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Fußball-Weltmeisterschaft – ohne mich: #NichtmeineWM

Redaktioneller Hinweis: Für Artikel der Kategorie "Kolumne" sind ausschließlich die Autoren verantwortlich. Dies gilt auch für deren Äußerungen in den Lesermeinungen sowie für die Moderation der Kommentare zu deren Beiträgen. Die Inhalte geben nicht die Meinung der Redaktion oder des Trägervereins wieder. Inhaltliche Kritik richten Sie bitte direkt an die Autoren per Email.
Sharepic: Ottmar Miles-Paul mit #NichtmeineWM
Sharepic: Ottmar Miles-Paul mit #NichtmeineWM
Foto: Martin Ladstätter

Kassel (kobinet) In diesen Tagen gibt es vieles, über das man sich aufregen kann. Die Buckelei des FIFA-Chefs Gianni Infantino vor Donald Trump bei der Gruppenauslosung für die Fußballweltmeisterschaft der Männer am 5. Dezember 2025 in Washington, D.C. mit der Verleihung des vor kurzem extra geschaffenen Friedenspreis des Fußball-Weltverbands FIFA an den US-Präsidenten schlägt für Ottmar Miles-Paul jedoch dem Faß den Boden aus. Die vermeintlich schönste Nebensache der Welt verkam an diesem Tag endgültig zu einem völlig abgehobenen und unwürdigen Politspektakel für einen Mann, der Werte wie Respekt, Vielfalt oder gar Inklusion, die im Sport gerne hochgehalten werden, mit Füßen tritt. Schweren Herzens hat der Fußballfan und Behindertenrechtler daher entschieden, dass diese WM nicht seine WM ist, was er mit dem Hashtag #NichtmeineWM und im folgenden Kommentar für die kobinet-nachrichten zum Ausdruck bringt.

Kommentar von Ottmar Miles-Paul

Von Katar zu Amerika First

Schlimmer geht anscheinend immer. Waren die Rahmenbedingungen und die anscheinend nicht endende Geldgier sowie die Anbiederung der FIFA an Akteur*innen, für die die Achtung von Menschenrechten nicht im Vordergrund stehen, während der letzten Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2022 in Katar schon eine Herausforderung für kritisch denkende Fußabllfans, kennt die FIFA diesbezüglich anscheinend keine Grenzen. Mit den Austragungsorten der WM in Mexiko, den USA und Kanada für die Spiele vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 finden viele Spiele nun in einem Land statt, das nicht müde wird, hervorzuheben, dass America First die Maxime ihres Handelns ist.

Unwillkommene Gäste in den USA

Auch wenn die Entscheidung für die Austragungsorte der WM schon vor längerer Zeit und unabhängig davon getroffen wurde, wer zu dieser Zeit das politische Sagen hat, findet die WM nun auch und entscheidend in den USA statt. Einem Land, wie den USA, in dem man derzeit nicht sicher sein kann, dass Menschen – und damit auch Fußballfans – aus anderen Ländern willkommen sind. Dass sie mit Respekt behandelt werden, sie überhaupt einreisen dürfen oder gar wegen ihrer Herkunft von den Migrantenjägern der ICE verhaftet werden könnten. Ein Land, dass eine massive Hetzjagd gegen alle und alles betreibt, was nicht dem rechten Gedankengut von Donald Trump und vielen Republikaner*innen entspricht. Werte wie Diversität, Gleichstellung und Inklusion wurden und werden von der US-Regierung unter Donald Trump massiv bekämpft und Menschen, die anders als der angestrebte Mainstream sind, haben es zuweilen richtig schwer. Wir reden hier auch von einem Land, in dem der Präsident nicht müde wird, täglich Menschen und ganze Menschengruppen zu beleidigen, herabzuwürdigen und juristisch anzugreifen und mit Schadenersatzforderungen zu überziehen. Ein Land, in dem Recht und Gesetz immer mehr mit Füßen getreten werden und die Reichen, die sich um Donald Trump versammeln, ihre Ellenbogen immer mehr einsetzen und jegliche Scham verloren haben. Es geht hier vor allem auch um ein Land, das massiv versucht, seine menschenrechtsfeindliche Ideologie anderen Ländern und Akteur*innen aufzudrängen.

