Staufen (kobinet)
Nudging heißt: Menschen beeinflussen
Nudging ist ein Begriff aus der Werbung.
Das bedeutet: Sanftes Stupsen.
Menschen werden zu einer Entscheidung gebracht.
Das passiert ohne Zwang.
Ein Beispiel: Gesundes Essen steht im Laden ganz vorne.
Man will das Verhalten von Menschen ändern.
Früher nannte man das: Manipulation.
Das heißt: Jemand beeinflusst dich heimlich.
Du merkst das oft nicht.
Die Person will, dass du etwas tust.
Das ist nicht ehrlich.
Viele Politiker sagen: Die Welt hat sich geändert.
Sie sagen: Putin ist schuld.
Sie sagen: Putin ist gefährlich.
Deshalb müssen wir uns schützen.
Der Deutschland-Funk berichtet darüber.
Der Deutschland-Funk fragt oft:
Versteht die Bevölkerung das?
Ist die Bevölkerung bereit für Veränderungen?
Der Verteidigungs-Minister heißt Boris Pistorius.
Er ist der Chef von der Bundes-Wehr.
Er leitet die Armee von Deutschland.
Er sagt: Unsere Lebens-Art ist bedroht.
Eine Redakteurin vom Deutschland-Funk fragt:
Versteht die Bevölkerung diese Gefahr?
Manche Journalisten verwenden starke Worte.
Ein Journalist schreibt Texte für Zeitungen.
Ein Journalist sagt: Wir müssen Putin unter Druck setzen.
Eine Expertin sagt: Russland bleibt lange unser Feind.
Sie sagt: Vielleicht für Jahr-Zehnte.
Junge Menschen und der Militär-Dienst
Eine junge Soldatin war in einer Fernseh-Sendung.
Die Sendung heißt: Hart aber Fair.
Die Soldatin ist freiwillig bei der Bundes-Wehr.
Das ist die Armee von Deutschland.
Soldaten und Soldatinnen arbeiten dort.
Sie sagt: Der Dienst ist spannend.
Sie kann ihre Grenzen kennen-lernen.
Sie kann ihre Grenzen erweitern.
Das ist für sie eine gute Erfahrung.
Früher gab es einen Schrift-Steller.
Er hieß Ernst Jünger.
Er schrieb über den Ersten Welt-Krieg.
Er beschrieb Kampf als ein Erlebnis.
Heute erleben Soldaten in der Ukraine das.
Jeden Tag gibt es dort Kämpfe.
Manche Soldaten sind freiwillig dort.
Andere Soldaten sind nicht freiwillig dort.
Viele ältere Menschen sehen das anders.
Sie haben Angst vor einem neuen Krieg.
Sie erinnern sich an frühere Kriege.
Sie wollen keinen neuen Krieg.
Frauen und der Militär-Dienst
Manche Frauen wollen auch zum Militär.
Das ist die Armee von einem Land.
Menschen arbeiten dort als Soldaten.
Sie tragen eine Uniform.
Sie schützen das Land.
Sie wollen sich verteidigen können.
Sie wollen kämpfen können.
Das nennt man: Kriegs-Feminismus.
Feminismus heißt: Frauen und Männer sollen gleiche Rechte haben.
Kriegs-Feminismus heißt: Frauen wollen auch kämpfen dürfen.
Sie wollen die gleichen Rechte wie Männer.
Das gilt auch im Krieg.
Im Deutschland-Funk gab es eine Diskussion.
Das Thema war: Sollen Frauen Wehr-Dienst leisten?
Das heißt: Arbeit bei der Armee.
Junge Menschen gehen zur Armee.
In Deutschland ist das heute freiwillig.
Eine Schrift-Stellerin heißt Myrna Funk.
Sie sagt: Frauen sollen kämpfen können.
Sie sagt: Frauen müssen sich verteidigen können.
Auch im Straßen-Kampf.
