Staufen (kobinet)
Es gibt einen Preis für ein Hör-Spiel.
Ein Hör-Spiel ist wie ein Film.
Aber man sieht nichts.
Man hört nur zu.
Menschen sprechen.
Es gibt Geräusche.
Man hört eine Geschichte.
Ein Preis ist eine Auszeichnung.
Man bekommt einen Preis für etwas Gutes.
Zum Beispiel: Anna hat gut gelernt.
Dafür bekommt Anna eine Urkunde.
Das Hör-Spiel heißt: Auch wenn es dunkel ist.
Das Hör-Spiel erzählt von einem schlimmen Tag.
Der Tag war am 7. Oktober.
In dem Hör-Spiel sprechen Menschen.
Diese Menschen haben den Tag überlebt.
Überlebt bedeutet: Eine Person war in Gefahr.
Die Person ist nicht gestorben.
Die Person lebt noch.
Zum Beispiel: Paul hatte einen Unfall.
Paul hat überlebt.
Das Hör-Spiel hat der rbb gemacht.
Der rbb ist ein Radio-Sender.
Man konnte das Hör-Spiel am Samstag-Abend hören.
Es lief auf Deutschland-Funk.
Deutschland-Funk ist auch ein Radio-Sender.
Die Macher haben die Berichte gut ausgewählt.
Sie vertrauen auf die Fantasie der Zuhörer.
Fantasie bedeutet: neue Ideen haben.
Man denkt sich Sachen aus.
Man stellt sich Dinge vor.
Sie zeigen das Schlimme nicht zu direkt.
Im Internet gibt es oft sehr schlimme Bilder.
Diese Bilder zeigen zu viel Gewalt.
Das Hör-Spiel ist anders gemacht.
Die Zuhörer müssen sich anstrengen.
Sie müssen gut auf-passen.
Auf-passen bedeutet: Man hört genau zu.
Man denkt nur an eine Sache.
Man lässt sich nicht ablenken.
Zum Beispiel: Lisa passt bei ihrer Aufgabe auf.
Sie sollen mit-fühlen.
Mit-fühlen bedeutet: Man versteht die Gefühle von anderen.
Man spürt: Wie geht es anderen?
Zum Beispiel: Tom fühlt mit Anna mit.
Anna ist traurig.
Sie sollen das Leid mit-fühlen.
Leid bedeutet: Ein Mensch fühlt sich sehr schlecht.
Der Mensch ist traurig.
Oder der Mensch hat Schmerzen.
Dem Menschen geht es nicht gut.
Das Leid ist sehr groß.
Menschen haben anderen Menschen Schlimmes angetan.
Zuerst sollte es eine Lesung werden.
Eine Lesung ist eine Veranstaltung.
Eine Veranstaltung ist ein Treffen.
Menschen kommen zusammen.
Sie machen etwas zusammen.
Zum Beispiel: Ein Konzert.
Oder eine Feier.
Dort lesen Menschen Texte vor.
Die Macher suchten einen Raum in Berlin.
Sie fanden keinen Raum.
Das ist sehr traurig.
Deshalb empfehlen wir das Hör-Spiel.
Man kann das Hör-Spiel im Internet hören.
Das Hör-Spiel ist ein Podcast.
Ein Podcast ist eine Sendung zum Hören.
Du kannst den Podcast im Internet anhören.
Der Podcast ist wie Radio im Internet.
Das Hör-Spiel kann schwer sein.
Es kann traurig machen.
Aber es ist wichtig.
Man sollte Mut haben.
Man sollte zu-hören.
Der Autor hat das Hör-Spiel gehört.
Danach tat ihm das Herz weh.
Aber er konnte es aushalten.
Er hat sehr genau zugehört.
Das war wichtig für ihn.
Das Hör-Spiel macht die Toten nicht lebendig.
Es macht das Zerstörte nicht heil.
Aber vielleicht hilft es den Überlebenden.
Überlebende sind Menschen.
Diese Menschen haben eine sehr schlimme Zeit erlebt.
Die Menschen haben diese Zeit überlebt.
Diese Menschen leben noch.
Vielleicht hilft es auch uns.
Es hilft uns: Wir können mit dem Schlimmen leben.
Es hilft uns: Wir können weiter-machen.

