Kassel (kobinet)
Kassel, 23. Januar 2026
Der Verein fab hat ein neues Projekt gestartet.
Das Projekt heißt: Aktiv Teil-habe gestalten.
fab ist eine Abkürzung.
fab bedeutet: Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter.
Autonomie bedeutet: Selbst-bestimmung.
Selbst-bestimmung bedeutet: Man entscheidet für sich selbst.
Am 23. Januar 2026 war eine Start-Veranstaltung.
Viele Menschen mit Behinderungen waren dort.
Sie setzen sich für ihre Rechte ein.
Das Projekt wird von Aktion Mensch bezahlt.
Mandy Müller leitet das Projekt.
Birgit Schopmans leitet das Projekt auch.
Das Projekt hat wichtige Ziele.
Ein Ziel ist: Menschen mit Behinderungen vernetzen sich.
Ein anderes Ziel ist: Sie setzen sich für Inklusion ein.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen gehören dazu.
Bei der Veranstaltung gab es eine Talk-Runde.
7 Menschen mit Behinderungen haben gesprochen.
Sie haben erzählt: Was haben wir erreicht?
Und: Was wollen wir noch erreichen?
Auf der Internet-Seite vom Projekt steht:
Wir leben in schwierigen Zeiten.
Deshalb brauchen wir starke Stimmen.
Wir helfen euch dabei: Werdet aktiv!
Setzt euch ein für eure Rechte!
Gemeinsam könnt ihr etwas verändern.
Bei uns bekommt ihr:
Hier geht es zur Internet-Seite vom Projekt
Das Projekt bietet verschiedene Sachen an.
Zum Beispiel:
Im März gibt es ein erstes Aktiv-Treffen.
Dort treffen sich Menschen mit Behinderungen.
Die Menschen wollen etwas bewegen.
Sie wollen die UN-Behinderten-rechts-konvention umsetzen.
Die UN-Behinderten-rechts-konvention ist ein Vertrag.
In dem Vertrag stehen Rechte.
Das sind die Rechte von Menschen mit Behinderungen.
Es sind auch Schulungen geplant.
Das Projekt macht auch Veranstaltungen.
Bei den Veranstaltungen tauschen sich Menschen aus.
Die Menschen diskutieren über wichtige Themen.
Die Menschen bekommen Wissen über Behinderten-Politik.
Am 14. Januar 2026 gab es eine Lesung.
Die Lesung war im Dunkeln.
Ottmar Miles-Paul hat gelesen.
Sabine Lohner hat auch gelesen.
Sie haben aus ihrem Buch gelesen.
Das Buch heißt: Ich will raus.
Der Unter-Titel ist: Von der Exklusion zur Inklusion.
Exklusion bedeutet: Ausschluss.
Ausschluss bedeutet: Jemand darf nicht mit-machen.
Die Lesung war in den Räumen vom fab.
Am 9. Februar 2026 um 19 Uhr gibt es eine Veranstaltung.
Die Veranstaltung heißt: Rechter Gegen-wind behindert Teil-habe.
Die Veranstaltung ist vom fab.
Und von der Regional-Gruppe Krüppel gegen Rechts.
Die Veranstaltung ist in der Samuel-Beckett-Anlage 6.
Das ist in 34119 Kassel.
Birgit Schopmans hat erzählt:
In den 80er Jahren war vieles anders.
Damals hat sie angefangen sich zu engagieren.
Ottmar Miles-Paul hat auch erzählt.
Auch er hat damals angefangen.
Es gab kaum Angebote für behinderte Menschen.
Die Straßen-Bahnen hatten Stufen.
Die Busse hatten Stufen.
Akustische Ampeln waren selten.
Akustische Ampeln sind Ampeln für blinde Menschen.
Die Ampeln machen ein Geräusch.
Die Bord-Steine waren hoch.
Barriere-Freiheit war für viele ein Fremd-Wort.
Barriere-Freiheit bedeutet: Alle Menschen können etwas benutzen.
Behinderte Menschen hatten damals wenig Auswahl.
Sie konnten bei den Eltern wohnen.
Oder sie mussten in ein Heim gehen.
Der fab hat dann viele Angebote aufgebaut.
Zum Beispiel: Beratung.
Und: Unterstütztes Wohnen.
Und: Einen Assistenz-Dienst.
Das war sehr mühsam.
Es gab viele Widerstände.
Susanne Berg hat die Gäste begrüßt.
