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Irmgard Badura kandidiert für den Nürnberger Stadtrat

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Irmgard Badura auf Flyer der Nürnberger Grünen zur Kommunalwahl 2026
Irmgard Badura auf Flyer der Nürnberger Grünen zur Kommunalwahl 2026
Foto: Maximilian Hirschmann

Nürnberg (kobinet) "Nürnberg ist wirklich eine total interessante und auch aktive Stadt. Ich lebe sehr gerne hier. Wir sind geschichtlich höchst interessant, heutzutage extrem bunt, will heißen, wir haben über 50 % Menschen aus verschiedensten Ländern bei uns wohnen. Das ist Chance, aber Herausforderung zugleich: Ich wünsche mir, dass wir mehr miteinander leben, reden und uns begegnen, als nebeneinander in den jeweiligen Blasen", so bringt Irmgard Badura auf den Punkt, warum sie nicht nur gerne in Nürnberg lebt, sondern am 8. März 2026 bei der Kommunalwahl für die Grünen für den Stadtrat von Nürnberg kandidiert. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit der blinden Politikwissenschaftlerin und ehemaligen Landesbehindertenbeauftragten von Bayern, die sich seit vielen Jahren für die Rechte behinderter Menschen und anderer benachteiligter Gruppen engagiert, über ihre Kandidatur, ihre Chancen und was ihr wichtig ist.

kobinet-nachrichten: In Ihrem Berufsleben haben Sie schon einige spannende Stationen hinter sich. Nun engagieren Sie sich in der Kommunalpolitik und kandidieren für die Stadtratswahl am 8. März 2026 in Nürnberg. Wie kam es dazu?

Irmgard Badura: Ja, ich mache es umgekehrt, als viele andere Menschen, die in der Kommunalpolitik starten und sich hocharbeiten. Vor über 30 Jahren begann mein engagiert sein, mein politisches Mitmischen recht schnell auf Bayernebene. Auch In Berlin, damals als Aktive im Blinden- und Sehbehindertenwesen, dann als Landesbeauftragte für uns Menschen mit Behinderung etc. Von Anfang an war ich beim Entstehungsprozess zum Bundesteilhabegesetz mit dabei.

Jetzt, da ich schon einige Jahre bei Bündnis 90/Die Grünen mitmische, wurde ich von vielen Seiten für das Team 26 für die Wahl 2026 angefragt. Ich habe den Ruf sozusagen ernst genommen und natürlich gibt mir auch die hohe Auszeichnung der Stadt Nürnberg mit der „Bürgermedaille 2024“ guten Rückenwind.

kobinet-nachrichten: Bisher sind 14 Mitglieder der Grünen im Nürnberger Stadtrat vertreten. Sie kandidieren auf Platz 15. Wie rechnen Sie sich Ihre Chancen aus, dass es mit der Wahl in den Stadtrat für Sie klappt?

Irmgard Badura: Da bleibt mir nur zu sagen: 50:50. Denn alles hängt vom gesamten Ergebnis für uns Grüne ab und natürlich davon, ob gerade meine Unterstützer*innen mir auch tatsächlich die möglichen „3 Stimmen“ geben. Ich glaube, es ist gut, sich auf beides einzustellen: Freude oder Enttäuschung. Unser großes Ziel der Grünen heißt aber „26 Mandate für 2026“ – dafür arbeiten wir!

kobinet-nachrichten: Nürnberg ist eine große und spannende Stadt. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig? Was würden Sie gerne verbessern oder verändern?

Irmgard Badura: Nürnberg ist wirklich eine total interessante und auch aktive Stadt. Ich lebe sehr gerne hier. Wir sind geschichtlich höchst interessant, heutzutage extrem bunt, will heißen, wir haben über 50 % Menschen aus verschiedensten Ländern bei uns wohnen. Das ist Chance, aber Herausforderung zugleich: Ich wünsche mir, dass wir mehr miteinander leben, reden und uns begegnen, als nebeneinander in den jeweiligen Blasen. Aber, das ist schwer … Und leider haben wir Nürnberger seit vielen Jahren viel zu wenig Geld in der Stadtkasse. Trotzdem will ich mich einsetzen für weniger Autobahn, da gibt’s bei uns ein mögliches Milliardengrab, namens Frankenschnellweg. Auch sind mir stabil gute oder bessere öffentliche Verkehrsmittel bzw. der Takt im Fahrplan wichtig, genauso wie ein vielfältiges Teilhabe-Angebot für Kinder und Jugendliche, Familien sowie Senior*innen. Und bezahlbaren Wohnraum schaffen, vor allem Leerstand umwidmen, das ist eine Aufgabe für uns Alle!