Das heißt: Menschen kämpfen auf der Straße.
Das passiert oft in Kriegen.
Auch im Häuser-Kampf.
Das macht manchen Menschen Angst.
Das Suwalki-Lücken-Gehirn
Der Autor hat einen neuen Begriff erfunden.
Der Begriff heißt: Suwalki-Lücken-Gehirn.
Suwalki-Lücke ist ein Ort in Europa.
Der Ort liegt zwischen Polen und Litauen.
Das Gebiet ist sehr schmal.
Viele Menschen machen sich Sorgen um Krieg dort.
Das heißt: Menschen denken nur an Krieg.
Menschen denken nur an Sicherheit.
Der Name kommt von einem Ort in Polen.
Der Ort liegt zwischen Litauen und Russland.
Der Deutschland-Funk hat darüber berichtet.
Dort gibt es viele Soldaten.
Menschen mit diesem Gehirn leben anders.
Sie sehen überall Kampf-Jets.
Sie sehen überall Panzer.
Aber sie fühlen sich sicher dabei.
Der Autor ist damit nicht einverstanden.
Der Autor findet das nicht gut.
Der Autor zitiert einen alten Dichter.
Der Dichter heißt Günter Eich.
Günter Eich sagte vor 60 Jahren:
Seid Sand im Getriebe.
Nicht Öl im Getriebe.
Das bedeutet: Macht nicht alles mit.
Der Autor fragt sich:
Können wir das Suwalki-Lücken-Gehirn stoppen?
Der Autor weiß die Antwort nicht.
Der Autor macht sich Sorgen.
Links zu den Berichten vom Deutschland-Funk:

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Was passiert, wenn ein öffentlich-rechtliches Medium seinen Sendeauftrag zugleich als einen Sendungsauftrag versteht, kann man in der derzeitigen politischen Gemengelage am Deutschlandfunk studieren: Vom ursprünglich neutralen öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag hat er sich zum politisch-hegemonialen Sendungsauftrag gewandelt, von dem der moralisch militärische Komplex beseelt ist. Der in Politik und Medien der Bevölkerung den Kopf zurechtrückt. Damit sie kapiert, was ihrem Schutz und ihrer Sicherheit frommt. Hochrüstung, sich bewaffnen bis an die Zähne und ein klares Feindbild. Das muss rein in die Köpfe, subito!
Die Kunst der Suggestivfrage oder journalistisches Nudging
„Nudging“ nennt sich in der Werbung und in der volkspädagogischen Verhaltenspsychologie die Kunst, Menschen auf subtile oder sanfte Weise, also möglichst unmerklich zu beeinflussen, d. h. das Verhalten einzelner Menschen oder einer ganzen Population zu verbessern, sie dahin zu bringen, wo man sie haben will. Manipulation hieß das früher. Die Welt hat sich jedoch geändert, ist anscheinend aus heiterem Himmel eine andere geworden. Aber es gibt einen Schuldigen, der politische Schlechtwettermacher Petrus Putin. Und weil Putin ante portas, treibt den um unsere Sicherheit besorgten öffentlich-rechtlichen Nachrichtenjournalismus vor allem die Frage um: Ist das auch in der Bevölkerung angekommen? Und ist sie bereit, die von der Politik zu ihrem Schutz unternommenen Schritte mitzugehen? Sich ohne Murren und Widerstreben das entsprechende Mindset verpassen zu lassen?
