Staufen (kobinet)
Manche Menschen sagen: Ihr müsst sparen.
Aber sie selbst sparen nicht.
Das machen sie ganz offen.
Solche Menschen gibt es auch an Neujahr.
Sie sagen: Alle müssen Opfer bringen.
Aber sie selbst bringen keine Opfer.
Diese Menschen finden soziale Un-gleichheit nicht schlimm.
Soziale Un-gleichheit bedeutet:
Manche Menschen haben sehr viel Geld.
Andere Menschen haben sehr wenig Geld.
Die reichen Menschen sagen:
Der Sozial-staat kostet zu viel Geld.
Der Sozial-staat bedeutet:
Der Staat hilft Menschen in Not.
Zum Beispiel Menschen mit Behinderung.
Die reichen Menschen sagen:
Diese Hilfe ist zu teuer.
Das stimmt nicht.
Jetzt verlangen diese Menschen noch mehr.
Sie sagen: Ihr müsst bereit sein für Krieg.
Der NATO-Chef heißt Rutte.
NATO bedeutet: Ein Bündnis von vielen Ländern.
Herr Rutte sagt: Der Krieg wird schlimm.
So schlimm wie früher bei unseren Groß-eltern.
Damals starben Millionen Menschen im Krieg.
Viele Menschen wurden verletzt.
Viele Menschen bekamen ein Trauma.
Trauma bedeutet: Eine seelische Verletzung.
Der Schreiber dieser Kolumne sagt:
Geht diesen Weg nicht mit.
Der Schreiber nennt 2 Beispiele.
Das erste Beispiel ist töricht.
Töricht bedeutet: Dumm und gefährlich.
Ein hoher Soldat aus Frankreich sagte:
Frankreich muss stark sein.
Wir müssen bereit sein unsere Kinder zu verlieren.
Das zweite Beispiel ist klug.
Ein Theater-regisseur arbeitet in München.
Er ist der Chef bei einem Theater-Stück.
Er sagt den Schauspielern wie sie spielen sollen.
Er macht ein Theater-stück von Friedrich Schiller.
Das Stück heißt: Wallensteins Lager.
In dem Stück sprechen einfache Soldaten.
Diese Soldaten nennt man auch: Kanonen-futter.
Der Regisseur sagt:
Schiller zeigt eine Kriegs-maschine.
Das ist eine Waffe im Krieg.
Zum Beispiel ein Panzer oder ein Kampf-Flugzeug.
Diese Maschine läuft von alleine.
Niemand kann sie mehr stoppen.
Im Stück steht ein wichtiger Satz:
Wenn die Kugel aus dem Gewehr kommt dann lebt sie.
Der Regisseur sagt weiter:
Das ist auch heute so.
Die Kriegs-maschinen laufen uns davon.
Wir können sie nicht mehr kontrollieren.
Das ist eine wichtige Erkenntnis.
Man versteht etwas Neues.
Man lernt etwas und weiß jetzt mehr als vorher.
Das sollten wir verstehen.
Der Schreiber sagt noch etwas Wichtiges:
Manche Menschen sagen vielleicht:
Aber wir leben doch in einer Demokratie.
Demokratie bedeutet: Das Volk entscheidet.
Der Schreiber empfiehlt ein Radio-gespräch.
Das Gespräch heißt: Wer regiert die Welt.
Den Link zu dem Gespräch findet ihr hier:
Das Gespräch ist vom SWR.
SWR bedeutet: Süd-west-rundfunk.
Das ist ein Radio-sender.
In der Audio-Thek kann man sich Geschichten anhören.
Foto: Hans-Willi Weis
Staufen (kobinet) Solche, die Wasser predigen und selber Wein trinken und letzteres nicht einmal heimlich – zu dieser Sorte Leute zählen auch die Neujahrs-BotschafterInnen, die von der Allgemeinheit fordern, den Gürtel enger zu schnallen und "gemeinsam Opfer zu bringen". Während sie sich selber davon ausnehmen und schamlos an einer extremen sozialen Ungleichheit nichts auszusetzen haben. Aber "der Sozialstaat"! Nicht länger finanzierbar! Zum Beispiel Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, unbezahlbar! Und was dem Gerede von der solidarischen Opfergemeinschaft die Krone aufsetzt, Aufopferungsbereitschaft wird nun auch wieder für einen bevorstehenden Krieg verlangt. Einen Krieg, "wie zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern" (NATO-Generalsekretär Rutte), ergo mit Abermillionen Toten, Traumatisierten. Kriegsversehrten.
Wenn dies der von den Herrschenden und ihrer Gefolgschaft vorgezeichnete Weg fürs neue Jahr ist, dann lautet die Neujahrsempfehlung des Kolumnisten: Geht diesen Weg nicht mit, er führt ins Verderben!
Um zu verdeutlichen, was auf dem Spiel steht, zwei Wortmeldungen noch, eine törichte und eine kluge. Zuerst die törichte:
Kürzlich sagte ein hoher Militär aus dem Führungsstab der französischen Streitkräfte bei einer öffentlichen Rede, es fehle Frankreich „an Seelenstärke“ und präzisierte dann, „wenn unser Land schwach wird und es nicht bereit ist, zu akzeptieren, dass es seine Kinder verliert, wenn wir dazu nicht bereit sind, sind wir in Gefahr“.