Susanne Berg ist die Behinderten-Beauftragte von Kassel.
Stella Ortac hat auch begrüßt.
Stella Ortac ist Geschäfts-Führerin vom fab.
Dann kam die Talk-Runde.
Kilian Paudner hat gesprochen.
Kilian Paudner ist vom Orga-Team der Disability-Pride-Demos.
Disability Pride ist englisch.
Das bedeutet: Stolz auf Behinderung.
Die Demos waren in Kassel.
Es gab schon 2 Demos.
Die Demos waren sehr erfolgreich.
2026 soll es wieder eine Demo geben.
Petra Willich hat gesprochen.
Petra Willich ist vom Kasseler Bündnis Barriere-Frei.
Petra Willich hat gesagt: Gute Partner sind wichtig.
Das Bündnis hat viel erreicht.
Es gibt jetzt mehr Barriere-Freiheit.
Am 5. Mai ist der Europäische Protest-Tag.
An diesem Tag geht es um Gleich-Stellung.
Das Bündnis macht dann Aktionen.
Es gibt auch eine Ausstellung über Barriere-Freiheit.
Arianne Kipp hat die Ausstellung vorgestellt.
Arianne Kipp ist Architektin.
Arianne Kipp nutzt einen Roll-Stuhl.
Carola Hiedl hat gesprochen.
Carola Hiedl ist Vorsitzende vom Behinderten-Beirat Kassel.
Carola Hiedl hat erzählt: Wie bin ich zum Beirat gekommen?
Vor vielen Jahren suchte Carola Hiedl eine Wohnung.
Carola Hiedl nutzt einen Roll-Stuhl.
Carola Hiedl fand keine passende Wohnung.
Deshalb hat Carola Hiedl angefangen sich zu engagieren.
Carola Hiedl ist in den Behinderten-Beirat gekommen.
Dort engagiert Carola Hiedl sich bis heute.
Bald gibt es eine Neu-Wahl für den Beirat.
Carola Hiedl ruft auf:
Viele engagierte Menschen sollen sich zur Wahl stellen!
Dr. Andreas Jürgens hat gesprochen.
Dr. Andreas Jürgens engagiert sich schon lange.
Dr. Andreas Jürgens engagiert sich in der Behinderten-Politik.
Dr. Andreas Jürgens nutzt einen Roll-Stuhl.
Im März ist Kommunal-Wahl.
Kommunal-Wahl bedeutet: Man wählt Politiker.
Die Wahl ist nur in einer Stadt.
Dr. Andreas Jürgens kandidiert für die Grünen.
Dr. Andreas Jürgens will in die Stadt-Verordneten-Versammlung kommen.
Die Stadt-Verordneten-Versammlung ist wie ein Stadt-Parlament.
Dr. Andreas Jürgens hat erzählt:
Es gibt in Kassel eine Gruppe.
Die Gruppe heißt: Krüppel gegen Rechts.
Die Gruppe setzt sich gegen Rechts-Extremismus ein.
Rechts-Extremismus ist eine gefährliche Meinung.
Diese Menschen glauben: Nicht alle Menschen sind gleich wichtig.
Demokratisches Engagement ist wichtig.
Demokratie bedeutet auf Deutsch: Herrschaft des Volkes.
Das Volk entscheidet über wichtige Dinge.
Timo Kupke hat gesprochen.
Timo Kupke ist vom Autonomen Referat für barriere-freies Studieren.
Die Abkürzung ist: ARbS.
Das Referat ist an der Universität Kassel.
Dort tauschen sich behinderte Studierende aus.
Dort bekommen behinderte Studierende auch Beratung.
Viele aktive behinderte Studierende haben Kassel geprägt.
Kevin Hoffmann hat gesprochen.
Kevin Hoffmann hat die Kämpfer-Herzen-Treffen ins Leben gerufen.
Die Treffen finden jedes Jahr statt.
Die Treffen sind in der Kasseler Stadt-Halle.
Kevin Hoffmann hat Multiple Sklerose.
Multiple Sklerose ist eine Krankheit.
Kevin Hoffmann suchte Kontakt zu anderen Betroffenen.
Die Idee vom Treffen kam gut an.
Die Veranstaltung ist jetzt sehr groß.
Per Busch hat gesprochen.
Per Busch hat gesagt: Auch eine einzelne Person kann viel erreichen.
Per Busch hat viele Ideen für Projekte.
Per Busch hat sich für einen Wander-Weg eingesetzt.