Sagt der Verteidigungsminister, „unsere Art zu leben ist bedroht“, so fragt die Deutschlandfunk-Redakteurin ihren von der Pistoriusrede berichtenden Korrespondenten, „ist das in der Bevölkerung angekommen?“ Soll heißen, sieht die Bevölkerung das auch so, fühlt sie ihr Art zu leben bedroht oder sollte und müsste da nicht viel mehr getan werden, geschehen, dass endlich alle diese Bedrohung sehen und fühlen. Was kann die Politik, was können wir Medienleute noch darüber hinaus tun, um, gemäß unserem Sendungsbewusstsein, die zeitenwendlich neue Weltsicht zügig in die Köpfe der Menschen zu kriegen. Auf alle Fälle Arbeit am Feindbild. Ihrem Senderkollegen Stefan Armbruster (oder war es Kollege Dirk Müller?) ist in Sachen Feindbild eine griffige Metapher eingefallen, dem Hörerpublikum auf die Sprünge zu helfen: „Heißt, wir müssen Putin die Daumenschrauben anlegen“, so verdeutlicht er die Worte seines USA-Korrespondenten dahingehend, wozu die „Koalition der Willigen“ Trump jetzt umstimmen müsse. Der Russlandexpertin des Senders Gesine Dornblüth genügt das nicht, sie schaltet einen Gang höher: Man dürfe die deutsche Bevölkerung auf keinen Fall glauben machen, nach Putin werde es besser, nach einem Sieg über diese Verkörperung des Bösen, könne man hierzulande zu der alten russlandfreundlichen Politik zurückkehren. Weit gefehlt, Russland werde auf Jahrzehnte hin unser Feind bleiben! Ein gefährlicher Feind, den wir uns nur bewaffnet vom Hals halten, durch militärische Abschreckung, mit einer starken und kriegstüchtigen Bundeswehr und wenn es sein muss, mit Krieg.
Die Rückkehr von Kampf und Krieg als „inneres Erlebnis“
Auf Jahrzehnte hin, was für eine Ansage! Eine tolle Aussicht eventuell für die Jüngeren, die taffen und fitten unter ihnen. Wie jene junge Soldatin, eine Bundeswehr-Freiwillige, die in der TV-Talksendung „Hart aber Fair“ (vom 22.9.2025) bekennt: Der Dienst in den Streitkräften und mithin die Möglichkeit auch im Kriegsfall ihren Mann/Frau stehen zu müssen, sei ihr eine willkommene Gelegenheit, „ihre persönlichen Grenzen kennenzulernen, zu erweitern und auszutesten“. Selbstoptimierung unlimited sozusagen. „Kampf und Krieg als inneres Erlebnis“ hieß dieses Hochgefühl bei Ernst Jünger, dem Autor der „Stahlgewitter“, jenem legendären Kriegstagebuch von den Schlachtfeldern und Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Das ist lange her. Desto größer womöglich die Neugier und Bereitschaft heutiger Jünglinge, Mädels und sonstiger Gender, dies wieder erleben zu dürfen. Dieses (wenn man Ernst Jünger und anderen soldatischen Männern von einst Glauben schenken darf) schlechterdings unvergleichliche Flow-Gefühl, das eben nur der Krieg im Gepäck hat, sobald einem die Schrapnells (heute die Drohnen) um die Ohren fliegen. Russische und ukrainische Soldaten und Soldatinnen, freiwillige und unfreiwillige, kommen bereits tagtäglich in den Genuss solcher Erlebnisse.
Alles andere als begeistert von der Aussicht auf einen neuen, Jahrzehnte währenden Ostfeldzug und dessen Erlebnisversprechen sind viele aus der älteren Generation. Umso schwerer tun sie sich mit der ihnen von den öffentlich-rechtlichen Anstalten verordneten Gehirnwäsche im Geist der neuen Zeit. In welchem sie den alten, überwunden geglaubten militaristischen Ungeist am Werk sehen. Das ungenierte Kriegs-Tamtam der Kiesewetter, Röttgen, von der Leyen, Strack-Zimmermann auf politischer Bühne und der Armbruster, Pindur, Dornblüth und Sabine Adler an der medialen Front, der Deutschlandfunk-Kriegsberichterstattungsfront, dort nicht zuletzt die unentwegt befragten Rüstungs- und Kriegstrommler aus der Wissenschaft und den Thinktanks, die Mölling, Masala, Neitzel, Florence Gaub – ihre von morgens bis abends über den Sender verbreitete „Agitation“ (das Urteil des ZEIT-Jounalisten Jens Jessen) macht uns Ältere, Menschen wie mich, fassungslos, sprachlos beinahe.
