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Brauchen wir mehr Geld für Lobbyist*innen und Parteispenden?

Redaktioneller Hinweis: Für Artikel der Kategorie "Kolumne" sind ausschließlich die Autoren verantwortlich. Dies gilt auch für deren Äußerungen in den Lesermeinungen sowie für die Moderation der Kommentare zu deren Beiträgen. Die Inhalte geben nicht die Meinung der Redaktion oder des Trägervereins wieder. Inhaltliche Kritik richten Sie bitte direkt an die Autoren per Email.
Person mit kobinet-T-Shirt mit Blick auf den Reichstag
Person mit kobinet-T-Shirt mit Blick auf den Reichstag
Foto: Susanne Göbel

Berlin (kobinet) Zwei Meldungen der letzten Tage haben bei kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul die Frage aufgeworfen, wie die Behindertenbewegung an mehr Geld für Lobbyist*innen und Parteispenden kommen kann. Denn anscheinend öffnen Geld und Lobbyist*innen nicht nur so manche Türen, sondern beeinflussen auch so manche Herzen und Entscheidungen. Warum würden sonst Großspenden an Parteien geleistet bzw. gut bezahlte Lobbyist*innen massenhaft losgeschickt, um Gesetzentwürfe und Abgeordnete zu beeinflussen. Ein aktueller Bericht der Bürgerbewegung Finanzwende zeigt angesichts der Eintragungen im Lobbyregister des Bundestages auf, welche Branchen wieviel Geld in Lobbyarbeit investieren. Behindertenverbände sind in diesem Bericht übrigens nicht erwähnt.

Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

„Auch in diesem Jahr stammen zehn der 100 finanzstärksten Einträge im Lobbyregister von Banken, Versicherern und der Fondsindustrie. Fast 40 Millionen Euro geben diese im Jahr für Lobbyarbeit aus, mehr als Auto- und Chemielobby zusammen. 442 Lobbyist*innen, also umgerechnet fast zehn für jedes Mitglied im Finanzausschuss des Bundestags, beeinflussen im politischen Berlin Prozesse und Gesetze für die Finanzlobby“, heißt es u.a. im Bericht von Finanzwende zu den Zahlen aus dem Jahr 2024 aus dem Lobbyregister. Interessant ist in dem Zusammenhang auch der Hinweis: „Seitenwechsler*innen aus der Politik sind für die Lobby Gold wert. Mit ihrem Insiderwissen und Kontakten an den richtigen Stellen vereinfachen sie der Finanzlobby ihre Einflussnahme erheblich.“

Link zum Bericht von Finanzwende zu den Ausgaben und Aktivitäten aus dem Lobbyregister für die Jahre 2022, 2023 und 2024 vom 3. Januar 2026

Link zum ntv-Bericht über die Lobbyarbeit und eingesetzten Mittel hierfür vom 5. Januar 2026

Gerade im Hinblick auf die immer wieder verzögerte Behandlung der längst überfälligen Reform des Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) für mehr Barrierefreiheit und der sich stetig verschlechternde Entwurf für das Gesetz fragen sich so manche, welche Kräfte bzw. Einflüsse hier so massiv am Werk sind. Denn mittlerweile dürfte es unumstritten sein, dass Barrierefreiheit letztendlich für alle Menschen große Vorteile bietet. Doch verschiedene Akteur*innen wehren sich schon seit Jahrzehnten dagegen verbindliche Regelungen auch für private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten gesetzlich zu verankern, wie dies in anderen Ländern längst der Fall ist.

Da lohnt auch ein Blick auf die Spendenpraxis so mancher Akteur*innen, vor allem auf die Großspenden, die 2025 an die Parteien geleistet wurden. Aus einem entsprechenden ntv-Bericht geht hervor, dass die Union derzeit, also im Jahr 2025, mit Abstand die meisten Großspenden bekommt. „CDU und CSU kamen zusammen auf fast 7,9 Millionen Euro, dabei entfielen auf die CDU etwas mehr als 6,6 Millionen und auf die CSU gut 1,2 Millionen Euro. Die SPD erhielt dagegen nur 2,3 Millionen, die Grünen erzielten knapp 1,2 Millionen und die Linke 300.000 Euro. Das ergeben die vom Bundestag veröffentlichten Zahlen“, heißt es im ntv-Bericht. Zur AfD heißt es darin: „Mit Einnahmen von gut 5,1 Millionen Euro kam nur die AfD in die Nähe der Union. Allerdings ist bei ihr eine Großspende von 2,35 Millionen Euro umstritten. Die Bundestagsverwaltung hat diese wegen des Verdachts auf eine unzulässige sogenannte Strohmann-Spende einbehalten. Die AfD klagt gegen diese Entscheidung und will das Geld zurück.“ Bei dieser Auflistung geht es um Großspenden, also Spenden ab 35.000 Euro.

Da die Organisationen, die sich der Behindertenbewegung zugehörig fühlen, in der Regel nicht über solche finanzielle Mittel für solche Großspenden verfügt, die sich ins Gedächtnis der Parteien sicherlich einprägen, und sich die Finanzierung von Lobbyist*innen erfahrungsgemäß äusserst schwierig für die Behindertenverbände gestaltet, scheint es hier ein offensichtliches Ungleichgewicht in der Gewichteverteilung der verschiedenen Interessenvertretungen zu geben.

Durch die Lande zu ziehen und „Hast mal ’nen Euro für unsere Lobbyarbeit“ zu rufen, liegt vielen aus der Behindertenbewegung nicht. Bleibt also wohl nur, mit den Kräften gut haushalten und die Interessenvertretung effektiver gestalten. Denn diese tut auch 2026 dringend Not.

Link zum ntv-Bericht vom 31. Deezember 2025 zu den Großspenden an Parteien