kobinet-nachrichten: Welche Herausforderungen, Barrieren oder vielleicht auch gute Möglichkeiten erleben Sie als fast erblindete Kandidatin im derzeitigen Kommunalwahlkampf in Nürnberg?

Irmgard Badura: Natürlich geht es vor allem um „Sehen und Gesehen werden“. Die sozialen Medien spielen vor allem ja auch mit Bildern, das ist für mich eine große Herausforderung. Aber, ich spiele und kämpfe überall so gut es geht mit. Das Wichtigste aber ist, dass wir als Team 26 uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam wirken. Hier erlebe ich viel Zuspruch und tatsächliches Begleiten, Videos drehen oder gemeinsames auf die Straße gehen mit unseren Aktivitäten. Diese reichen von klassischen Info-Ständen am Wochenende in der Fußgängerzone, bis zu feministischem Kneipenquiz und Speed-Dating z. B. organisiert von der Lebenshilfe Nürnberg und dem Behindertenrat der Stadt.

kobinet-nachrichten: Wie kann man Sie unterstützen?

Irmgard Badura: Ich sag’s gleich ganz konkret, gerne mit finanziellen Spenden, für uns Grüne in Bayern oder in Nürnberg. Oder sogar Mitglied werden und in erster Reihe mit dabei sein. Gerade wir vielfältigen, teils schwer beeinträchtigten Menschen sind und bleiben bisher viel zu unsichtbar in der tatsächlichen Parteiarbeit. Hier wünsche ich mir zahlreiche Mitmacher*innen!

kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche frei hätten, welche wären dies?

Irmgard Badura: Im ganz Großen wünsche ich mir weltweit mehr Frieden, Klima- und Umweltschutz sowie Achtung der Menschenrechte mit Bildung und Mitsprache von vor allem auch Frauen und Müttern. Bitte alles statt unsinnige Kriege und damit einhergehend extremes Leid und Unrecht.

In unserem und meinem Radius würd ich mir ebenfalls eine ehrlich zukunftsorientierte Bildungs, Klima- und nachhaltig klügere Wirtschafts- und Umweltpolitik wünschen. Stichworte sind hier für mich: Verzichten, „weniger ist oft mehr“, Vorhandenes besser nutzen z. B. mit Kreislaufwirtschaft. Klar, dass dies den globalen Mega-Wirtschafts-Giganten nicht gefällt.

kobinet-nachrichten: Danke für das Interview.

Zum Motto und zur Lebenseinstellung schreibt Irmgard Badura auf der Internetseite der Nürnberger Grünen: „Ich bin gerne als Botschafterin, Netzwerkerin oder Brückenbauerin zwischen den Welten der beeinträchtigten Menschen und den so genannten ’normalen‘ Menschen aktiv. Meine eigene Sehfähigkeit umfasst weniger als 1 % Sehkraft und ein sehr kleines Gesichtsfeld. Diese schleichend fortschreitende Beeinträchtigung begleitet mich von Kindheit an. Ja, sie behindert mich tatsächlich in vielen Bereichen der Teilhabe in unserer Gesellschaft: beim Wege finden, beim Lesen von Hinweisen, Schildern, im gesamten Digitalen, aber auch beim Einkaufen, Sport, bei Kunst und Kultur … Trotzdem oder gerade deshalb bin ich eine sehr freundliche, geduldige und kämpferische Person. Politisch setze ich mich, wo immer ich kann, für spürbare Verbesserungen in unserem Miteinander ein: Brückenbauerin, Botschafterin, Netzwerkerin!“

Link zu weiteren Infos zu Irmgard Badura und zu ihrer Kandidatur