Das Suwalki-Lücken-Gehirn, ist dessen Vormarsch noch zu stoppen?
Fehlt noch ein Wort zum Phänomen Kriegsfeminismus. Ja, ihr habt euch nicht verlesen. Als postheroisch sozialisierter, nichtsoldatischer Mann wundere ich mich besonders über den geradezu enthusiasmierten, begeisterten Bellizismus einer woken oder pseudowoken Weiblichkeit. Ihren Eifer, ihre die männlichen Kollegen übertreffende Eilfertigkeit und Nonchalence beim gedanklichen Drehen an der Eskalationsspirale, wann welches Waffensystem als Nächstes an der Reihe ist. Zum Beispiel – und wiederum auf meinem geliebten Deutschlandfunk – fragt die diensthabende Redakteurin, „jetzt werden die Tomahawks geliefert?“ Von Tomahawks war im Bericht des Korrespondenten überhaupt nicht die Rede, lediglich von Trumps Verstimmung über Putin und ob das ein Ansatzpunkt für die Europäer sein könnte, ihn zum Druckmachen auf Putin zu bewegen. Blitzschnell reagiert ihr kriegsertüchtigtes Redakteurinnengehirn und kombiniert messerscharf: Trump sauer auf Putin, ergo die Tomahawks sind fällig.
Nach meinem Dafürhalten zur Höchstform weiblicher Kriegstüchtigkeit läuft indes die Publizistin und Schriftstellerin Myrna Funk auf. In der Deutschlandfunk „Streitkultur“ zum Thema, ob auch Frauen Wehrdienst leisten sollten, besteht sie in einem atemlosen Palaver mit Kollegin Nele Pollatscheck darauf, sich auch als Frau alle militär- und waffentechnischen Skills draufzuschaffen. Um fit zu sein für den Straßen- und Häuserkampf. Aufs Lebhafteste stellt man sich dabei die Jüdin und Israelin Myrna Funk vor, wie sie einer weiblichen Furie gleich in einem dem Häuserkampf in Gaza-Stadt nachempfundenen deutschen Stadtkriegsszenario mit der Waffe in der Hand sich und ihr Kind gegen die einmarschierenden Russen und ihre Proxys verteidigt. Angesichts eines solch vorbildlichen Role-Models weiblicher Kriegstüchtigkeit sollte eigentlich niemandem, ob Frau oder Mann oder irgendetwas dazwischen, vor der Zukunft bange sein.
Oder muss einem, wenn man sich das anhört, nicht erst recht angst und bange werden? Wie schaut ein in der nämlichen Weise für die kommenden Jahrzehnte, sagen wir die nächsten vierzig Jahre, getrimmtes Menschenhirn aus? Ein auf Verteidigung und Sicherheit, Abschreckung und Feindabwehr, Häuser- und Straßenkampf gebürstetes Gehirn? Das sich in diesem haarsträubenden Szenario häuslich einrichtet und uns gestattet, unserem Alltag nachzugehen als wäre nichts. Dieses phänomenale Mindset, stelle ich mir vor, besitzt die Beschaffenheit eines Suwalki-Lücken-Gehirns. Seine BesitzerInnen sagen sich ständig innerlich die sprichwörtliche Zauberformel vor, „wer Frieden will, bereitet den Krieg vor“. Das Hinwegdonnern von Kampfjets über ihre Köpfe und das Vorbeigleiten amerikanischer Abrahams-Panzer auf einem Güterzug vermittelt ihnen dann ein unerschütterliches Sicherheitsgefühl. Beruhigt und in aller Gelassenheit kaufen sie auf dem Wochenmarkt ihre Salatgurken ein.
