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Ein guter Vorsatz fürs Neue Jahr: Aufopferungsbereitschaft verweigern!

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sitzt auf einer Bank am Wald
H.W. Foto im Wald
Foto: Hans-Willi Weis

Staufen (kobinet) Solche, die Wasser predigen und selber Wein trinken und letzteres nicht einmal heimlich – zu dieser Sorte Leute zählen auch die Neujahrs-BotschafterInnen, die von der Allgemeinheit fordern, den Gürtel enger zu schnallen und "gemeinsam Opfer zu bringen". Während sie sich selber davon ausnehmen und schamlos an einer extremen sozialen Ungleichheit nichts auszusetzen haben. Aber "der Sozialstaat"! Nicht länger finanzierbar! Zum Beispiel Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, unbezahlbar! Und was dem Gerede von der solidarischen Opfergemeinschaft die Krone aufsetzt, Aufopferungsbereitschaft wird nun auch wieder für einen bevorstehenden Krieg verlangt. Einen Krieg, "wie zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern" (NATO-Generalsekretär Rutte), ergo mit Abermillionen Toten, Traumatisierten. Kriegsversehrten.

Wenn dies der von den Herrschenden und ihrer Gefolgschaft vorgezeichnete Weg fürs neue Jahr ist, dann lautet die Neujahrsempfehlung des Kolumnisten: Geht diesen Weg nicht mit, er führt ins Verderben!

Um zu verdeutlichen, was auf dem Spiel steht, zwei Wortmeldungen noch, eine törichte und eine kluge. Zuerst die törichte:

Kürzlich sagte ein hoher Militär aus dem Führungsstab der französischen Streitkräfte bei einer öffentlichen Rede, es fehle Frankreich „an Seelenstärke“ und präzisierte dann, „wenn unser Land schwach wird und es nicht bereit ist, zu akzeptieren, dass es seine Kinder verliert, wenn wir dazu nicht bereit sind, sind wir in Gefahr“.

Die kluge Wortmeldung, die des Theaterregisseurs an den Münchner Kammerspielen, der dort „Wallensteins Lager“ von Friedrich Schiller inszeniert. Er hält diesen Teil von Schillers Trilogie für den interessantesten, „wo quasi das Kanonenfutter spricht“. Und weiter wörtlich: „Schiller skizziert ja in dem Drama eigentlich eine Kriegsmaschinerie, eine Kriegsmaschinerie, die ihren Schöpfern davon läuft und das ist ja auch ein bisschen unsere Realität. Denn da steht der Satz drin in dem Stück, wenn die Kugel raus ist aus dem Lauf, dann ist sie kein totes Werkzeug mehr, sondern sie lebt. Und diesen Satz haben wir über unsere Arbeit geschrieben und ich glaube, das ist eine Erkenntnis dieser Tage, dass die Kriegsmaschinen uns davonlaufen …“ (aus einem Forumsgespräch auf SWR Kultur, 11/2025).

P.S. Da ich von „den Herrschenden“ spreche, die uns das „Gürtel enger schnallen“ verordnen und jetzt auch wieder Opferbereitschaft im Krieg schmackhaft machen wollen, rechne ich mit dem Einwand „aber wir leben doch in einer Demokratie“. Uns so empfehle ich diesbezüglich als einen zweiten guten Vorsatz fürs neue Jahr, sich mutig einem unvermeidlichen Realitätsschock auszusetzen und das SWR-Forumsgespräch „Wer regiert die Welt“ anzuhören.

https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d18d737c9b265e19/