Foto: ht
Staufen (kobinet) ist die Auszeichnung von "Auch wenn es dunkel ist – Berichte vom 7. Oktober" als Hörspiel des Monats (vom rbb produziert, auf Deutschlandfunk zu hören am vergangenen Samstagabend). Stimmen von Überlebenden des Massakers und Originaltondokumente. Behutsam ausgewählt, auf die Imagination der Zuhörenden vertrauend. Keine voyeuristische Ausstellung des Grauens (wie die im Netz schamlos ausgestellten Schreckensbilder und Videos). Gefordert von den Zuhörenden ist die Anstrengung des Versuchs, für die Dauer einer Hörspielstunde eine Winzigkeit mitzutragen von einem unermesslichen Leid, von Schmerz und Trauer. Zugefügt durch menschliche Grausamkeit, die die Sprache verschlägt.
Der Hörspielfassung des „Stoffs“ ging der künstlerischen Form nach voraus eine „szenische Lesung“. Dieses Projekt scheiterte daran, dass sich die Autoren in Berlin vergeblich um den dazu nötigen Bühnenraum bemüht haben. Die sprachlos machende Würdelosigkeit einer hauptstädtischen Kulturszene, noch immer möchte ich es nicht für möglich halten. Ein Grund mehr, auf kobinet euch den Hörspiel-Podcast ans Herz und ans Ohr zu legen.
Triggerwarnung? Möchte ich lieber keine geben, nehmt euren Mut zusammen, was kann euch beim Zuhören schon passieren. Mir hat hinterher das Herz wehgetan, verkraftbar. Wie Walter Benjamins „Engel der Geschichte“ mit weit aufgerissenen Augen auf den Trümmerhaufen der Geschichte starrt, ein wenig so saß ich in meinem Sessel mit weit aufgesperrten Ohren. Das Zerstörte wird dadurch nicht wieder ganz oder heil, die Toten nicht wieder erweckt und lebendig. Vielleicht aber erwächst aus der konzentrierten Hinwendung und ihrem Eingedenken eine „schwache messianische Kraft“, die den Überlebenden dort und uns Lebenden hier hilft, in Anbetracht des Schreckens in unserer Welt überhaupt weiterzuleben.
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:58e5b6a105038a7f/

Foto: ht
Staufen (kobinet) ist die Auszeichnung von "Auch wenn es dunkel ist – Berichte vom 7. Oktober" als Hörspiel des Monats (vom rbb produziert, auf Deutschlandfunk zu hören am vergangenen Samstagabend). Stimmen von Überlebenden des Massakers und Originaltondokumente. Behutsam ausgewählt, auf die Imagination der Zuhörenden vertrauend. Keine voyeuristische Ausstellung des Grauens (wie die im Netz schamlos ausgestellten Schreckensbilder und Videos). Gefordert von den Zuhörenden ist die Anstrengung des Versuchs, für die Dauer einer Hörspielstunde eine Winzigkeit mitzutragen von einem unermesslichen Leid, von Schmerz und Trauer. Zugefügt durch menschliche Grausamkeit, die die Sprache verschlägt.
Der Hörspielfassung des „Stoffs“ ging der künstlerischen Form nach voraus eine „szenische Lesung“. Dieses Projekt scheiterte daran, dass sich die Autoren in Berlin vergeblich um den dazu nötigen Bühnenraum bemüht haben. Die sprachlos machende Würdelosigkeit einer hauptstädtischen Kulturszene, noch immer möchte ich es nicht für möglich halten. Ein Grund mehr, auf kobinet euch den Hörspiel-Podcast ans Herz und ans Ohr zu legen.
Triggerwarnung? Möchte ich lieber keine geben, nehmt euren Mut zusammen, was kann euch beim Zuhören schon passieren. Mir hat hinterher das Herz wehgetan, verkraftbar. Wie Walter Benjamins „Engel der Geschichte“ mit weit aufgerissenen Augen auf den Trümmerhaufen der Geschichte starrt, ein wenig so saß ich in meinem Sessel mit weit aufgesperrten Ohren. Das Zerstörte wird dadurch nicht wieder ganz oder heil, die Toten nicht wieder erweckt und lebendig. Vielleicht aber erwächst aus der konzentrierten Hinwendung und ihrem Eingedenken eine „schwache messianische Kraft“, die den Überlebenden dort und uns Lebenden hier hilft, in Anbetracht des Schreckens in unserer Welt überhaupt weiterzuleben.
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:58e5b6a105038a7f/