Wer wissen möchte, wie bzw. woher ich mir die Bezeichnung Suwalki-Lücken-Gehirn zusammengereimt habe, höre sich den ca. fünfminütigen Deutschlandfunk-Bericht über das alltägliche Leben in der polnischen Suwalki-Lücke, dem Korridor zwischen Litauen und der russischen Exklave Kaliningrad an. Wie auch der kurze Beitrag über die nächtliche Bundeswehrübung in der Berliner U-Bahn, einer dieser Kurzberichte, mit denen es der Sender einem aufgeschlossenen Hörerpublikum erlauben möchte, das über die Nachrichten und Kommentare Gelernte anhand anschaulicher Apps voller lebensnaher Alltagsausschnitte zu vertiefen.
In etwa so, denke ich, darf man sich gelungene Indoktrination auf öffentlich-rechtlicher Medienbasis vorstellen. – Aber was sage ich zum Schluss denjenigen, denen wie mir das suwalkilückenhafte Gehirn partout nicht behagt, wie es uns vom Deutschlandfunk und anderen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten medial nahegebracht und durch den schwarz-rosa-olivgrünen Mehrheitsblock im Bundestag politisch nahegelegt wird? Ich begnüge mich mit einem Bild des Lyrikers Günter Eich, das gut sechzig Jahre alt ist und das er in die Worte gefasst hat, „Seid Sand, nicht Öl im Getriebe“. Ob diejenigen, die damit etwas anfangen können, dadurch auch in der Lage wären, den Vormarsch oder gar Siegeszug des Suwalki-Lücken-Gehirns noch rechtzeitig zu stoppen? Fragt mich nicht, ich weiß es nicht.
https://www.deutschlandfunk.de/bollwerk-baerlin-grossuebung-der-bundeswehr-in-der-nacht-100.html

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Was passiert, wenn ein öffentlich-rechtliches Medium seinen Sendeauftrag zugleich als einen Sendungsauftrag versteht, kann man in der derzeitigen politischen Gemengelage am Deutschlandfunk studieren: Vom ursprünglich neutralen öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag hat er sich zum politisch-hegemonialen Sendungsauftrag gewandelt, von dem der moralisch militärische Komplex beseelt ist. Der in Politik und Medien der Bevölkerung den Kopf zurechtrückt. Damit sie kapiert, was ihrem Schutz und ihrer Sicherheit frommt. Hochrüstung, sich bewaffnen bis an die Zähne und ein klares Feindbild. Das muss rein in die Köpfe, subito!
Die Kunst der Suggestivfrage oder journalistisches Nudging
„Nudging“ nennt sich in der Werbung und in der volkspädagogischen Verhaltenspsychologie die Kunst, Menschen auf subtile oder sanfte Weise, also möglichst unmerklich zu beeinflussen, d. h. das Verhalten einzelner Menschen oder einer ganzen Population zu verbessern, sie dahin zu bringen, wo man sie haben will. Manipulation hieß das früher. Die Welt hat sich jedoch geändert, ist anscheinend aus heiterem Himmel eine andere geworden. Aber es gibt einen Schuldigen, der politische Schlechtwettermacher Petrus Putin. Und weil Putin ante portas, treibt den um unsere Sicherheit besorgten öffentlich-rechtlichen Nachrichtenjournalismus vor allem die Frage um: Ist das auch in der Bevölkerung angekommen? Und ist sie bereit, die von der Politik zu ihrem Schutz unternommenen Schritte mitzugehen? Sich ohne Murren und Widerstreben das entsprechende Mindset verpassen zu lassen?
