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Hamburger Erklärung der Behindertenbeauftragten fordert: Digitale Teilhabe in allen Lebensbereichen sicherstellen

Sharepic zur Hamburger Erklärung der Behindertenbeauftragten
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Foto: Behindertenbeauftragter der Bundesregierung

Hamburg (kobinet) Die Beauftragten des Bundes und der Länder für die Belange von Menschen mit Behinderungen haben auf ihrem 70. Treffen die "Hamburger Erklärung" verabschiedet. Darin fordern sie eine konsequente Digitalisierungspolitik auf Basis der Grundrechte und der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), um Menschen mit Behinderungen eine barrierefreie Nutzung digitaler Technologien sowie umfassende digitale Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Deutschland hat sich mit der Ratifizierung der UN-BRK verpflichtet, Barrierefreiheit auch im digitalen Raum sicherzustellen. Digitale Barrierefreiheit ist eine Grundvoraussetzung, um allen Menschen gleichberechtigte Teilhabe und politische Partizipation zu ermöglichen. Die Beauftragten betonen, dass Digitalisierung das Potenzial hat, bestehende Barrieren abzubauen – vorausgesetzt, sie wird barrierefrei und inklusiv gestaltet, heißt es in der Presseinformation der Beauftragten.

Die Senatskoordinatorin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen Ulrike Kloiber betonte hierzu: „Digitale Barrierefreiheit ist kein technisches Detail, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Nur wenn digitale Angebote von Anfang an barrierefrei gestaltet, klar strukturiert, verständlich und für alle zugänglich sind, können alle Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben.“

Barrierefreiheit bedeutet: einfache Zugänge für alle

Und weiter betonte Ulrike Kloiber: „Mit der Hamburger Erklärung senden wir ein klares Signal: Bund, Länder und Kommunen müssen digitale Barrierefreiheit als selbstverständlichen Standard verankern und die bestehenden Gesetze konsequent umsetzen. Digitalisierung darf kein Risiko der Ausgrenzung sein – überall dort, wo digitale Angebote noch nicht ausreichen, brauchen wir weiterhin analoge Zugangswege.“

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen erklärte: „Natürlich können digitale Anwendungen äußerst hilfreich für Menschen mit Behinderungen sein! Wir müssen sie nur von Anfang an barrierefrei entwickeln – und dabei die Expertise der Menschen mit Behinderungen konsequent einbeziehen, denn sie sind die Expertinnen und Experten in eigener Sache. Das Wissen und die Kompetenz von Entwicklern und Auftraggebern ist hingegen noch sehr ausbaufähig, hier müssen wir dafür sorgen, dass das Thema der Barrierefreiheit zwingend Bestandteil der Ausbildung wird. Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal für ein modernes Land – auch im digitalen Bereich. Deshalb muss sie von Anfang an auf unserer Checkliste stehen!“

Die Erklärung hebt hervor, dass digitale Angebote von Anfang an barrierefrei gestaltet und den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen sollte. Hierfür bilden die bestehenden Gesetze wie das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und das Onlinezugangsgesetz (OZG) bereits eine wichtige Grundlage. Allerdings müsse die praktische Umsetzung deutlich konsequenter erfolgen.

Die Beauftragten fordern unter anderem:

  • digitale Innovationen zu fördern, die Inklusion ermöglichen und Technologien von Beginn an barrierefrei auszugestalten;
  • bestehende rechtliche Verpflichtungen konsequent durchzusetzen – auch durch stärkere Überwachungs- und Sanktionsmechanismen sowie durch kürzere Übergangsfristen;
  • rechtliche Verpflichtungen auf weitere relevante Produkte und Dienstleistungen zu erweitern;
  • die öffentliche Verwaltung eine Vorbildfunktion einnehmen zu lassen – durch barrierefreie Beschaffung, Schulungen und Einbindung von Menschen mit Behinderungen bei der Entwicklung digitaler Verwaltungsleistungen, wie es im Hamburg bereits Praxis ist;
  • digitale Kompetenzen auszubauen und niedrigschwellige Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderungen anzubieten.

Die Beauftragten appellieren an Bund, Länder und Kommunen, die digitale Barrierefreiheit als selbstverständlichen Standard zu verankern und damit die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in der digitalen Gesellschaft zu gewährleisten.

Die „Hamburger Erklärung“ ist hier online abrufbar: Hamburger Erklärung

Lesermeinungen

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1 Lesermeinung
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Ralph Milewski
07.11.2025 18:01

Natürlich ist digitale Barrierefreiheit wichtig. Niemand stellt das infrage. Sie kann Türen öffnen, Kommunikation erleichtern und Teilhabe ermöglichen, theoretisch. In der Praxis bleibt sie jedoch oft ein isolierter Fortschritt, der an der Realität vorbeigeht.

Ich kann heute barrierefrei einen Arzttermin online buchen, in einer oftmals nicht barrierefreien Praxis. Ich kann mich auf der Website meiner Stadtverwaltung problemlos durch barrierefreie Menüs klicken, ohne dort eine einzige verlässliche Information über die tatsächliche Zugänglichkeit der eigenen Gebäude, Toiletten oder Dienstleistungen zu finden. Ich kann mir das Kinoprogramm barrierefrei ansehen, aber nicht ins Kino gehen.

Ich kann mir auf bahn.de barrierefrei anzeigen lassen, wann der nächste Zug fährt, aber nicht einsteigen, weil der Aufzug am Bahnhof defekt ist oder der Zug selbst ohne Hublift kommt. Ich kann den Kulturkalender meines Landkreises barrierefrei durchsuchen, der eine Fülle von Veranstaltungen auflistet, aber keine Informationen zur Barrierefreiheit der einzelnen Veranstaltungen bietet.

Und ich kann im Programm der Volkshochschule nach Kursen suchen, bei denen zwar markiert ist, ob sie barrierefrei sind oder nicht, aber keinen Filter nutzen, um gezielt nach barrierefreien Angeboten zu suchen.

Digitale Barrierefreiheit ersetzt keine reale Barrierefreiheit!

Zuletzt bearbeitet am 7 Monate zuvor von Ralph Milewski