Der Wander-Weg ist im Wald.
Der Wander-Weg soll barriere-frei für blinde Menschen sein.
Dabei hat Per Busch viel gelernt.
Per Busch hat viel gelernt über politisches Engagement.
Per Busch hat eine Petition gestartet.
Petition bedeutet: Eine Bitte.
Oder eine Beschwerde an wichtige Leute.
Per Busch hat mit Politikern gesprochen.
Per Busch hat mit den Medien gesprochen.
Jetzt beschäftigt Per Busch ein anderes Thema.
Das Thema ist: Viele Menschen sind einsam.
Wie bekommen diese Menschen mehr körperlichen Kontakt?
Zum Beispiel bei Kuschel-Treffen.
Für Mandy Müller war es ein guter Start.
Für Birgit Schopmans war es auch ein guter Start.
Die Veranstaltung hat ihnen Mut gemacht.
Der fab wurde vor 40 Jahren gegründet.
Jetzt gibt es einen zweiten Frühling.
Das bedeutet: Es geht wieder bergauf.
Viele Menschen engagieren sich.
Das ist wichtig für die Zukunft.

Foto: fab Aktiv Teilhabe gestalten: Andrea Scherer
Kassel (kobinet) Die Auftaktveranstaltung des Projektes Aktiv Teilhabe gestalten des Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) brachte am 23. Januar 2026 eine Reihe behindertenpolitischer Akteur*innen und vor allem in der Selbstvertretung behinderter Menschen Aktive zusammen. Damit hat das neue, von der Aktion Mensch geförderte, Projekt bereits ein wichtiges Ziel angepackt. Nämlich die Vernetzung von lokalen Akteur*innen, die sich für Inklusion, Selbstbestimmung und Teilhabe stark machen. In einer Talkrunde kamen sieben Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zu Wort, die in Kassel bereits einiges bewegt haben und noch viel mehr vor haben.
„Gerade in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen braucht es starke Stimmen, die sich einmischen. Wir unterstützen dich dabei, aktiv zu werden und dich für die Rechte und Anliegen von uns Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Region einzusetzen. Gemeinsam können wir etwas verändern – für mehr Teilhabe, Selbstbestimmung und Solidarität in Kassel und Umgebung. Bei uns bekommst du Wissen, Kontakte und praktische Werkzeuge, um deine Ideen rund um Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen umzusetzen“, heißt es auf der Internetseite des Projekts Aktiv Teilhabe gestalten.
Link zur Internetseite des Projekts
Mit dem neuen von Mandy Müller und Birgit Schopmans geleiteten Projekt kann der Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie also nicht nur die Vernetzung von behindertenpolitisch Aktiven in Kassel vorantreiben. Es bietet auch die Möglichkeit, behinderte Menschen bzw. Gruppen gezielt bei der Umsetzung ihrer Forderungen und Ziele zu unterstützen und zu beraten. Denn Engagement mit Erfolg will gut geplant und begleitet werden. So findet im März ein erstes Aktivtreffen von behinderten Menschen statt, die etwas bewegen und im Sinne der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vorantreiben wollen. Schulungen sind ebenfalls geplant.
Die Durchführung von Veranstaltungen, die den Austausch und Diskussionen ermöglichen sowie Wissen zu behindertenpolitischen Themen verbreiten, ist ein anderer Projektschwerpunkt. In diesem Zusammenhang fand bereits am 14. Januar 2026 eine Lesung im Dunkeln aus dem Roman „Ich will raus: von der Exklusion zur Inklusion“ von Ottmar Miles-Paul und Sabine Lohner in den Räumen des fab statt. Für den 9. Februar um 19:00 Uhr ist eine Veranstaltung mit dem Titel „Rechter Gegenwind behindert Teilhabe“ in Zusammenarbeit mit der Kasseler Regionalgruppe Krüppel gegen Rechts in den Räumen des fab in der Samuel-Beckett-Anlage 6 in 34119 Kassel geplant.