Sagt der Verteidigungsminister, „unsere Art zu leben ist bedroht“, so fragt die Deutschlandfunk-Redakteurin ihren von der Pistoriusrede berichtenden Korrespondenten, „ist das in der Bevölkerung angekommen?“ Soll heißen, sieht die Bevölkerung das auch so, fühlt sie ihr Art zu leben bedroht oder sollte und müsste da nicht viel mehr getan werden, geschehen, dass endlich alle diese Bedrohung sehen und fühlen. Was kann die Politik, was können wir Medienleute noch darüber hinaus tun, um, gemäß unserem Sendungsbewusstsein, die zeitenwendlich neue Weltsicht zügig in die Köpfe der Menschen zu kriegen. Auf alle Fälle Arbeit am Feindbild. Ihrem Senderkollegen Stefan Armbruster (oder war es Kollege Dirk Müller?) ist in Sachen Feindbild eine griffige Metapher eingefallen, dem Hörerpublikum auf die Sprünge zu helfen: „Heißt, wir müssen Putin die Daumenschrauben anlegen“, so verdeutlicht er die Worte seines USA-Korrespondenten dahingehend, wozu die „Koalition der Willigen“ Trump jetzt umstimmen müsse. Der Russlandexpertin des Senders Gesine Dornblüth genügt das nicht, sie schaltet einen Gang höher: Man dürfe die deutsche Bevölkerung auf keinen Fall glauben machen, nach Putin werde es besser, nach einem Sieg über diese Verkörperung des Bösen, könne man hierzulande zu der alten russlandfreundlichen Politik zurückkehren. Weit gefehlt, Russland werde auf Jahrzehnte hin unser Feind bleiben! Ein gefährlicher Feind, den wir uns nur bewaffnet vom Hals halten, durch militärische Abschreckung, mit einer starken und kriegstüchtigen Bundeswehr und wenn es sein muss, mit Krieg.
Die Rückkehr von Kampf und Krieg als „inneres Erlebnis“
Auf Jahrzehnte hin, was für eine Ansage! Eine tolle Aussicht eventuell für die Jüngeren, die taffen und fitten unter ihnen. Wie jene junge Soldatin, eine Bundeswehr-Freiwillige, die in der TV-Talksendung „Hart aber Fair“ (vom 22.9.2025) bekennt: Der Dienst in den Streitkräften und mithin die Möglichkeit auch im Kriegsfall ihren Mann/Frau stehen zu müssen, sei ihr eine willkommene Gelegenheit, „ihre persönlichen Grenzen kennenzulernen, zu erweitern und auszutesten“. Selbstoptimierung unlimited sozusagen. „Kampf und Krieg als inneres Erlebnis“ hieß dieses Hochgefühl bei Ernst Jünger, dem Autor der „Stahlgewitter“, jenem legendären Kriegstagebuch von den Schlachtfeldern und Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Das ist lange her. Desto größer womöglich die Neugier und Bereitschaft heutiger Jünglinge, Mädels und sonstiger Gender, dies wieder erleben zu dürfen. Dieses (wenn man Ernst Jünger und anderen soldatischen Männern von einst Glauben schenken darf) schlechterdings unvergleichliche Flow-Gefühl, das eben nur der Krieg im Gepäck hat, sobald einem die Schrapnells (heute die Drohnen) um die Ohren fliegen. Russische und ukrainische Soldaten und Soldatinnen, freiwillige und unfreiwillige, kommen bereits tagtäglich in den Genuss solcher Erlebnisse.
Alles andere als begeistert von der Aussicht auf einen neuen, Jahrzehnte währenden Ostfeldzug und dessen Erlebnisversprechen sind viele aus der älteren Generation. Umso schwerer tun sie sich mit der ihnen von den öffentlich-rechtlichen Anstalten verordneten Gehirnwäsche im Geist der neuen Zeit. In welchem sie den alten, überwunden geglaubten militaristischen Ungeist am Werk sehen. Das ungenierte Kriegs-Tamtam der Kiesewetter, Röttgen, von der Leyen, Strack-Zimmermann auf politischer Bühne und der Armbruster, Pindur, Dornblüth und Sabine Adler an der medialen Front, der Deutschlandfunk-Kriegsberichterstattungsfront, dort nicht zuletzt die unentwegt befragten Rüstungs- und Kriegstrommler aus der Wissenschaft und den Thinktanks, die Mölling, Masala, Neitzel, Florence Gaub – ihre von morgens bis abends über den Sender verbreitete „Agitation“ (das Urteil des ZEIT-Jounalisten Jens Jessen) macht uns Ältere, Menschen wie mich, fassungslos, sprachlos beinahe.