Die kluge Wortmeldung, die des Theaterregisseurs an den Münchner Kammerspielen, der dort „Wallensteins Lager“ von Friedrich Schiller inszeniert. Er hält diesen Teil von Schillers Trilogie für den interessantesten, „wo quasi das Kanonenfutter spricht“. Und weiter wörtlich: „Schiller skizziert ja in dem Drama eigentlich eine Kriegsmaschinerie, eine Kriegsmaschinerie, die ihren Schöpfern davon läuft und das ist ja auch ein bisschen unsere Realität. Denn da steht der Satz drin in dem Stück, wenn die Kugel raus ist aus dem Lauf, dann ist sie kein totes Werkzeug mehr, sondern sie lebt. Und diesen Satz haben wir über unsere Arbeit geschrieben und ich glaube, das ist eine Erkenntnis dieser Tage, dass die Kriegsmaschinen uns davonlaufen …“ (aus einem Forumsgespräch auf SWR Kultur, 11/2025).
P.S. Da ich von „den Herrschenden“ spreche, die uns das „Gürtel enger schnallen“ verordnen und jetzt auch wieder Opferbereitschaft im Krieg schmackhaft machen wollen, rechne ich mit dem Einwand „aber wir leben doch in einer Demokratie“. Uns so empfehle ich diesbezüglich als einen zweiten guten Vorsatz fürs neue Jahr, sich mutig einem unvermeidlichen Realitätsschock auszusetzen und das SWR-Forumsgespräch „Wer regiert die Welt“ anzuhören.
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d18d737c9b265e19/
Foto: Hans-Willi Weis
Staufen (kobinet) Solche, die Wasser predigen und selber Wein trinken und letzteres nicht einmal heimlich – zu dieser Sorte Leute zählen auch die Neujahrs-BotschafterInnen, die von der Allgemeinheit fordern, den Gürtel enger zu schnallen und "gemeinsam Opfer zu bringen". Während sie sich selber davon ausnehmen und schamlos an einer extremen sozialen Ungleichheit nichts auszusetzen haben. Aber "der Sozialstaat"! Nicht länger finanzierbar! Zum Beispiel Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, unbezahlbar! Und was dem Gerede von der solidarischen Opfergemeinschaft die Krone aufsetzt, Aufopferungsbereitschaft wird nun auch wieder für einen bevorstehenden Krieg verlangt. Einen Krieg, "wie zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern" (NATO-Generalsekretär Rutte), ergo mit Abermillionen Toten, Traumatisierten. Kriegsversehrten.
Wenn dies der von den Herrschenden und ihrer Gefolgschaft vorgezeichnete Weg fürs neue Jahr ist, dann lautet die Neujahrsempfehlung des Kolumnisten: Geht diesen Weg nicht mit, er führt ins Verderben!
Um zu verdeutlichen, was auf dem Spiel steht, zwei Wortmeldungen noch, eine törichte und eine kluge. Zuerst die törichte:
Kürzlich sagte ein hoher Militär aus dem Führungsstab der französischen Streitkräfte bei einer öffentlichen Rede, es fehle Frankreich „an Seelenstärke“ und präzisierte dann, „wenn unser Land schwach wird und es nicht bereit ist, zu akzeptieren, dass es seine Kinder verliert, wenn wir dazu nicht bereit sind, sind wir in Gefahr“.
Die kluge Wortmeldung, die des Theaterregisseurs an den Münchner Kammerspielen, der dort „Wallensteins Lager“ von Friedrich Schiller inszeniert. Er hält diesen Teil von Schillers Trilogie für den interessantesten, „wo quasi das Kanonenfutter spricht“. Und weiter wörtlich: „Schiller skizziert ja in dem Drama eigentlich eine Kriegsmaschinerie, eine Kriegsmaschinerie, die ihren Schöpfern davon läuft und das ist ja auch ein bisschen unsere Realität. Denn da steht der Satz drin in dem Stück, wenn die Kugel raus ist aus dem Lauf, dann ist sie kein totes Werkzeug mehr, sondern sie lebt. Und diesen Satz haben wir über unsere Arbeit geschrieben und ich glaube, das ist eine Erkenntnis dieser Tage, dass die Kriegsmaschinen uns davonlaufen …“ (aus einem Forumsgespräch auf SWR Kultur, 11/2025).
P.S. Da ich von „den Herrschenden“ spreche, die uns das „Gürtel enger schnallen“ verordnen und jetzt auch wieder Opferbereitschaft im Krieg schmackhaft machen wollen, rechne ich mit dem Einwand „aber wir leben doch in einer Demokratie“. Uns so empfehle ich diesbezüglich als einen zweiten guten Vorsatz fürs neue Jahr, sich mutig einem unvermeidlichen Realitätsschock auszusetzen und das SWR-Forumsgespräch „Wer regiert die Welt“ anzuhören.
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d18d737c9b265e19/