Dass sich behindertenpolitisches Engagement lohnt, das wurde bei der Veranstaltung deutlich. Birgit Schopmans und Ottmar Miles-Paul erinnerten in ihrer Anmoderation einer Talkrunde mit Stimmen von Selbstvertreter*innen daran, dass es in den 80er Jahren, als sie in Kassel mit einigen wenigen anderen begannen, sich behindertenpolitisch zu engagieren, kaum Angebote für ein behindertenpolitische Engagement gab. Die Straßenbahnen und Busse hatten damals alle Stufen, akustische Ampeln für bline Menschen hatten Seltenheitswert, Bordsteine waren hoch und Barrierefreiheit war für viele ein Fremdwort. Für behinderte Menschen gab es damals meist nur die Wahl im Elternhaus zu wohnen oder in ein Heim zu gehen. Das vielfältige Unterstützungsangebot des fab von der Beratung, über das unterstützte Wohnen, bis zum Assistenzdienst und einer regen Interessenvertretung wurde erst in den nächsten Jahren Schritt für Schritt und zum Teil sehr mühsam und gegen viele Widerstände aufgebaut.
Nach der Begrüßung durch die Kasseler Behindertenbeauftragte Susanne Berg und die Geschäftsführerin des fab Stella Ortac schilderte in der Talkrunde Kilian Paudner vom Orgateam der Disability-Pride-Demos in Kassel, wie diese Idee entstanden ist und dass die zwei Disability Pride Demos auf so gute Resonanz gestoßen sind, dass es auch 2026 eine Disability Pride in Kassel geben soll. Petra Willich vom Kasseler Bündnis Barrierefrei machte deutlich, wie wichtig gute Bündnispartner sind. So ist es dem Bündnis gelungen, so manche Veränderung für mehr Barrierefreiheit voranzutreiben. Am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen am 5. Mai hat das Bündnis schon mehrfach Flagge gezeigt und das Thema Barrierefreiheit auf die Tagesordnung gesetzt. So ist auch eine Ausstellung zur Barrierefreiheit entstanden, die die rollstuhlnutzende Architektin Arianne Kipp kurz vorstellte.
Carola Hiedl, die seit einigen Jahren Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt Kassel ist, schilderte ihren Weg in die Kasseler Behindertenpolitik. Als sie vor vielen Jahren als Rollstuhlnutzerin eine Wohnung suchte, erkannte sie nicht nur die Defizite in diesem Bereich, sondern begann sich auch für Veränderungen einzusetzen. So kam sie zum Behindertenbeirat, in dem sie sich trotz höheren Alters immer noch auf vielfältige Weise engagiert. Sie rief dazu auf, dass sich bei der anstehenden Neuwahl viele engagierte behinderte Menschen zur Wahl stellen sollten. Dr. Andreas Jürgens ist ebenfalls ein erfahrener Hase in Sachen Behindertenpolitik, Für die im März stattfindende Kommunalwahl tritt der Rollstuhlnutzer an und hofft, den Einzug in die Kasseler Stadtverordnetenversamlung für die Grünen zu schaffen. Er schilderte die Entstehung und die Ziele der Kasseler Gruppe von Krüppel gegen rechts und wies auf die Notwendigkeit des verstärkten demokratischen Engagements hin.
Timo Kupke vom Autonomen Referat für barrierefreies Studieren (ARbS) an der Universität Kassel schilderte die Aktivitäten im studentischen Bereich. Wichtig ist hier der Austausch behinderter Studierender sowie eine gute Beratung. Aktive behinderte Menschen, die in Kassel studiert haben, prägten immer wieder die behindertenpolitische Weiterentwicklung in Kassel. Kevin Hoffmann beschrieb als Initiator der „Kämpferherzentreffen“, die jährlich in der Kasseler Stadthalle stattfinden, wie schnell eine Bewegung wachsen kann. Betroffen von Multiple Sklerose suchte er den Kontakt zu anderen Betroffenen. Die Idee eines „Kämpferherzen-Treffens“ stieß auf so großes Interesse, dass die Veranstaltung mittlerweile riesigen Zulauf hat.
Per Busch machte in der Talkrunde deutlich, dass man auch als Einzelperson einiges erreichen kann. Er fungiert als Ideengeber und Initiator regionaler Projekte. Mit seinem Engagement für den Erhalt eines für blinde Menschen barrierefreien Wanderwegs im Wald lernte er die Herausforderungen und Tricks des politischen Engagements kennen, von der Petition über viele Gespräche mit Politiker*innen bis zu einer engagierten Medienarbeit. Derzeit beschäftigt ihn die Frage, wie man in Zeiten der Vereinsamung wieder mehr körperlichen Kontakt wie beispielsweise bei Kuscheltreffen bekommen kann.