Das Suwalki-Lücken-Gehirn, ist dessen Vormarsch noch zu stoppen?
Fehlt noch ein Wort zum Phänomen Kriegsfeminismus. Ja, ihr habt euch nicht verlesen. Als postheroisch sozialisierter, nichtsoldatischer Mann wundere ich mich besonders über den geradezu enthusiasmierten, begeisterten Bellizismus einer woken oder pseudowoken Weiblichkeit. Ihren Eifer, ihre die männlichen Kollegen übertreffende Eilfertigkeit und Nonchalence beim gedanklichen Drehen an der Eskalationsspirale, wann welches Waffensystem als Nächstes an der Reihe ist. Zum Beispiel – und wiederum auf meinem geliebten Deutschlandfunk – fragt die diensthabende Redakteurin, „jetzt werden die Tomahawks geliefert?“ Von Tomahawks war im Bericht des Korrespondenten überhaupt nicht die Rede, lediglich von Trumps Verstimmung über Putin und ob das ein Ansatzpunkt für die Europäer sein könnte, ihn zum Druckmachen auf Putin zu bewegen. Blitzschnell reagiert ihr kriegsertüchtigtes Redakteurinnengehirn und kombiniert messerscharf: Trump sauer auf Putin, ergo die Tomahawks sind fällig.
Nach meinem Dafürhalten zur Höchstform weiblicher Kriegstüchtigkeit läuft indes die Publizistin und Schriftstellerin Myrna Funk auf. In der Deutschlandfunk „Streitkultur“ zum Thema, ob auch Frauen Wehrdienst leisten sollten, besteht sie in einem atemlosen Palaver mit Kollegin Nele Pollatscheck darauf, sich auch als Frau alle militär- und waffentechnischen Skills draufzuschaffen. Um fit zu sein für den Straßen- und Häuserkampf. Aufs Lebhafteste stellt man sich dabei die Jüdin und Israelin Myrna Funk vor, wie sie einer weiblichen Furie gleich in einem dem Häuserkampf in Gaza-Stadt nachempfundenen deutschen Stadtkriegsszenario mit der Waffe in der Hand sich und ihr Kind gegen die einmarschierenden Russen und ihre Proxys verteidigt. Angesichts eines solch vorbildlichen Role-Models weiblicher Kriegstüchtigkeit sollte eigentlich niemandem, ob Frau oder Mann oder irgendetwas dazwischen, vor der Zukunft bange sein.
Oder muss einem, wenn man sich das anhört, nicht erst recht angst und bange werden? Wie schaut ein in der nämlichen Weise für die kommenden Jahrzehnte, sagen wir die nächsten vierzig Jahre, getrimmtes Menschenhirn aus? Ein auf Verteidigung und Sicherheit, Abschreckung und Feindabwehr, Häuser- und Straßenkampf gebürstetes Gehirn? Das sich in diesem haarsträubenden Szenario häuslich einrichtet und uns gestattet, unserem Alltag nachzugehen als wäre nichts. Dieses phänomenale Mindset, stelle ich mir vor, besitzt die Beschaffenheit eines Suwalki-Lücken-Gehirns. Seine BesitzerInnen sagen sich ständig innerlich die sprichwörtliche Zauberformel vor, „wer Frieden will, bereitet den Krieg vor“. Das Hinwegdonnern von Kampfjets über ihre Köpfe und das Vorbeigleiten amerikanischer Abrahams-Panzer auf einem Güterzug vermittelt ihnen dann ein unerschütterliches Sicherheitsgefühl. Beruhigt und in aller Gelassenheit kaufen sie auf dem Wochenmarkt ihre Salatgurken ein.
