufenthalt in diesem Raum eine privilegierte Erfahrung bedeutet, von welcher der Durchschnittsmensch ausgeschlossen ist, erlebt ihn eine für gewöhnlich Ausgeschlossene, da behinderte Person, als Beschützer und Stabilisator ihres Selbst, Folge einer gesunden narzisstischen Reaktionsbildung, psychoanalytisch ausgedrückt, lebensrettender Selbstliebe, schlicht gesagt. Der Haken bei der Sache ist nur, ein Teil von ihr bleibt weiterhin außen vor, von der Teilnahme am Kunstvergnügen und am Genuss des „schwierigen Schönen“ ausgeschlossen. Ihr hässlicher, normverletzender Behindertenkörper nämlich, welcher der sublimen Kunstschönheit regelrecht spottet und für den es an diesem edlen Ort weder einen Verwendungszweck noch einen Platz gibt, er stört bloß, missfällt.
Kurz, Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Der zu zahlende Preis für die Selbststabilisierung über das diffizile Schöne besteht in einer Selbstspaltung, der Abspaltung und Unterdrückung meiner eigenen unzulänglichen Körperlichkeit. Ebendies hat der Prediger des „Reinen und Unvermischten“, der philosophische Säulenheilige der Autorin, der Neuplatoniker Plotin, stets von ihr und allen anderen Adepten der überlegenen Schönheit verlangt. Ein Preis, ein Opfer, so wird Cooper-Jones an dieser Stelle ihres Entwicklungswegs bewusst, den sie nicht länger zu entrichten bereit ist. – In gedanklicher Anlehnung an Herbert Marcuse ließe sich von „repressiver Sublimierung“ sprechen, von einer „selbstunterdrückerischen Veredelung“, mittels der die im akademischen Betrieb ableistisch Beäugte und Beargwöhnte Chloe Cooper-Jones durch Profilierung in philosophischer Ästhetik und „difficult beauty“ akademische Anerkennung und Meriten zu gewinnen hofft. Der zweite Raum, der mittlere der drei Räume der „Stadien auf dem Weg“, wir erinnern uns, läge damit auch genau in der Mitte zwischen Selbsterhaltung und Selbstentfaltung. Letztere verlangt einen nochmaligen Raumwechsel, einen lebensgeschichtlichen Umzug quasi. In den das Selbst zugleich befreienden und loslassenden Raum vollkommener Präsenz, Anwesenheit mit allen Sinnen und einem wachen Geist. Exemplarisch verwirklicht im Erleben von „easy beauty“.
Keine Behinderten-Peers sind es, durch welche die Autorin schlussendlich auf die Fährte zu ihrer Easy-Beauty-Initiation gelangt. Sozial bewegt sie sich in der Dominanzgesellschaft und ihre hauptsächlichen Bekannten (auch ihr Partner, mit dem sie ein gemeinsames Kind hat) zählen nicht zur Behinderten-Community. Für mich ein bemerkenswerter Umstand, der freilich den vom Blickpunkt der üblichen behindertenpolitischen Prämissen aus paradoxen Sachverhalt erklärt, wieso gerade diese Individuation einer Behinderten glückt in Gestalt einer solitären Befreiungsbiographie diesseits von behindertenpolitischem Aktivismus, Disability-Identitätspolitik und gesellschaftlich durchgesetzter Inklusion als Ermöglichungsbedingungen. – Um denjenigen nicht die Spannung zu nehmen, die das Buch noch nicht gelesen haben, unterlasse ich den Versuch, hier auch nur einen flüchtigen Eindruck von der Easy-Beauty-Erfahrung vermitteln zu wollen. Im Buch stehen dafür zwei besonders eindrückliche Episoden, ein Rock-Konzert und ein informelles Tennismatch, verbunden mit den charismatischen Namen Beyonce und Roger Federer.
Anhang: Die Autorin zu hören im Originalton. Wie sie im Radiogespräch ihrer Erfahrung von Easy Beauty erläutert. Von „dissoziierender“ Selbsterhaltung, die sich nur wenig von Selbstauslöschung unterscheidet bis zum gegenüber liegenden Pol einer „mystischen“ Selbstentfaltung, in der sich das individuelle oder getrennte Selbst in einem All-Einheits-Erleben gleichsam auflöst („unselfing“ nach Iris Murdoch), beispielhaft illustriert an der Erfahrung totaler Präsenz bei einem Beyonce-Konzert.