Für Mandy Müller und Birgit Schopmans als Leiter*innen des Projektes Aktiv Teilhabe gestalten bot die Auftaktveranstaltung kräftigen Rückenwind für das weitere Engagement. Es wurde deutlich, dass auch 40 Jahre nach der Gründung der Aktionsgruppe Behinderter in Kassel und des Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter ein zweiter Frühling in der Kasseler Behindertenpolitik möglich ist. Dass dieses vom Engagement vieler einzelner Menschen abhängt, wurde bei der Veranstaltung allerdings auch deutlich.
Link zu weiteren Infos zum Projekt Aktiv Teilhabe gestalten
Link zu den Veranstaltungen des Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab)

Foto: fab Aktiv Teilhabe gestalten: Andrea Scherer
Kassel (kobinet) Die Auftaktveranstaltung des Projektes Aktiv Teilhabe gestalten des Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) brachte am 23. Januar 2026 eine Reihe behindertenpolitischer Akteur*innen und vor allem in der Selbstvertretung behinderter Menschen Aktive zusammen. Damit hat das neue, von der Aktion Mensch geförderte, Projekt bereits ein wichtiges Ziel angepackt. Nämlich die Vernetzung von lokalen Akteur*innen, die sich für Inklusion, Selbstbestimmung und Teilhabe stark machen. In einer Talkrunde kamen sieben Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zu Wort, die in Kassel bereits einiges bewegt haben und noch viel mehr vor haben.
„Gerade in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen braucht es starke Stimmen, die sich einmischen. Wir unterstützen dich dabei, aktiv zu werden und dich für die Rechte und Anliegen von uns Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Region einzusetzen. Gemeinsam können wir etwas verändern – für mehr Teilhabe, Selbstbestimmung und Solidarität in Kassel und Umgebung. Bei uns bekommst du Wissen, Kontakte und praktische Werkzeuge, um deine Ideen rund um Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen umzusetzen“, heißt es auf der Internetseite des Projekts Aktiv Teilhabe gestalten.
Link zur Internetseite des Projekts
Mit dem neuen von Mandy Müller und Birgit Schopmans geleiteten Projekt kann der Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie also nicht nur die Vernetzung von behindertenpolitisch Aktiven in Kassel vorantreiben. Es bietet auch die Möglichkeit, behinderte Menschen bzw. Gruppen gezielt bei der Umsetzung ihrer Forderungen und Ziele zu unterstützen und zu beraten. Denn Engagement mit Erfolg will gut geplant und begleitet werden. So findet im März ein erstes Aktivtreffen von behinderten Menschen statt, die etwas bewegen und im Sinne der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vorantreiben wollen. Schulungen sind ebenfalls geplant.
Die Durchführung von Veranstaltungen, die den Austausch und Diskussionen ermöglichen sowie Wissen zu behindertenpolitischen Themen verbreiten, ist ein anderer Projektschwerpunkt. In diesem Zusammenhang fand bereits am 14. Januar 2026 eine Lesung im Dunkeln aus dem Roman „Ich will raus: von der Exklusion zur Inklusion“ von Ottmar Miles-Paul und Sabine Lohner in den Räumen des fab statt. Für den 9. Februar um 19:00 Uhr ist eine Veranstaltung mit dem Titel „Rechter Gegenwind behindert Teilhabe“ in Zusammenarbeit mit der Kasseler Regionalgruppe Krüppel gegen Rechts in den Räumen des fab in der Samuel-Beckett-Anlage 6 in 34119 Kassel geplant.
Dass sich behindertenpolitisches Engagement lohnt, das wurde bei der Veranstaltung deutlich. Birgit Schopmans und Ottmar Miles-Paul erinnerten in ihrer Anmoderation einer Talkrunde mit Stimmen von Selbstvertreter*innen daran, dass es in den 80er Jahren, als sie in Kassel mit einigen wenigen anderen begannen, sich behindertenpolitisch zu engagieren, kaum Angebote für ein behindertenpolitische Engagement gab. Die Straßenbahnen und Busse hatten damals alle Stufen, akustische Ampeln für bline Menschen hatten Seltenheitswert, Bordsteine waren hoch und Barrierefreiheit war für viele ein Fremdwort. Für behinderte Menschen gab es damals meist nur die Wahl im Elternhaus zu wohnen oder in ein Heim zu gehen. Das vielfältige Unterstützungsangebot des fab von der Beratung, über das unterstützte Wohnen, bis zum Assistenzdienst und einer regen Interessenvertretung wurde erst in den nächsten Jahren Schritt für Schritt und zum Teil sehr mühsam und gegen viele Widerstände aufgebaut.