Wer wissen möchte, wie bzw. woher ich mir die Bezeichnung Suwalki-Lücken-Gehirn zusammengereimt habe, höre sich den ca. fünfminütigen Deutschlandfunk-Bericht über das alltägliche Leben in der polnischen Suwalki-Lücke, dem Korridor zwischen Litauen und der russischen Exklave Kaliningrad an. Wie auch der kurze Beitrag über die nächtliche Bundeswehrübung in der Berliner U-Bahn, einer dieser Kurzberichte, mit denen es der Sender einem aufgeschlossenen Hörerpublikum erlauben möchte, das über die Nachrichten und Kommentare Gelernte anhand anschaulicher Apps voller lebensnaher Alltagsausschnitte zu vertiefen.
In etwa so, denke ich, darf man sich gelungene Indoktrination auf öffentlich-rechtlicher Medienbasis vorstellen. – Aber was sage ich zum Schluss denjenigen, denen wie mir das suwalkilückenhafte Gehirn partout nicht behagt, wie es uns vom Deutschlandfunk und anderen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten medial nahegebracht und durch den schwarz-rosa-olivgrünen Mehrheitsblock im Bundestag politisch nahegelegt wird? Ich begnüge mich mit einem Bild des Lyrikers Günter Eich, das gut sechzig Jahre alt ist und das er in die Worte gefasst hat, „Seid Sand, nicht Öl im Getriebe“. Ob diejenigen, die damit etwas anfangen können, dadurch auch in der Lage wären, den Vormarsch oder gar Siegeszug des Suwalki-Lücken-Gehirns noch rechtzeitig zu stoppen? Fragt mich nicht, ich weiß es nicht.
https://www.deutschlandfunk.de/bollwerk-baerlin-grossuebung-der-bundeswehr-in-der-nacht-100.html





Bedauerlich, dass sich die Leserin nicht inhaltlich auf meine Ausführungen einlässt.Und auch die Worte „mein geliebter Deutschlandfunk“, was ich nicht ironisch meine, überlesen hat.
Was will sie damit andeuten, dass Meinungsbeiträge wie der meinige für Kobinet schädlich sein könnten? Der versteckte Ruf nach einem kobinet- Verteidigungsminister Borius Zensorius? Ich hoffe nicht, dass sie es so unfreundlich meint.
Hans-Willi Weis
Ganz ehrlich, der allgemein-politische Kommentar ist nicht die Stärke von Kobinet. Der Deutschlandfunk ist kritisierbar, aber er ist das differenzierteste Medium, das wir in Deutschland finden. Ich weiß nicht, ob Kobinet sich mit Beiträgen wie diesen hier einen Gefallen tut.
Nachtrag. Nach der Reportage über den Alltag der Leute in der polnischen Suwalki-Lücke und dem Kurzbericht von der nächtlichen Bundeswehrübung in der Berliner U-Bahn mit den markigen Sprüchen von Oberstleutnant Teichgräber, „knallhart sagen, worum es am Ende geht“ sowie Hauptfeldwebel Marko, „ein Kriegszenario im Endeffekt“, gestern endlich mal andere Töne: Bericht aus einem Berliner Jugendtreff in Neukölln, migrantische Jungs 15- und 16 Jährige wollen sich nicht für die Bundeswehr ködern lassen, sich nicht als potentielles Kanonenfutter zur Verfügung stellen, zeigen sich resistent gegen den militaristischen Ungeist.
Hier der Link: https://www.deutschlandfunk.de/informationen-am-mittag-100.html
i.Auftrag Hans-Willi Weis