FIFAs unwürdige Kumpelei mit Trump

Bei dieser Ausgangssituation wäre von der FIFA Fingerspitzengefühl gefordert, mit dem deutlich gemacht wird, dass der Sport und nicht die Anbiederung an die Politik im Vordergrund steht. Doch anscheinend hat die FIFA und vor allem deren Chef jeglichen Anstand verloren und sich auf eine widerwärtige und für den Sport unwürdige Kumpelei mit Donald Trump eingelassen. Nicht nur, dass diese WM zusätzlich aufgebläht wurde und damit noch mehr Geld gescheffelt wird, wird nun kräftig vor Donald Trump gebuckelt. Nun wurde dieser sogar noch mit einem Friedenspreis ausgezeichnet und von den Funktionären brav beklatscht. Erfinderisch wie der FIFA-Chef und seine Gefolgsleute sind, wurde extra ein neuer Friedenspreis der FIFA geschaffen und dieser – wie könnte es anders sein – an Donald Trump verliehen. An einen Egomanen, der schon massiv und in unwürdigster Weise versucht hat, Druck auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn auszuüben. Zum Glück hat das Auswahlkommittee diesem unwürdigen Getue des US-Präsidenten widerstanden. Doch da gibt es ja die FIFA und die Kumpelei deren Chefs mit Donald Trump.

Der Bock wird zum Gärtner

Mit Donald Trump, der mit seinem Wirken so viel Unruhe in der Welt schafft, der keine Grenzen der Verletzung von Anstand und Würde zu kennen scheint, dem Putin als Aggressor gegen die Ukraine mit täglichen massiven Angirffen auf das ukrainische Volk anscheinend näher ist als das angegriffene Volk der Ukraine, wird durch diese Auszeichnung der Bock zum Gärtner gemacht. Ein Mann, von dem man nie weiß, ob er demnächst Venezuela angreift und der Schiffe bombardieren lässt, erhält den Friedenspreis der FIFA – und das völlig ohne Not oder Anlass. Immer wieder setzt Donald Trump sogar Kanada, als Mitaustragungsort der WM durch höhere Zölle und der Nötigung des Anschlusses an die USA. Mexiko hat er düpiert mit der Änderung des Namens Golf von Mexico in Gold von Amerika. Mit der Auszeichnung eines solchen Mannes mit einem Friedenspreis hat die FIFA und damit der Fußball sich einen Bärendienst erwiesen, denn offensichtlicher hätte die FIFA nicht ihr wahres Gesicht zeigen können, dass Geld regiert und der Fußball tatsächlich eine Nebensache ist. Und spätestens seit dem 5. Dezember ist dieser leider auch keine schöne Nebensache mehr.

Persönliche Konsequenz: Ich bin raus

Auch wenn es keinerlei Auswirkungen haben dürfte, es wohl niemanden schert und schon gar nicht der FIFA in irgendeiner Art und Weise weh tun wird, ich bin raus. So sehr ich Fußball liebe, so sehr ich bei früheren Fußball-Weltmeisterschaften mitgefiebert habe, so sehr ich auch die soziale Komponente des gemeinsamen Fußballschauens schätze, umso klarer ist nun für mich: „Dies ist nicht meine WM – ich werde mir 40 Tage lang andere Nebensachen suchen und mich nicht die Bohne darum scheren, wer wie und wo den Ball kickt oder vor Donald Trump den Buckel macht, sich inszeniert und Geld scheffelt.

Macht euren Scheiß allein – #NichtmeineWM!

Link zum ntv-Bericht „Trump stolz auf ‚Preis für mich‘: Johnny schenkt Donnie einen perfekten Tag“ vom 6. Dezember 2025

Lesermeinungen

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1 Lesermeinung
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Silvia Hauser
06.12.2025 12:34

Mensch, Ottmar, das hört sich aber traurig an, Dein „Da bin ich raus“. Lass Dir von einem erklärten Fußballmuffel einen aufmunternden oder wie wir sagen empowernden Rat geben:
Fussball ist nun wirklich der harmloseste Nebenkriegsschauplatz auf dem schönen Erdenrund!
Lass Dir von diesen Infantilos, von Infantino und Trumpino, bloß nicht Deinen Weltmeisterschaftsfussball vermiesen. Mir is ein alter Heinz-Rühmann-Schlager in den Sinn gekommen, den ich Dir zum Mitsingen empfehle, ich habe ihn gleich selber geträllert:
„Das kann doch einen Seebär nicht erschüttern …“

https://www.youtube.com/watch?v=AbYHF6ymAO4

Gruß von Hans-Willi