Nach der Begrüßung durch die Kasseler Behindertenbeauftragte Susanne Berg und die Geschäftsführerin des fab Stella Ortac schilderte in der Talkrunde Kilian Paudner vom Orgateam der Disability-Pride-Demos in Kassel, wie diese Idee entstanden ist und dass die zwei Disability Pride Demos auf so gute Resonanz gestoßen sind, dass es auch 2026 eine Disability Pride in Kassel geben soll. Petra Willich vom Kasseler Bündnis Barrierefrei machte deutlich, wie wichtig gute Bündnispartner sind. So ist es dem Bündnis gelungen, so manche Veränderung für mehr Barrierefreiheit voranzutreiben. Am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen am 5. Mai hat das Bündnis schon mehrfach Flagge gezeigt und das Thema Barrierefreiheit auf die Tagesordnung gesetzt. So ist auch eine Ausstellung zur Barrierefreiheit entstanden, die die rollstuhlnutzende Architektin Arianne Kipp kurz vorstellte.
Carola Hiedl, die seit einigen Jahren Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt Kassel ist, schilderte ihren Weg in die Kasseler Behindertenpolitik. Als sie vor vielen Jahren als Rollstuhlnutzerin eine Wohnung suchte, erkannte sie nicht nur die Defizite in diesem Bereich, sondern begann sich auch für Veränderungen einzusetzen. So kam sie zum Behindertenbeirat, in dem sie sich trotz höheren Alters immer noch auf vielfältige Weise engagiert. Sie rief dazu auf, dass sich bei der anstehenden Neuwahl viele engagierte behinderte Menschen zur Wahl stellen sollten. Dr. Andreas Jürgens ist ebenfalls ein erfahrener Hase in Sachen Behindertenpolitik, Für die im März stattfindende Kommunalwahl tritt der Rollstuhlnutzer an und hofft, den Einzug in die Kasseler Stadtverordnetenversamlung für die Grünen zu schaffen. Er schilderte die Entstehung und die Ziele der Kasseler Gruppe von Krüppel gegen rechts und wies auf die Notwendigkeit des verstärkten demokratischen Engagements hin.
Timo Kupke vom Autonomen Referat für barrierefreies Studieren (ARbS) an der Universität Kassel schilderte die Aktivitäten im studentischen Bereich. Wichtig ist hier der Austausch behinderter Studierender sowie eine gute Beratung. Aktive behinderte Menschen, die in Kassel studiert haben, prägten immer wieder die behindertenpolitische Weiterentwicklung in Kassel. Kevin Hoffmann beschrieb als Initiator der „Kämpferherzentreffen“, die jährlich in der Kasseler Stadthalle stattfinden, wie schnell eine Bewegung wachsen kann. Betroffen von Multiple Sklerose suchte er den Kontakt zu anderen Betroffenen. Die Idee eines „Kämpferherzen-Treffens“ stieß auf so großes Interesse, dass die Veranstaltung mittlerweile riesigen Zulauf hat.
Per Busch machte in der Talkrunde deutlich, dass man auch als Einzelperson einiges erreichen kann. Er fungiert als Ideengeber und Initiator regionaler Projekte. Mit seinem Engagement für den Erhalt eines für blinde Menschen barrierefreien Wanderwegs im Wald lernte er die Herausforderungen und Tricks des politischen Engagements kennen, von der Petition über viele Gespräche mit Politiker*innen bis zu einer engagierten Medienarbeit. Derzeit beschäftigt ihn die Frage, wie man in Zeiten der Vereinsamung wieder mehr körperlichen Kontakt wie beispielsweise bei Kuscheltreffen bekommen kann.
Für Mandy Müller und Birgit Schopmans als Leiter*innen des Projektes Aktiv Teilhabe gestalten bot die Auftaktveranstaltung kräftigen Rückenwind für das weitere Engagement. Es wurde deutlich, dass auch 40 Jahre nach der Gründung der Aktionsgruppe Behinderter in Kassel und des Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter ein zweiter Frühling in der Kasseler Behindertenpolitik möglich ist. Dass dieses vom Engagement vieler einzelner Menschen abhängt, wurde bei der Veranstaltung allerdings auch deutlich.
Link zu weiteren Infos zum Projekt Aktiv Teilhabe gestalten
Link zu den Veranstaltungen des Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab)




