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Ein inklusives Gesundheitswesen bedeutet von Beginn an gleichwertig gesehen zu werden

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Sharepic zum Interview Fensterblick Extern mit Dr. Maria Andrino
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Foto: KSL.NRW

Münster / Essen (kobinet)

Dr. Andrino ist promovierte Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin sowie Weiterbildungen in Medizinischer Genetik und in der Medizin für Menschen mit Behinderung. Sie hat beim KSL.NRW-Fachtag "Inklusive Gesundheit – Zugänge zur Inklusion im Gesundheitssystem" einen Impulsvortrag zur medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderungen in NRW gehalten. Ein Interview mit Dr. Maria del Pilar Andrino Garcia führte Wibke Roth vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben in Nordrhein-Westfalen KSL-NRW, bei dem es u.a. um Missstände im Gesundheitswesen und positive Prognosen geht.



Das Gespräch mit ihr wurde aus drei Gründen geführt:

  • Erstens, weil die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) die Triage wieder ins Tagesgeschehen gerückt hat und Missstände im Gesundheitswesen besonders in diesem Kontext deutlich werden.
  • Zweitens, weil nicht nur barrierefreie gynäkologische Versorgung und barrierefrei zugängliche Räumlichkeiten verdeutlichen, dass Inklusion im Gesundheitswesen immer noch weder hinreichend umgesetzt, noch systematisch geplant wird.
  • Drittens: Um Inspirationen für praxisnah gelebte Beispiele für Inklusion im Gesundheitssystem zu finden, haben Ärzt*innen wie Dr. Andrino auf dem Fachtag Vorträge gehalten und gezeigt, wo es hakt, aber auch, wo Zugänge für mehr Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen liegen. Die ärztliche Perspektive im Gesundheitssystem möchten wir zum Ende dieses Jahres und für den Jahresbeginn gerne nochmal beleuchten.

„Es muss ein Umdenken stattfinden, und zwar bei allen Akteur*innen im Gesundheitswesen. Das heißt, nicht nur bei Ärzt*innen, sondern allen Beteiligten und natürlich auch darüber hinaus. Es kann nicht sein, dass wir verlangen, dass in einem System ein Umdenken geschieht und in der Gesellschaft nicht.
Beim medizinischen Personal fehlt die Ansprache von Menschen mit Behinderung häufig. Menschen mit Beeinträchtigungen werden in ihrer gesundheitlichen Teilhabe dadurch behindert, dass häufig weder barrierefrei mit ihnen gesprochen wird noch sie in ihrer Entscheidungsautonomie gesehen werden. Nicht selten führt medizinisches Personal eher ein Gespräch mit den Eltern oder Betreuern, als mit dem Menschen mit Behinderung, um den es aber geht. In der Pandemie ist das sehr deutlich geworden, dass Menschen mit Behinderung unter- oder fehlversorgt sind. Das hat sich seither auch nicht geändert und bei der Frage, was am Ehesten in einem zukünftigen inklusiven Gesundheitswesen geändert werden sollte, gäbe es eine einfache Antwort: Menschen mit Behinderung und hier insbesondere Menschen mit Beeinträchtigung der Intelligenzentwicklung wünschen sich, dass sie vom medizinischen Personal wahr- und ernst genommen werden. Eigentlich nur das, was sich jeder wünscht – als aufgeklärte Patient*innen selbst verstehen und entscheiden. Ein inklusives Gesundheitswesen bedeutet von Beginn an gleichwertig gesehen zu werden. Eine leider nicht vorhandene Alltagsrealität“, betonte Dr. Andrino u.a. im Interview.

Link zum vollständigen Interview